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Michael Bolten hat die inoffizielle Chronik von Fortuna Düsseldorf geschrieben

Fortuna : Lesung in Düsseldorf: 125 Jahre Fortuna-Geschichte in einem Buch

Michael Bolten hat die inoffizielle Chronik des Fußballvereins geschrieben. Bei der Lesung stand auch Stadionsprecher Markus „Opa“ Haefs am Mikrofon.

Auch wenn Buchautor Michael Bolten nun schon seit über 30 Jahren nicht mehr in Düsseldorf wohnt, die Liebe zur Fortuna verließ ihn nie. Mit der Jubiläumschronik „125 Jahre Fortuna“ kam nun sein viertes Buch zu seinem Lieblingsverein auf den Markt. Die Themen gehen ihm dabei nicht aus, wie er grinsend erzählte: „Die Geschichte geht ja immer weiter.“ Am Sonntagabend lasen er und einige Gastautoren in der Oberbilker Bar „Kassette“ aus den Kapiteln des Buches. Moderiert wurde der Abend von Fortunalegende und Stadion-DJ Markus „Opa“ Haefs.

Das Publikum – bestehend aus engagierten Fortuna-Fans, die alle Sitzplätze in der loungigen Bar besetzten – schwelgte mit Bolten mit. Scherzhaft meinte Bolten bei der Aufstellung des Finalspiels im Europapokal der Pokalsieger 1979, die Älteren würden jetzt nostalgisch seufzen. Als dann die Namen der Allofsbrüder oder der Abwehrlegenden Zewe und Köhnen fielen, ging tatsächlich ein Raunen durch den Raum.

Die größten Lacher gab es, als Bolten und „Opa“ spontane Gedanken einschoben. Als Bolten erzählte, er habe das Spiel gegen Barcelona bei der Recherche noch mal gucken müssen, fiel ihm ein: „Ich musste bei den Torschüssen mitfiebern wie beim Live-Spiel, dabei wusste ich ja, wie es ausgeht.“ Bei all der Nostalgie hätte der Autor in der Chronik aber nur zu gerne auch die dunkleren Flecken der Vereinsgeschichte stärker beleuchtet. Doch vom Verein gebe es bisher nur sehr wenig Aufarbeitung zur Rolle im Nationalsozialismus und da Bolten kein Historiker ist, könne er diese Arbeit nur oberflächlich leisten.

Stadion-DJ Markus „Opa“ Haefs (l.) und Autor Michael Bolten. Foto: Christopher Mastalerz

Das Buch ist nun doch nicht die offizielle Chronik des Vereins

Eigentlich sollte das Buch die offizielle Jubiläumschronik des Vereins werden, doch dann sprang die Fortuna kurzfristig ab, und riet Bolten, keine Urheberrechtsverletzungen mit dem Buch zu begehen. Natürlich hagelte es da im Publikum lautstarke Kritik an der Vereinsführung. Auch „Opa“ als Repräsentant des Vereins zeigte seine Enttäuschung, wenn auch diplomatisch.

Zumindest musste nun keine Rücksicht mehr auf den Verein genommen werden, und an Kritik wurde nicht gespart. Henning Heske, der einige Kapitel beisteuerte, machte sich über die „Fortuna-DNA“ lustig, bei der sich der Verein 2017 nach 3000 Fan-Interviews ein Leitbild geben wollte. Das Ergebnis seien aber nur Plattitüden gewesen. Ein anderer Gastbeitrag von Ursula Kohlert räumte mit der nostalgischen Verklärung des vormodernen Fußballs auf. In der Zeit vor der Professionalisierung sei der Stadionbesuch kein Vergnügen gewesen. Frauen seien nicht willkommen gewesen und in den halbleeren, maroden Stadien gab es kaum Widerspruch zu sexistischen, rassistischen oder antisemitischen Gesängen.

Als „Opa“ bedauerte, dass der Verein seine Herkunft als Flingeraner Arbeiterclub zu vergessen scheine, kam es zur Debatte über die Entwicklung des Fußballs generell. Jeder freue sich über volle Stadien und dass sich der Fußball vom Arbeitersport zum Massenphänomen entwickelt hat; doch wie soll gewährleistet werden, dass genau diese Arbeiter überhaupt noch am Fußball teilhaben können?

„Am besten hat mir die Abschlussdiskussion gefallen. Die Frage, wo der Fußball hin will, ist sehr wichtig und betrifft ja nicht nur unseren Verein“, resümierte der 55-jährige Axel Rotermundt, der die Lesung sehr interessant fand: „Grob kennt die Fortuna-Geschichte ja jeder, aber die weniger bekannten Details sind sehr interessant. Ich denke, das Buch eignet sich sehr gut als Weihnachtsgeschenk.“ Wer Interesse daran hat, die Chronik zu verschenken oder sie für sich selbst zu kaufen, findet sie in den Buchhandlungen für 39,90 Euro.