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Meinungen zu Masken im Unterricht gehen auch in Düsseldorf auseinander

Schulen in Düsseldorf : Wie die Meinungen zu Masken im Unterricht auseinander gehen

Die Gesellschaft macht sich bei einstelligen Inzidenzwerten locker, doch Eltern, Schüler und Lehrer verunsichern die Debatten um den Corona-Schutz. Die Meinungen über Maskenpflicht und Unterrichtsgestaltung gehen auseinander.

Die Debatte, wer für einen bestmöglichen Pandemieschutz weiterhin Einschränkungen auf sich nehmen muss, hat kurz vor den Sommerferien die Schulgemeinden erreicht.

Denn während überall das Leben auf einen Beinahe-Normalmodus hochgefahren wird, bleiben die Schulen in einem vergleichsweise strengeren Pandemiemodus. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in dieser Woche laut über Wechselunterricht zu Beginn des neuen Schuljahres nachgedacht hat.

Tatsächlich gehen die Meinungen weit auseinander. Anna Braun (39) hat drei Kinder. Ihr Sohn geht aufs Gymnasium, die ältere Tochter zur Realschule und die Jüngste ist Grundschülerin an der Fuldaer Straße in Eller. „Als zu Wochenbeginn die Maskenpflicht für den Schulhof aufgehoben wurde, löste das bei einer Tochter lauten Jubel aus, aber mein Sohn sah das ganz anders. Er will die Maske auch auf dem Hof weiter tragen, weil er kurz vor dem Urlaub kein Risiko eingehen will.“

Die Auffassungen in den Schulen gehen auseinander

Vor allem die erste große Hitzewelle hat die Debatte um eine fortdauernde Maskenpflicht bei einstelligen Inzidenzwerten neu belebt. „Das ist im Sommer für die jüngeren Kinder ziemlich anstrengend“, sagt Birgit Nösser, Leiterin der Grundschule Fuldaer Straße. Ihre Kollegen hätten pragmatisch reagiert und beispielsweise die maskenfreien Frühstückspausen ausgedehnt. „So konnten die Kinder auch mehr trinken. Und um nicht zu viel Lernzeit zu verlieren, haben wir aus Lehrbüchern etwas vorgelesen“, sagt Nösser. Die geteilten Meinungen kennt sie gut. Viele Eltern wollten, dass die Schule die Corona-Auflagen so genau wie möglich einhalte. „Weil nur dann sichergestellt ist, dass bei einem infizierten Kind am Ende nicht doch die gesamte Klasse in Quarantäne muss. Und das möchten diese Mütter und Väter wegen des Jobs oder des anstehenden Urlaubs unbedingt vermeiden“, sagt Nösser. Auf der anderen Seite wird eine ihrer Viertklässlerinnen derzeit zu Hause unterrichtet. Die Eltern stünden unter anderem den Pflichttests ablehnend gegenüber.

Wie weit die Auffassungen in den Schulgemeinden auseinander gehen, weiß auch Ralf Strümpel. „Vehemente Masken-Befürworter und große Skeptiker, die über Kopfschmerzen und Luftprobleme bei ihren Kindern berichten, halten sich die Waage“, sagt der Vorsitzende der Schulpflegschaft am Goethe-Gymnasium in Düsseltal. Er selbst hält die Zeit für gekommen, an den Schulen aus der Maskenpflicht eine Empfehlung zu machen. „Wer das bei einer dauerhaften Sieben-Tage-Inzidenz von 10 oder weniger einfach beibehält, kommt in letzter Konsequenz nie mehr davon weg – das wünsche ich unseren Schülern aber nicht.“ Dass in Berlin wegen des präventiven Schutzes vor Virus-Varianten schon jetzt über Wechselmodelle nach den Feien nachgedacht werde, sieht der Vater eines angehenden Achtklässlers skeptisch. „Das Vertrauen in die Politik ist bei dem Thema Schulen in der Pandemie ohnehin angeschlagen und beschädigt“, sagt Stümpel. Heranwachsende bräuchten eine Schule, die zuverlässig in voller Präsenz laufe. „Und sie brauchen vor allem anderen die Gemeinschaft.“

Das sieht Alexander Schrimpf ähnlich. „Wir bereiten uns derzeit auf einen Präsenzunterricht nach den Sommerferien vor“, sagt der Leiter der Werner-von Siemens-Realschule in Düsseltal. Eine rein präventive Rückkehr zum Wechselmodell sieht er skeptisch. Doch: „Wenn die Delta-Variante oder eine wieder höhere Inzidenz es erfordern, werden wir natürlich umsetzen, was uns Politik und Regierung dann vorgeben.“

Auch Birgit Nösser setzt auf die Anwesenheit der Schüler unbd nennt dafür Gründe: „In den letzten anderthalb Jahren haben viele Kinder zugenommen und sind trauriger geworden, wir sollten den Präsenzunterricht weiter laufen lassen, solange es irgendwie vertretbar erscheint.“

(jj)