Migrantenorganisationen sollen ins Junge Schauspielhaus nach Rath ziehen

Gast-Beitrag : Dieser Standort ist für ein Haus der Kulturen ungeeignet

Migrantenorganisationen sollen ins Junge Schauspielhaus nach Rath ziehen. Doch es gibt starke Argumente, die dagegen sprechen, wie der Autor unseres Gastbeitrags erläutert.

Das Junge Schauspielhaus an der Münsterstraße 446 in Rath (im Jahr 1993 eröffnet) will in den Hauptbahnhof ziehen. Was dem Jungen Schauspielhaus an diesem abgelegenen Standort in 26 Jahren an optimaler Nutzung nicht gelungen ist, soll nunmehr den Migrantenorganisationen gelingen. Sie sollen das Junge Schauspielhaus übernehmen und es mit Hilfe der Stadt Düsseldorf  in ein Haus der Kulturen umwandeln – in eine Einrichtung, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Nationalitäten ihre kulturellen Fähigkeiten darbieten, vor- und nachzeichnen, ausbilanzieren und ausloten, lernen und weitergeben, was das gesamte Gebilde des Lebens einer Gesellschaft oder eines einzelnen Individuums oder einer Gesellschaftsgruppe bestimmt:

Demokratie, Emanzipation, Diversität, künstlerische Darbietungen, Schulungen, Völkerverständigung, internationale Gesinnung sowie der Zugehörigkeitsgedanke sollen eine entscheidende Grundlage für die Arbeit des Hauses der Kulturen Düsseldorf bilden. Das ist ein breitrahmiger angelegtes Konzept als das des Jungen Schauspielhauses.

Dass dieser Standort auch für die Umsetzung eines nicht so umfangreichen Rahmenkonzeptes  nicht geeignet ist, liegt auf der Hand: Der Leiter des Jungen Schauspielhauses, Stefan Fischer-Fels, sagte, dass er in dem neuen Standort am Hauptbahnhof neben den Schulaufführungen mehr Abendveranstaltungen für „freiwillig kommende Jugendliche“ und junge Erwachsene sowie mehr Familienaufführungen ins Programm nehmen wolle. Das funktioniere am jetzigen, zu weit abgelegenen Standort nicht. Mit der Verwendung von Wörtern „freiwillig kommende Jugendliche“ in diesem Zusammenhang  verrät Fischer-Fels, dass die Jugendlichen nicht freiwillig zum abgelegenen Jungen Schauspielhaus gehen, sondern von Schulen motiviert und im Rahmen ihres Kunstunterrichts hingeschickt werden, die wiederum ihre Verwandten zum Mitgehen bewegen.

Des Weiteren sagte Herr Stefan Fischer-Fels: Eine Umfrage bei den Schulen habe zudem gezeigt, dass fast alle das Central bevorzugen würden. Das ist ein klares Gutachten, dass keiner oder nur sehr wenige sich freiwillig zu diesem Ort begeben würden.

Die Migrantenorganisationen, die die Organisation und Durchführung der Aktivitäten hauptsächlich ehrenamtlich (auch an Wochenenden) machen sollen, sollen ihre Zielgruppen aus dem Hut zaubern und ihnen diesen  abgelegenen Ort schmackhaft machen . Zum Nulltarif. Ist das nicht zu viel verlangt?

Oder wird das Potenzial und die Bedeutung der Menschen mit Migrationshintergrund, die einen Anteil an Düsseldorfer Bevölkerung von 35 Prozent ausmachen, unterschätzt oder sogar so geringgeschätzt, dass man ihnen nicht zutraut, aus einem investitionsfordernden Projekt was Nützliches für die ganze Stadt Düsseldorf zu machen?

Das Integrationskonzept der Landhauptstadt unterstreicht die Bedeutung der Integration der Menschen mit Migrationshintergrund in das gesellschaftliche Leben. Den schönen Worten müssen aber Taten folgen. Das abgelegene Junge Schauspielhaus als zentralliegend und repräsentativ zu verkaufen versuchen und den Migrantenorganisationen zumutend zu überlassen, zeugt aber von Kurzsichtigkeit. Mit anderen Worten: Ein halbherziges Fördern und somit eine Verkennung dessen, was die Migrantinnen und Migranten aus einem Haus der Kulturen – vorausgesetzt es liegt zentral –  machen und zum Image der Stadt Düsseldorf beitragen können.

Düsseldorf ist gekennzeichnet durch Internationalität und Vielseitigkeit. Aus diesem Grund nennt sich Düsseldorf auch Kulturstadt. Darum soll das Haus der Kulturen seinem Namen gerecht werden und zur Stärkung des Stadt-Images beitragen, eine Ausstrahlung haben und eine gewisse Anziehungskraft auf die Messebesucher und Touristen aus dem Ausland ausüben. Das hier in Rede stehende Haus soll seinen eigenen Charme entwickeln und die Events in Düsseldorf abrunden, damit die Stadt für jeden Geschmack etwas hat.

All das wäre eine Bereicherung in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht. Dies kann man aber nicht in einem abgelegenen Ort in Rath erreichen. Eine Investition in das Junge Schauspielhaus, um es in Haus der Kulturen umzubauen, wäre ebenso wie die Kosten für die Erstellung einer sogenannten Machbarkeitsstudie nicht zielführend, wenn nicht irreführend!.

Bereits Mitte der 80er Jahre hat die Stadt Düsseldorf den ausländischen Vereinen angeboten, ihre Vereinsräume in einem leeren Schulgebäude in einer vom Mörsenbroicher Weg abzweigenden Straße kostenlos zu beziehen. Die Vereine, die es gewagt hatten, dieses Angebot wahrzunehmen, sind nach einem halbem Jahr wieder ausgezogen, weil nicht mal ihre Vereinsmitglieder hingegangen sind – wegen des abgelegenen Ortes.

Ahmed El Kourai (62) ist gebürtiger Marokkaner, deutscher Staatsbürger und lebt seit 36 Jahren in Düsseldorf. Er ist Vorsitzender der Marokkanisch-Deutschen Assoziation für Beratung und Gemeinwesen und Mitgründer des Verbundes Netzwerk Düsseldorfer Migrantenorganisationen.