Michael "Bully" Herbig diskutiert mit Schülern über den Film "Ballon"

SchulKinoWochen : Auf ein Selfie mit „Bully“

Michael Herbig war im Ufa-Palast und hat mit Schülern über seinen Film „Ballon“ diskutiert.

Kinosaal 6 ist nicht ganz voll, aber gut besucht. Nur die ersten drei Reihen bleiben frei. Auf der riesigen Leinwand im Ufa-Palast am Hauptbahnhof steht mittig schlicht der Titel des Films: „Ballon“. 250 Schülerinnen und Schüler aus Düsseldorfer Schulen und Berufskollegs haben den Film gerade im Rahmen der „SchulKinoWochen NRW 2019“ gesehen.

Jetzt ist der Film vorbei und vorne vor den Zuschauerreihen steht Regisseur Michael „Bully“ Herbig. Der Filmemacher wirkt zunächst etwas verloren vor der gigantischen Projektionswand. Mit schwarzer Kappe und Schal erzählt Herbig im halbdunklen des Kinosaals von der Arbeit an dem Film. Das macht er nicht zum ersten Mal. Herbig reist aktuell mit seinem Film durch die Republik, um vor Ort mit Schülerinnen und Schülern über diesen zu diskutieren. Souverän und ruhig erklärt er von seinem Bezug zu dem Stoff. „Ballon“ ist Herbigs erster ernster Film. Er erzählt die spektakuläre Ballonflucht der Familien Strelzyk und Wetzel aus der DDR im Jahr 1979.

Herbig, den alle nur Bully nennen, erzählt, wie er als Kind von der Geschichte gehört hat und von der Disney-Verfilmung von 1981 gefesselt war. Er berichtet von der Produktionszeit, von den Schwierigkeiten, die er hatte, als es um die Remake-Rechte von Disney ging. Erst sein Freund Roland Emmerich konnte ihm die nötigen Kontakte besorgen. Er erzählt von seinen Treffen mit den Familien Strelzyk und Wetzel. Von der innerdeutschen Grenze, die kein Schüler im Saal miterlebt hat. Von der intensiven Recherchearbeit und der Liebe fürs Detail, die in allen Produktionsschritten des Films wichtig war. Herbig wirkt routiniert, aber immer begeistert. Man nimmt ihm die Begeisterung für seinen Film ab. Die Distanz zwischen dem Regisseur und dem Publikum ist aber zu Beginn noch deutlich zu spüren. Herbig antwortet sehr ausführlich auf die wenigen zurückhaltenden Fragen aus dem Auditorium.

Erst nach etwa 15 Minuten löst sich die Stimmung, als „Bully“ die Barriere bricht und für ein Foto in die Mitte des Saals kommt. „Darf ich Euch auch posten?“, fragt Herbig. Der Saal antwortet wie aus einem Mund mit „Ja“. Der Knoten ist geplatzt. „Du musst Dein Popcorn nicht so festhalten, ich fress es Dir nicht weg.“ Der Entertainer Bully ist in seinem Element. Er scherzt, findet aber immer wieder den richtigen Ton für den ernsten Stoff.

Die Schüler trauen sich jetzt auch zu fragen. Viel dreht sich um den wahren Hintergrund der Geschichte. Wieso sind die Familien nicht mit dem Flugzeug geflohen? Woher kam das Geld für die Flucht? Kann so etwas wieder passieren?

Und auch wenn die meisten Schüler im Saal noch gar nicht geboren waren, als Herbig 2001 mit seiner Komödie „Der Schuh des Manitu“ sämtliche Zuschauerrekorde im deutschen Film brach, drehen sich viele Fragen immer wieder um seine Komödien. „Deine Comedyfilme haben meine Kindheit geprägt.“, gibt ein Schüler zu, „Kommt da noch was?“ Herbig freut sich über das Lob, aber er muss den Fan enttäuschen. Als Regisseur und Filmemacher habe er im Moment anderes im Kopf.

Was das sein könnte, verrät er kurz danach. Ein neuer Stoff hat es ihm besonders angetan: Die Geschichte einer Soldatin, die bei der Bundeswehr Opfer sexueller Gewalt geworden ist. Wieder ein Stoff, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Das Drehbuch muss noch geschrieben werden. Der Dreh sei aber für 2020 geplant. Die Kinopremiere für 2021. Vorher kommt aber noch der zweite Teil von „Hui Buh – Das Schlossgespenst“. Da spielt Herbig dann auch wieder die Hauptrolle. In ernsten Filmen würde seine „Fresse den Film kaputtmachen“,

Nach 45 Minuten bleibt keine Frage offen. Auch nicht zu seiner Zeit als Gummibärchen-Testimonial. Der Vertrag sei ausgelaufen. Er habe jetzt den Keller voller Gummibärchen und sei satt.

Dann ruft ein Schüler aus der Menge: „Machen Sie ein Selfie?“  Ist noch Zeit für Selfies? Herbig sucht den Blick seiner Assistentin.  Die nimmt den Filmemacher kurz zur Seite. Dann die Erlösung: Ja, es ist noch Zeit für Selfies.

Der Damm ist gebrochen, hundert Schüler zücken Ihre Handys und strömen zur Leinwand, um ein Foto mit „Bully“ zu bekommen.

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