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Millionen-Prozess um verseuchtes Grundwasser

Millionen-Prozess um verseuchtes Grundwasser

Von Eller aus flossen viele Jahre lang krebserregende Chemikalien ins Grundwasser. Um die Sanierungskosten wird jetzt prozessiert.

Düsseldorf. Dass es auf dem Gelände des ehemaligen Container-Bahnhofs Eller "Am Kleinforst" erhebliche Verunreinigungen des Grundwassers gegeben hat, ist bekannt.

Um welche Größenordnung es geht, wurde aber erst am Dienstag in einem Zivilverfahren vor dem Düsseldorfer Landgericht deutlich. Die Deutsche Bahn verklagt den Konzern Wacker Chemie und das Logistik-Unternehmen Danzas. Es geht um 17 bis 20 Millionen Euro für die Sanierung.

1974 hat die Deutsche Bahn das Gelände an das Logistik-Unternehmen Danzas verpachtet. Die Firma soll dort für das Münchener Unternehmen Wacker Chemie chlorierte Kohlenwasserstoffe gelagert haben, die von Reinigungen oder zum Entfetten gebraucht werden. Diese Stoffe, die sich in ober- und unterirdischen Tanks befanden, sind stark krebserregend.

Ob durch einen Unfall oder durch unsachgemäße Lagerung - die Chemikalien sind in den Boden geflossen und ins Grundwasser gelangt. Wie der Leiter des Umweltamtes, Werner Görtz, erklärte, hat sich bereits eine 3,7 Kilometer lange Fahne mit verunreinigtem Grundwasser in Richtung Rhein ausgebreitet: "Jedes Jahr sind es 300 Meter mehr."

2003 hat die Bahn damit begonnen, das Gelände zu sanieren. 4,3 Millionen Euro hat das bisher gekostet. Inzwischen wurde aber deutlich, dass die Reinigung des Grundwassers bis zu 20 Millionen Euro kosten wird.

Das übersteigt möglicherweise sogar den Wert, den das Grundstück hat. Darum will die Bahn nun die Verursacher zur Rechenschaft ziehen. Das ist nicht einfach, denn die Vorfälle liegen mehr als 30 Jahre zurück. Und Danzas gibt es nicht mehr. Die Firma wurde von der Deutschen Post übernommen.

Für Jörg Hettmann, den Leiter der Unternehmens-Kommunikation von Wacker Chemie, ist der Fall klar: "Wir haben das Lager niemals selbst betrieben, sondern Danzas damit beauftragt. Es ist auch vertraglich ganz klar geregelt, wer welche Aufgaben zu erfüllen hat." Darüber haben die beteiligten Parteien allerdings unterschiedliche Auffassungen. Eine Vielzahl von Zeugen wird in dem Prozess aussagen.

Die Stadt will auf den Ausgang des vermutlich langwierigen Verfahrens nicht warten und tritt in Vorleistung. Das heißt, die Sanierung wird zunächst mit städtischen Geldern finanziert. Allerdings möchte man auf den Kosten nicht sitzen bleiben. Darum läuft vor dem Verwaltungsgericht auch eine Klage der Stadt gegen die Deutsche Bahn. Bahnsprecher Gerd Felser wollte zu dem laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen.