Maulkorb für Bäder-Mitarbeiter in Düsseldorf

Bäder Düsseldorf : Düsseldorfs Bäder-Chef wegen „Maulkorb“ unter Druck

Dass Mitarbeiter nicht Aufsichtsräte informieren dürfen, sorgt für Kritik. Vor allem weil die Geschäftsführung nach den Rheinbad-Vorfällen im Sommer den Aufsichtsrat kaum unterrichtet habe.

Bei der Bädergesellschaft gerät Geschäftsführer Roland Kettler erneut unter Druck. Diesmal geht es nicht wie im Sommer um  Ausschreitungen im Rheinbad und den Umgang damit, sondern um den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Konkret: Um die  Dienstanweisung 1/2019 zur „Wahrung der Vertraulichkeit“. Die verpasst der Belegschaft nicht nur einen Maulkorb im Umgang mit Öffentlichkeit und Presse, sondern auch gegenüber den Mitgliedern des Aufsichtsrates der Bädergesellschaft. Die nämlich solle grundsätzlich nur die Geschäftsführung informieren.

Für Stefan Wiedon, CDU-Sportpolitiker und Bäder-Aufsichtsrat, ist das ein Unding: „Das Vorgehen ist mehr als unsensibel. Ich möchte nicht nur die streng gefilterten Erkenntnisse des Bäderchefs bekommen, sondern im Zweifelsfall auch authentische Informationen aus der Belegschaft.“ Zumal die Geschäftsführung gerade im Zusammenhang mit den Rheinbad-Vorfällen den Aufsichtsrat nur äußerst sparsam oder gar nicht unterrichtet habe.  Zudem hatte Kettler Videoaufnahmen von einem Tumult im Bad gelöscht, bevor sie der Aufsichtsrat sichten konnte. Kettler betont, das habe er aus datenschutzrechtlichen Gründen tun müssen. Gegenüber der Bild-Zeitung kritisierte auch OB Thomas Geisel Kettlers Anweisung: „Ich halte das für nicht statthaft. Mitarbeiter müssen sich vertrauensvoll an Aufsichtsräte wenden können.“

Kettler verteidigte sich bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung damit, diese Dienstanweisung sei alt, sie stamme aus dem Jahr 1986. Das wiederum beruhigt Wiedon nicht: „Herr Kettler hätte dies längst ändern können.“ Er will das Rechtsamt bitten, den Passus zu überprüfen.

Mehr als um diese Dienstanweisung geht es in Wahrheit um die Zukunft Roland Kettlers als Bäderchef. Bei der Stadtspitze ist er in Ungnade gefallen, nach einer jüngsten Vertragsverlängerung ist es indes schwierig, ihn loszuwerden. Offiziell wurde die Stelle eines Geschäftsführers vom Aufsichtsrat im Sommer ausgeschrieben – ergänzend (zu Kettler) oder ersetzend, hieß es da. Einen zweiten hochbezahlten Manager für die relativ kleiner Gesellschaft aber will im Rathaus niemand,

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