Marktschwärmerei in Düsseldorf: Wenn Online-Shopping Bauernmarkt trifft

Regional einkaufen : Marktschwärmerei in Düsseldorf: Wenn Online-Shopping Bauernmarkt trifft

Bei der Marktschwärmerei können regionale Produkte beim Erzeuger online bestellt und auf dem Wochenmarkt abgeholt werden. Die Initiatorin Jana Lang will noch mehr Menschen von dieser neuen Art des Einkaufens überzeugen. Sie ist der Meinung: Düsseldorf ist dafür der ideale Ort.

Online bestellen, um die Ecke abholen. Dieser Idee bedienen sich mittlerweile einige Supermärkte. Um Transparenz, Nachhaltigkeit und Fairness geht es bei dieser Art des Einkaufens dann aber sicher nicht. Ganz anders die Idee der Marktschwärmerei: Regionale Lebensmittel werden über eine Online-Plattform direkt beim Erzeuger bestellt und können in einem bestimmten Zeitfenster auf dem Markt persönlich bei ihm abgeholt werden. „Ich will wissen, wo mein Essen herkommt. Und ich will wissen, was drin ist“, sagt Jana Lang, die das Konzept vor zwei Jahren nach Düsseldorf geholt hat und nun dafür kämpft, dass es noch besser angenommen wird. „Und mir ist es wichtig, dass der Verkauf unter fairen Bedingungen abläuft – auch für den Erzeuger.“ Die 30-Jährige ist davon überzeugt, dass vielen Düsseldorfern diese Punkte genauso am Herzen liegen. „Es hat sich nur noch nicht genug herumgesprochen, dass es eine einfache Art des Einkaufens gibt, die all diese Punkte berücksichtigt.“

Der Kunde bezahlt online und holt sein Produkt auf dem Markt ab

Bio-Eier von frei herumlaufenden Hühnern, Gemüse in Demeter-Qualität, unverpackte Seife ohne künstliche Zusatzstoffe: die Angebotspalette bei der Düsseldorfer Marktschwärmerei ist groß. Auf der Online-Plattform www.marktschwaermerei.de werden alle Erzeuger, die durchschnittlich 40 Kilometer von dem zu beliefernden Wochenmarkt entfernt liegen, aufgelistet. Mit einem Klick gelangt der Kunde auf die Angebotspalette des jeweiligen Erzeugers und erhält einen Überblick über die Geschichte des Hofs, die Herstellung des Produktes oder die Aufzucht und Haltung der Tiere. Mit einem weiteren Klick können dann die Produkte bestellt werden – dabei entstehen dem Kunden keine weiteren Kosten. Es gibt kein Abo, kein Mitgliedsbeitrag. Der Kunde bezahlt seinen Warenkorb direkt nach der Bestellung online und holt die Produkte dann nur noch auf dem Wochenmarkt ab. Bei der Gelegenheit kann er dem Erzeuger seines Lebensmittels dann auch persönlich die Hand schütteln. „Mehr Transparenz geht nicht“, sagt Jana Lang.

Zurzeit gehen wöchentlich
20 bis 30 Bestellungen ein

Seit Juni ist der Markt mittwochs zwischen 17.30 und 19 Uhr an der Rather Straße 25 in Derendorf zu finden – die Zeiten sind so gewählt, dass vor allem Berufstätige eine Chance haben, ihre Produkte zu bekommen. Bis dahin fand der Wochenmarkt auf dem Factory Campus in Lierenfeld statt. „Der Start in Lierenfeld war wesentlich besser als der Start in Derendorf“, bedauert Jana Lang. Zurzeit gehen wöchentlich 20 bis 30 Bestellungen bei den regionalen Erzeugern ein. Für Lang, die gegen eine Aufwandspauschale arbeitet und ansonsten viel ehrenamtliches Engagement aufbringt, sind die Zahlen angesichts der kalten Wintermonate ohne frisches Obst und Gemüse „in Ordnung“. Sollten sich die Zahlen in den kommenden Monaten aber nicht annähernd verdoppeln und der erhoffte Aufschwung nicht kommen, „müsste ich ernsthaft darüber nachdenken, das Projekt abzugeben.“

Auch für den Erzeuger hat der Verkauf über die Marktschwärmerei viele Vorteile: Sie verkaufen direkt an ihre Kunden, es entstehen keine Kosten für Zwischenhändler. „Beim Verkauf in den Einzelhandel bleiben den Erzeugern nur wenige Cent übrig. Bei der Marktschwärmerei gehen 81,35 Prozent aus dem Verkauf direkt an die Produzenten“, sagt Lang. Die Betriebe legen die Preise für ihre Produkte selbst fest und entscheiden über einen Mindestbestellwert.

Trotz dieser Vorteile musste Jana Lang vor der ersten Schwärmerei um die Teilnahme jedes Landwirtes kämpfen und bis heute viel Überzeugungsarbeit leisten. Zum einen erfordert die Bestellabwicklung über das Online-Portal Ressourcen in Form von Zeit und technischen Voraussetzungen. Zum zweiten ist der Weg zum Wochenmarkt besonders für kleine Höfe mit gekühlter Ware eine logistische Herausforderung. Jana Lang hat die teilnehmenden Höfe und Betriebe selbst ausgesucht und sich vor Ort von der Qualität der Produkte überzeugt. Die Auswahlkriterien für die Lebensmittel sind dabei streng: die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln oder Genfutter ist nicht erlaubt, Tiere müssen artgerecht gehalten werden und dürfen keine langen Transportwege haben. 19 Erzeuger mit rund 270 Produkten sind aktuell dabei. Mehr als 890 Düsseldorfer haben sich auf dem Portal als potenzielle Käufer registriert.

Für Jana Lang, die sich gerade beruflich neu orientiert und sich deshalb intensiv um den erhofften Aufschwung in Derendorf kümmert, ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Seit ihrer Kindheit setzt sie sich kritisch mit ihrer Ernährung auseinander. Sie glaubt fest daran, dass sich das Konzept in Düsseldorf etablieren wird.

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