Meckel und Schätzing diskutieren in Düsseldorf

Diskussion : Meckel und Schätzing: Kritischer Dialog zu künstlicher Intelligenz

Miriam Meckel und Frank Schätzing tauschten sich im Schauspielhaus über ihr derzeitiges Lieblingsthema aus — klar, deutlich und ohne Schnickschnack.

Von Inge Hufschlag

Künstliche Intelligenz schreckt nicht nur ab, sie zieht auch an — wenn sie von zwei schönen, klugen, echten Menschen vermittelt wird. Manche brauchten aber im Vorfeld der Podiumsdiskussion ein bisschen künstliche Intelligenz, um von hinten durch den Hofgarten ins Schauspielhaus zu finden. Auf der Bühne in Kooperation mit der Plattform ada, einer Publikation des Handelsblatt (gesprochen „Äh, da!“): die natürliche Intelligenz von Kommunikationswissenschaftlerin und Publizistin Miriam Meckel und des Bestseller-Autoren Frank Schätzing. Der intelligente, auch werbewirksame Titel: „Schmetterlinge im Kopf“ nimmt Bezug auf Bücher der beiden: Schätzings „Die Tyrannei des Schmetterlings“ und Meckels „Mein Kopf gehört mir“.

Auch Miriam Meckel hat sich mit der Digitalisierung auseinandergesetzt, in „Mein Kopf gehört mir“. Foto: Lepke, Sergej (SL)

„Schön, dass wir heute da sind“, freut sich Schätzing echt. Schön ist auch das, was auf dem Podium geschieht: Kein technischer Schnickschnack, sondern purer Dialog, flüssig, ohne überflüssige Eitelkeiten, sympathisch, hochspannend, auch mal witzig. Als Schätzing Meckel zu Beginn fragt, ob sie nicht vielleicht auch selbst ein Abbild künstlicher Intelligenz (KI) sei, von einem Ebenbild erschaffen, erinnert sich Meckel an ein Kompliment, das ihr mal gemacht wurde: „Eine Maschine könnte nicht charmanter oder romantischer sein.“

Recht bald war man bei der Frage, ob Gott uns erschaffen hat oder umgekehrt, weil der Mensch einfach ein Wesen über sich brauche. Versuche, sich ein solches zu basteln, gab es ja genug: über den Prager Golem, mechanische Flötenspieler, durch Hydraulik angetriebene Androiden bis hin zum Smart Phone oder GPS. Schätzing weiß von einem antiken Schmied, der sich bewegliche Jungfrauen schmiedete. Und überhaupt: sind wir alle doch auch ursprünglich wenig mehr als Lehm und Regenwasser. Es sei denn, wir haben dazu diesen Funken des göttlichen Feuers. Was die KI Gott-sei-Dank noch nicht hat. Oder doch? Oder schon bald?

Immerhin kann KI uns bereits helfen, körperlich gesund zu bleiben: Watson von IBM hat 50 Millionen Patientenakten im System, kann minutenschnell Krebs analysieren und sogar Therapien erstellen. Diabetes lässt sich aus Tränenflüssigkeit googeln. KI „sieht“ sogar seelische Probleme, „liest“ sie aus Mimik, Lippenbewegungen, Schweißausbrüchen.

Aber: Kann man einer Maschine auch eine ethische Entscheidung erlauben? Dies diskutierten Schätzing und Meckel am Beispiel des selbst fahrenden Autos beim voraussehbaren Crash. Dessen „beste“ Entscheidung könnte unter Umständen der Tod des Fahrers beim Frontalaufprall als das kleinere Übel sein, wenn auf der anderen Seite das Herumreißen des Steuers den Tod einiger Schulkinder an der Bushaltestelle bedeuten könnte. Schlechtes Verkaufsargument!? Dürfte der Maschine egal sein. Die hat ja keine Gefühle. Oder doch?

„Könntest Du Dir vorstellen, in zwanzig Jahren eine Roboter-Nebenfrau zu haben?“ wollte Meckel von Schätzing wissen. Noch nicht. Gegenfrage: „Könntest Du Dir vorstellen, Dich in einen Computer zu verlieben?“ Meckel überlegt: „Wenn er anders aussieht als mein Maccbook!?“ Beide können sich vorstellen, dass irgendwann die romantische Frage „Liebst Du mich“ abgelöst wird von der bangen „Bist Du echt?“. Und Verliebte seufzen: „Ich hab da Jemanden kennen gelernt. Ich bin total vernetzt.“

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