Mieterhöhungen: Mieter in Hassels sind verzweifelt

Mieterhöhungen: Mieter in Hassels sind verzweifelt

Die Mieterhöhungen durch den Investor stellen viele Bewohner der Fürstenberger Siedlung vor große Probleme. Ein Rundgang.

Düsseldorf. Auf dem Gehweg vor dem sonnengelb getünchten Mietshaus liegt eine tote Ratte, unter den Briefkästen ein Klumpen vom Regen getränkter Zeitungen. Hier und da verwaiste Einkaufswagen und Berge aus Sperrmüll, die schon Grünspan ansetzen. Aber die Menschen, die in der Fürstenberger Siedlung wohnen, haben ganz andere Probleme. Wenn sie noch hier wohnen. Kaum ein Klingelbrett, an dem nicht mehrere „Leerstand“-Vermerke statt Namenschilder pappen. Obwohl Samstagnachmittag, scheint keiner der Bewohner Zeit zu haben. „Kein Deutsch“ oder „Kein Kommentar“, heißt es meist auf die Frage, wie man mit der Mieterhöhung klar komme.

Foto: Melanie Zanin

Vor der Übernahme durch die LEG hatte der vormalige Besitzer, ein Investor aus Luxemburg, die Modernisierungskosten für 1415 Wohnungen auf die Mieter umgelegt (die WZ berichtete). Insgesamt betroffen: 5000 Bewohner. Hinter den blitzsauberen, himmelblauen und terrakottafarbenen Fassaden macht sich vielerorts Verzweiflung und Resignation breit. „Wir werden auf jeden Fall umziehen, am besten komplett weg hier“, sagt Armando Hammer.

Der 21-Jährige, der gerade seinen Realschulabschluss nachholt, bewohnt mit seiner Mutter eine Dreizimmer-Wohnung in der Potsdamer Straße. Sicher, einige Dinge wurden in der Wohnung neu gemacht, etwa das Bad, die Fenster und die Türen, aber: „Wir können uns die Wohnung nicht mehr leisten. Wir haben bei 600 Euro angefangen und zahlen nun 1000 Euro,“ sagt der junge Mann. Und dann „müssen“ Mutter und Sohn auch schon weiter.

Anwohner „Miroslaw“, der seinen wahren Namen nicht nennen möchte, grinst hingegen relaxt. „Ich zahle keine Miete, also ist es mir auch egal, denn die Miete übernimmt das Jobcenter“, sagt der junge Mann entspannt. Seine Wohnung kostete vorher 450 und jetzt 550 Euro.“ „Miroslaw“ weiß aber: „Viele sind schon weggezogen.“ Zu einer weiteren Aussage ist „Miroslaw“ bereit, bevor es auch ihn weiterzieht: „Die LEG ist nicht gut!“

Ganz und gar nicht egal ist die Mieterhöhung dem Rentnerehepaar Maria und Alexander Gebel. Schlimmer noch: Den Senioren, die seit 2004 in der Potsdamer Straße wohnen, zieht diese, wie nicht Wenigen hier, den Boden unter den Füßen weg. „Wir sollen jetzt 730, statt der 520 Euro zuvor an Miete zahlen und die Grundsicherung übernimmt das nicht“, erzählt Maria Gebel tonlos. Nun muss das Paar monatlich nachweisen, dass es sich um mindestens fünf neue Wohnungen bemüht.

Maria Gebel, die ihre über 80-jährige Schwester in direkter Nachbarschaft pflegt, sagt traurig: „Was wird aus ihr, wenn wir hier wegziehen, sie hat sonst niemanden und ich habe kein Auto.“ Die Rentnerin kritisch zu den Renovierungsmaßnahmen: „Im Schlafzimmer geht bereits die Heizung nicht mehr.“

Auch eine Frau mittleren Alters und ihre Tochter im Teenageralter möchten ganz schnell weiter huschen und nichts zum Thema sagen. „Wir werden wegziehen“, presst die Frau in polnischem Akzent heraus, während sie weiter eilt. Und: „40 Prozent mehr Miete können wir nicht bezahlen.“ „Das war ein Schlag für den Block“, äußert ein jüngerer Anwohner, der ebenfalls seinen Namen nicht nennen möchte. „Die, die die Wohnung von der Arge bezahlt bekommen, dürfen bleiben, aber die Meisten müssen weg“, so der Hasseler.

Bei Friseur Chan nahe am Komplex, brummt der Laden. Stille, als die Presse auftaucht. Chan, der selbst seit zweieinhalb Jahren hier wohnt und seinen Salon betreibt, sagt: „Ich kenne über 20 Familien, die nach den Mieterhöhungen weggezogen sind.“ Er zahle jetzt 400 Euro mehr: 1100 für eine Vierzimmer-Wohnung. Aber er kann das auffangen.

Eine Kundin, Anwohnerin der Fürstenberger Straße, ist bereit, sich zu äußern: „Wir sind im April innerhalb der Siedlung umgezogen. Wir zahlen zwar 100 Euro mehr, 1170 statt vorher 1070 Euro, aber für eine Vier-, statt vorher Dreizimmer-Wohnung.“ Dennoch spart die junge Frau nicht mit Kritik. Im Zuge der Renovierung seien unter anderem neue Fenster eingebaut worden. „Die alten waren besser und auch das Laminat soll angeblich sehr gut sein, aber die Hölzer gehen schon nach oben“, moniert die Frau. Es sei gesagt worden, es würde alles besser nach der Modernisierung. „Wir haben im Keller seit drei Wochen Überschwemmungen, alles ist voller Unrat und Fäkalien.“ Es sei zwar „etwas“ gemacht worden, aber die Keller liefen dennoch immer wieder voll. „Der Geruch zieht bis in unsere Wohnung in der ersten Etage“, sagt die junge Frau unmutig. Und die LEG wolle Schäden hieraus nicht übernehmen. „Die sagen, dass unsere Versicherung dafür aufkommen muss“, sagt die junge Mutter frustriert. Dass die Miete so hoch ist, damit hat die Familie ein großes Problem. „Aber als fünfköpfige Familie ist es in Düsseldorf sehr schwer, etwas Günstigeres zu bekommen,“ so die Einschätzung der Hasselterin.

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