Marionettentheater an der Bilker Straße und Puppentheater an der Helmholtzstraße - Superstars aus Stoff und Holz

Marionettentheater an der Bilker Straße und Puppentheater an der Helmholtzstraße - Superstars aus Stoff und Holz

Manuela von Zacharewicz macht Theater für Kinder, Anton Bachleitner für Erwachsene. Ihre Hauptdarsteller heißen Kasper, Faust oder Jim Knopf.

Düsseldorf. Es handelt sich eindeutig um getrocknetes Holz. Linde, aus der Eifel. Acht bis zehn Jahre gelagert. Doch es sind die Superstars literarischer Fiktionen, die sich in den Kellerräumen des Palais Wittgensteins versammelt haben. Faust, Papageno, Momo und Jim Knopf, um nur einige zu nennen. Mehr als 500 Puppen hängen im Fundus des Marionettentheaters.

Mitten unter ihnen: Anton Bachleitner. Seit 29 Jahren leitet er das Haus. Zudem ist er Geschäftsführer, Zeichner, Bühnenbildner, Schnitzer, Regisseur, Puppenspieler. Lieblingsfigur: Papageno aus der "Zauberflöte". Mozarts Musik erleichtere ihm den geistigen Sprung in die Marionette. Dann stehe er nicht mehr auf einer der drei Führungsbrücken über der Bühne und lenke die Figur aus knapp drei Metern Höhe, sondern sei "ganz in der Figur". Nachdenken dürfe er dann nicht. "Ich würde sofort einen Fehler machen." Bachleitner verweist auf Heinrich von Kleist, der in seinem Essay "Über das Marionettentheater" eben dieser Grazie des Unbewussten nachgespürt hat.

Schon als Kind ist Bachleitner den Marionetten verfallen, gründet als Schüler sein erstes Theater. Mit Anfang 20 übernimmt er das Haus in Düsseldorf. Seine Faszination: "Es ist, als ob tote Materie lebendig würde, das hat etwas Magisches." Außerdem betont Bachleitner die Freiheit des Puppenspiels. "Fast wie im Kino." Mit Leichtigkeit könnten Figuren fliegen, Loks versinken, Ungeheuer erscheinen.

Im Team mit sieben Voll- und fünf Teilzeitkräften stellt Bachleitner Jahr für Jahr ein neues Stück auf die Beine. Das erfolgreichste ist der "Wunschpunsch" von Michael Ende mit knapp 1000 Aufführungen. Ende war bis zu seinem Tod im Jahr 1995 ein enger Freund des Hauses.

Inzwischen ist die Arbeit schwieriger geworden. "Früher waren wir permanent ausverkauft, unabhängig vom Stück. Heute müssen die Stoffe bekannt sein." Zudem sei Theatermachen teurer geworden, die Förderungen von Stadt und Land stagnierten hingegen. Die Konsequenz: reichten früher 170 Vorstellungen im Jahr, müssen es heute 230 sein. Bis zu 80 Stunden pro Woche arbeitet der Theaterchef in Produktionszeiten.

Aber Bachleitner ist nicht unzufrieden. Die Auslastung des 99Zuschauer fassenden Theaters liegt bei 82 Prozent. Und nicht ohne Stolz auf die Wirtschaftlichkeit der eigenen Arbeit stellt er einen eindrucksvollen, wenn auch angesichts des kleineren Kostenapparats leicht hinkenden Vergleich an: "In NRW wird jede gekaufte Theaterkarte im Schnitt mit 135 Euro subventioniert, bei uns sind es nur 11,64 Euro."

Manuela von Zacharewicz muss schmunzeln. Die Theaterleiterin sitzt im Büro ihres Puppentheaters an der Helmholtzstraße und zieht an ihrer Zigarette. "Bei uns wird jede Karte sogar nur mit 4,78 Euro bezuschusst."

Trotzdem ist sie wie Bachleitner natürlich froh über die Unterstützung. "Ohne Zuschüsse ginge hier gar nichts." Allerdings versteht sie nicht, warum diese vergleichsweise gering ausfallen. "Wir sind der Einstieg in die Kultur." Und der sei immer wichtiger für die Kinder. Immer zerstreuter werde ihr junges Publikum. "Bei uns müssen die Kinder ihren Kopf einschalten. Das unterscheidet uns vom Fernsehen."

Macht das Marionettentheater Programm für Erwachsene, spielt Zacharewicz vor allem für Zweieinhalb- bis Elfjährige. Wir ergänzen uns gut", sagen die beiden Theatermacher unabhängig voneinander. Wie im Marionettentheater sind auch an der Helmholtzstraße Universalisten statt Spezialisten gefragt sind. Zacharewicz schreibt sogar die meisten ihrer Stücke selbst. "Die Rechte für bekannte, aktuelle Stoffe können wir uns nicht leisten." Mit Hilfe von drei Festangestellten und vier Aushilfen stemmt Zacharewicz den gesamten Entstehungsprozess eines Werks. "Mir gefällt die Vielseitigkeit des Berufs. So wird es nicht langweilig."

Seit 17 Jahren leitet die 47-Jährige das Theater. Zuvor war sie bereits mit einer Wanderbühne in Düsseldorf unterwegs. Doch trotz dieser langen Zeit steht Zacharewicz nach wie vor nicht gerne im Mittelpunkt. Jeden Tag aufs Neue sei die Ansprache vor der Aufführung eine Überwindung für sie. Erst hinter der knapp drei Meter hohen und vier Meter tiefen Bühne fühle sie sich wohler. "Die Begeisterung der Kinder ist aber alle Mühen wert."

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