Mehr als 600 000 Ausfalltage wegen Rückenschmerzen in Düsseldorf

Gesundheit : Mehr als 600 000 Ausfalltage wegen Rückenschmerzen in Düsseldorf

Viele Menschen leiden unter Rückenschmerzen, doch nur wenige melden sich krank. Eine neue DAK-Studie zeigt, dass der Krankenstand insgesamt in Düsseldorf niedriger ist als im Bund und in NRW.

Leben die Düsseldorfer Arbeitnehmer besonders gesundheitsbewusst? Oder haben sie ein ausgeprägteres Pflichtbewusstsein? Oder fürchten sie mehr um ihren Arbeitsplatz als ihre Kollegen anderswo? Präzise Antworten auf diese Frage können selbst Experten nicht geben. Aber fest steht: Im Großraum Düsseldorf (umfasst neben der Landeshauptstadt auch die Stadt Neuss und den Kreis Mettmann) „feiern“ weniger Angestellte krank. Die Krankenstandsquote lag 2017 (wie schon 2016) bei 3,4 Prozent, heißt: An jedem Arbeitstag sind von 1000 Beschäftigten 34 wegen Krankheit abwesend. Sowohl in Deutschland insgesamt als auch in Nordrhein-Westfalen liegt der Krankenstand bei 4,1 Prozent, in manchen Städten des Ruhrgebietes auch über fünf Prozent. Das alles sind Ergebnisse des Gesundheitsreports 2018 der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK).

Immerhin hat Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke plausible Vermutungen für die geringere Zahl an Krankentagen in Düsseldorf: „Lohn- und Bildungsniveau liegen hier gewiss über dem NRW-Schnitt, das spricht dafür, dass die Düsseldorfer sich besser informieren über Gesundheitsangebote oder einen gesunden Lebensstil.“ Übrigens: Der Krankenstand in der öffentlichen Verwaltung, auch bei der Stadt Düsseldorf, liegt stets um ein paar wenige Prozentpunkte über dem in der Privatwirtschaft. Dies könnte ein Indiz für die größere Sorge um den Arbeitsplatz bei den Privaten sein.

82 Prozent aller Rückenpatienten melden sich nicht krank

Andererseits ist Düsseldorf keine Insel der Glückseligen für Arbeitgeber: Auch hier (Großraum) gibt es mehr als eine Million Ausfalltage wegen Krankheit und einen immer größeren Anteil dabei machen Rückenleiden aus. Weil so viele Menschen „Rücken haben“ ist die Wirbelsäule das Schwerpunktthema dieses DAK-Reports. In Düsseldorf sind Rückenschmerzen die dritthäufigste Ursache für das Krankmelden bei der Arbeit (hinter depressiven Episoden und den Infektionen der oberen Atemwege von der Erkältung bis zu Angina und Bronchitis).

 Dabei melden sich tatsächlich nur 18 Prozent von allen Rückenschmerzbetroffenen mal krank, 82 Prozent dagegen gehen trotzdem arbeiten. Das freilich findet Jörg Herdmann, der Chefarzt der Klinik für Wirbelsäule und Schmerz am St. Vinzenz-Krankenhaus, nicht besorgniserregend: „Denn die meisten sind ja auch nicht arbeitsunfähig.“ Der Neurochirurg hält Bewegungsmangel und Übergewicht nach wie vor für die Hauptursache dafür, dass immer mehr Menschen am Rücken leiden. Aber auch Stress, Unzufriedenheit mit der Arbeit machen laut der Studie eine Krankmeldung wahrscheinlicher. Gleichwohl steigt auch die Zahl der Krankenhausfälle und der Rücken-Operationen, Herdmann führt das allerdings darauf zurück, dass immer ältere Patienten noch mobil sein möchten und auch operiert werden können wegen neuer und verträglicheren OP- und Anästhesieverfahren.

Am häufigsten betroffen beim Rücken ist die Lendenwirbelsäule (79 Prozent der Befragten), gefolgt von der Halswirbelsäule (41 ). Bei den Befragungen von Arbeitnehmern im DAK-Report kam heraus, dass sich viele Beschäftigte eine bessere Gestaltung des Arbeitsplatzes (bequemerer Stuhl, Stehpult etc.) helfen würden, längst nicht alle Arbeitgeber haben die jedoch im Angebot. Dagegen liegen die Wünsche nach betrieblicher Gesundheitsförderung (Rückentraining, Stressbewältigung) statistisch auf Augenhöhe mit den tatsächlich verfügbaren Angeboten. 

Vor der Erkrankungsgruppe „Muskel-Skelett-System“ mit 17,9 Prozent, in der der Rücken klar auf Platz 1 rangiert , liegen nur noch psychische Krankheitsbilder in der Fehlzeiten-Statistik (21,6 %). Auf dem dritten Platz folgen die Atmungssysteme mit allen Formen der Erkältungen (15,8  %) vor Verletzungen, dem Verdauungssystem, Tumor-Erkrankungen. Nervenleiden. und dem Kreislaufsystem