1. NRW
  2. Düsseldorf

Mit 90 Jahren führt Dorothee Ehlenbeck noch ihre Galerie in Düsseldorf

Wir Düsseldorfer : Mit 90 Jahren führt Dorothee Ehlenbeck noch ihre kleine Galerie

Die Düsseldorferin verkauft auch ihre eigenen Werke. Sie bezeichnet sich selbst als „Glückskind“.

90 Jahre „jung“ ist Dorothee Ehlenbeck am Freitag vor einer Woche geworden. Und trotz des gesegneten Alters möchte man nach einer Begegnung mit ihr nicht von „alt“ sprechen. Die gebürtige Düsseldorferin sieht nicht nur viel jünger und sehr flott aus. Sie vermittelt dazu eine Lebendigkeit und einen Tatendrang, der nur erstaunen kann. Wohl deshalb hat sie noch die Energie, im Herzen Gerresheims, am Neusser Tor 5, ihre eigene kleine Galerie zu führen. Zumindest drei Mal in der Woche an den Markttagen öffnet sie, spontan aber auch öfter.

19 Quadratmeter klein ist das Ladenlokal im Haus, in dem sie auch wohnt, das sich vis-a-vis dem Gerresheimer Rathaus befindet. Hier entdeckt man die Künstlerin Ehlenbeck, die in ihrer Galerie ihre Zeichnungen, Stilleben, Keramiken, Siebdrucke und Aquarelle ausstellt und verkauft. „Ich habe alle Techniken gelernt, dann mit dem Aquarellieren angefangen, das war das Schwierigste“, sagt sie.

1980 freute sich die Künstlerin über ihre erste Ausstellung

Dabei entdeckte sie die Malerei noch nicht so früh für sich. In Bilk geboren, gab’s einen „kurzen Zwischenstopp“ in Heerdt, in Lierenfeld wurde sie eingeschult und sie machte eine Banklehre bei der Sparkasse. 1952 heiratete Ehlenbeck, zog zur Bilker Allee und hatte einen schönen Ausblick auf den Florapark. Sie fing an zu zeichnen, belegte Kurse bei der Arbeiterwohlfahrt, bei der Volkshochschule und bei einem Meisterschüler von Otto Pankok. Sie begann ihre Werke Freunden und Bekannten zu zeigen. Die Mutter einer Tochter freute sich, als sie 1980 schließlich ihre erste Ausstellung in der Bücherei Derendorf eröffnen durfte.

Zu dieser Zeit habe sie „den Mut gefasst“ und ihre erste Galerie an der Dreherstraße, ebenfalls im Stadtteil Gerresheim, eröffnet. „Das war eine alte Zwei-Zimmer-Wohnung“, erzählt sie, doch wegen der Wohnraumzweckentfremdung musste sie das Projekt nach ein paar Jahren aufgeben. So zog sie dann vor 30 Jahren in das Haus am Neusser Tor, konnte ihren Traum, das Hobby zum Beruf zu machen, fortführen. Auch dank der Unterstützung ihres vor vielen Jahren verstorbenen Ehemanns. „Er hat mir immer freie Hand gelassen, denn die Kunst hat viel Zeit gekostet, er hat mich gefördert“, erzählt sie in dankbarer Erinnerung.

Rückblickend sagt die 90-Jährige: „Ich habe Glück gehabt, war immer ein Glückskind.“ Sie ist froh, dass sie noch arbeiten „darf“. Inzwischen verkauft sie längst nicht mehr nur eigene Werke, kauft Geschenkartikel, Schals, Modeschmuck dazu. Reist deshalb noch auf Messen in die Niederlande und trifft für ihre Stammkunden wohl den richtigen Geschmack. So wie für Melanie Hofrath, die an diesem Morgen eine türkise Buddha-Figur, um die sie schon „seit Tagen rumgeschlichen ist“ und einen Armreif kauft. „Sie muss den Landen unbedingt halten“, sagt Hofrath.

Denn natürlich denkt Dorothee Ehlenbeck auch schon mal ans Aufhören. Es ist die Arthrose, die sie ärgert und „die fies weh tut“. Deshalb kann sie auch keine Keramiken mehr fertigen. Die Aquarellmalerei jedoch (mit unterschiedlichsten Motiven von früheren Italienreisen oder auch der Gerresheimer Basilika) hat sie nie aufgegeben. „Ich will mich immer noch weiterentwickeln“, sagt sie. Das weiß auch einer ihrer beiden Enkel. Er hat ihr deshalb zum 90. Geburtstag einen Kurs mit einem Künstler geschenkt, der zu ihr ins Haus kommen wird. Das tut ihr gut, denn zu Fuß ist sie inzwischen mit dem Gehstock unterwegs. Auch zum Fitnessstudio.

Nach dem Trubel um den runden Geburtstag will sie dort wieder drei Mal die Woche trainieren. „Ich gehe dort aufs Laufband, mache Übungen mit eigener Kraft und gehe dann an die Geräte — eine Stunde lang“, erzählt sie so, als ob es das Selbstverständlichste in ihrem Alter wäre. Da passt es auch, dass Dorothee Ehlenbeck am Ende gesteht, dass sie seit zwei Jahren einen Rollator besitzt, aber „eine Hemmschwelle“ hindere sie daran, diesen zu nutzen. Nicht zur Freude ihrer Familie, zu der inzwischen auch ein vierjähriges Urenkelchen gehört.

Doch Ehlenbeck ist eitel. Das gibt sie unumwunden zu. Dennoch hat sie vor drei Jahren ihr Auto abgegeben. Aufgeschlossen für Neues ist sie aber immer wieder. So besitzt sie ein I-Phone und sagt: „Das Mailen und Googeln ist schick, nur mit dem Fotografieren komme ich nicht so klar.“ Sie müsse sich jetzt mal aufschreiben, wie manche Dinge Schritt für Schritt mit dem Smartphone funktionieren und dann üben. „Wiederholung ist die Mutter der Weisheit“ lautet ihr Motto. Sie überlegt nun, „einen Handy-Kurs fürs begriffsstutzige Senioren“ zu belegen.

Begriffsstutzig wirkt diese Lebenskünstlerin wirklich nicht.