Mindspace in Düsseldorf Komplette Stilwerk-Etage wird zur flexiblen Bürofläche

Düsseldorf · Der Coworking-Anbieter Mindspace soll mehr Leben in das Einkaufszentrum bringen. Bald wird es dort noch weniger Handel geben.

Oliver Lehmann von Mindspace: Das Stilwerk an der Grünstraße ist für den Büro-Anbieter der weltweit erste Standort in einem Einkaufszentrum.

Oliver Lehmann von Mindspace: Das Stilwerk an der Grünstraße ist für den Büro-Anbieter der weltweit erste Standort in einem Einkaufszentrum.

Foto: Anne Orthen (orth)

Im Stilwerk an der Grünstraße kann man in der dritten Etage keine Möbel mehr einkaufen, sondern nur noch anmieten – 550 Schreibtische und Stühle sind dort als flexible Arbeitsplätze vorgesehen. Oliver Lehmann, Deutschlandchef von Mindspace, führt durch den neuesten Standort des Coworking-Anbieters und stellt direkt mal eine Sache klar: „Für uns“, sagt Lehmann, „ist der Arbeitsplatz nur ein Nebenprodukt. Die Leute kommen für das Drumherum.“

 Empfangsraum von Mindspace im Stilwerk: erinnert an die Lobby eines Boutique-Hotels.

Empfangsraum von Mindspace im Stilwerk: erinnert an die Lobby eines Boutique-Hotels.

Foto: Maximilian Nowroth

Dieses Drumherum ist ziemlich schick, passend zum Stilwerk: breite Sofas und Sessel auf Fischgrätparkett, riesige Pflanzen, Tische und Theken mit Marmorplatten. Vor allem: viel Platz. Man fühle sich wie in einem Designhotel, sagt eine Frau, die gerade mit ihren Mann Mittagspause im lobbyähnlichen Empfangsraum macht. Er managt einen Investmentfonds und arbeitet als Alternative zum Homeoffice auch mal hier, sie ist zu Besuch.

Flexible und gemeinschaftlich nutzbare Büroflächen, neudeutsch Coworking genannt, wachsen deutschlandweit – und besonders in Düsseldorf. „Der Bedarf bei den Unternehmen steigt“, sagt Oliver Lehmann. Nach Angaben des Bundesverbandes Coworking Spaces hat sich die Zahl solcher Flächen seit 2018 bundesweit mehr als versechsfacht. In Düsseldorf gibt es pro 100.000 Einwohner neun Coworking-Angebote, so viele wie nirgends im Land. Und jetzt eben einer mehr – an einem ungewöhnlichen Ort.

Ab April sind mehr
als 200 Mieter avisiert

„Weltweit ist das unser erster Standort in einem Einkaufszentrum“, sagt Omer Elad. Der globale Vertriebschef des israelischen Anbieters Mindspace ist auch zur Eröffnung nach Düsseldorf gekommen, es ist die zwölfte Filiale in Deutschland. Damit konkurriert Mindspace rund um die Kö mit Wettbewerbern wie Design Offices, Regus, Spaces und Tribes. Während die aber eher in Bürogebäuden untergebracht sind, arbeiten Mindspace-Mitglieder oberhalb von Luxus-Möbelhändlern. „Eine optimale Ergänzung unseres Premium-Angebots“, sagt Stilwerk-Gesellschafter Alexander Garbe.

 Kleinstmögliches Privatbüro von Mindspace im Stilwerk: Diese Fläche kostet ab 1400 Euro im Monat, die größten Büro-Räume bieten Platz für 40 Beschäftigte.

Kleinstmögliches Privatbüro von Mindspace im Stilwerk: Diese Fläche kostet ab 1400 Euro im Monat, die größten Büro-Räume bieten Platz für 40 Beschäftigte.

Foto: Maximilian Nowroth

Dementsprechend auch die Preise: Ein Platz auf der Gemeinschaftsfläche kostet ab 300 Euro monatlich. Die kleinsten Einzelbüros mit zwei schmalen Schreibtischen (nicht höhenverstellbar) beginnen bei 1400 Euro. Dafür sind ein Concierge, Postempfang und regelmäßige Veranstaltungen inklusive. „Wir wollen das Hotel für Büros sein“, sagt Oliver Lehmann. Aktuell ist noch fast jedes Arbeitszimmer frei, das soll sich schon bald ändern.

Ab April sind mehr als 200 Mieter avisiert, dann wäre der Standort fast halb voll. „Unsere länger bestehenden Standorte in Berlin, München, Frankfurt oder Hamburg sind mindestens zu 80 Prozent belegt und damit sehr profitabel“, sagt Lehmann. Zielgruppe seien vor allem Technologieanbieter und Dienstleister. In Düsseldorf entsenden bald einige Marketingagenturen ihre Mitarbeiter ins Stilwerk. Auch die Wirtschaftskanzlei DLA Piper hat sich den Standort angeschaut, wird aber nach eigenen Angaben wohl einem Wettbewerber den Vorzug geben.

Lehmann sagt, dass viele Unternehmen nicht mehr als 100 Quadratmeter suchen – damit einzelne Mitarbeiter einen attraktiveren Arbeitsplatz als die eigenen vier Wände bekommen. Dutzende Firmen sollen den neuen Standort bevölkern, um eine Bürogemeinschaft zu bilden. „Bei uns kann man andere Leute aus anderen Branchen treffen. Dadurch entstehen Synergien, die im Homeoffice nicht möglich sind“, sagt der Mindspace-Mann.

Apropos Synergien: Was bringt es eigentlich den anderen Stilwerkern, dass die obere Etage jetzt ein Coworking-Bereich ist? Ein Händler aus dem Erdgeschoss, der anonym bleiben will, sagt: wenig bis gar nichts. Das Mindspace habe einen eigenen Eingang, so könne es kaum neue Laufkundschaft geben. Er ist seit Eröffnung im Jahr 2000 im Einkaufszentrum, wird aber schon bald ausziehen.

Ein Blick auf die Plattform Immoscout verrät, dass da gerade eine größere Verschiebung im Stilwerk stattfindet: Neun Flächen werden zur Neuvermietung beworben, insgesamt 3500 Quadratmeter – in Summe fast eine ganze Etage.

Das Gebäude an der Grünstraße gehört dem Immobilien-Unternehmen Aroundtown. Aus dessen Umfeld ist zu hören, dass man das Stilwerk „bis Ende dieses Jahres wieder vollkriegen will“. Zwar soll der Kern als Luxus-Möbelhaus bleiben. Aber es werde auch neue Angebote geben. Warum nicht mal ein Fitnessstudio, eine Schönheitsklinik oder Gartenbedarf? Mit solchen möglichen Mietern gebe es Gespräche.

Das Stilwerk wird sich also weiter wandeln, die neue Coworking-Etage ist erst der Anfang. Immer schön flexibel bleiben.

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