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Marc Scholz hat im Apollo musikalisch das Sagen

Apollo Varieté : Marc Scholz hat im Apollo musikalisch das Sagen

Obwohl er erst 26 Jahre alt ist, hat er von Theaterleiter Adrian Paul das Vertrauen ausgesprochen bekommen. Bei zwei Shows war er schon als Musiker dabei.

Marc Scholz ist erst 26 Jahre alt. Eigentlich ist er in einem Alter, in dem man denkt, dass man noch sehr viel lernen muss. Doch auf den Schultern des jungen Mannes aus Hannover lastet schon eine Menge Verantwortung, denn seit dem Start der Show „British Invasion“ am 16. Januar ist er der musikalische Leiter im Apollo Varieté. Und damit auch verantwortlich für das Personal, das auf der Bühne Musik macht.

Dass Marc Scholz später mal irgendwas mit Musik machen würde, war ihm schon als kleiner Junge klar: „Ich habe mit vier Jahren meine erste Gitarre geschenkt bekommen, und als ich dann mit acht Jahren die erste AC/DC-CD gehört habe, da war es um mich geschehen.“ Der Sound habe ihn förmlich umgehauen und sein späteres Leben total beeinflusst.

Schnell hat er auch gemerkt, dass ihm Schule gar nicht so viel Spaß macht wie die Musik. „Und wer viel probt, der hat dann auch gar nicht mehr so viel Zeit zum Lernen.“ Nach und nach gingen seine Noten in den Keller und er musste das Gymnasium verlassen und auf eine Realschule wechseln. Nebenbei hat er aber weiter Gitarren-Unterricht gegeben. „Das hatte für mich auch einen sozialen Hintergrund. Meine Schüler waren Kinder, Demenzkranke, Senioren oder Flüchtlinge.“

Seine alte Heimat sieht Marc Scholz nur noch selten

Eine entscheidende Wendung nahm sein Leben, als er Anca Graterol kennenlernte, bei der er selber Unterricht nahm. Die Gitarristin gründete schon mit 13 Jahren in ihrem Heimatland Rumänien ihre erste Band. Nach dem Studium der klassischen Gitarre erlebte sie einen musikalischen Durchbruch mit der Band „Catena“. Ab 1972 gehörte sie zu den bekanntesten Bands in Rumänien und war in zahlreichen Fernsehauftritten zu sehen und gab Interviews. 1977 ging Anca Graterol nach Deutschland. Außerdem singt sie Vereinshymne von Hannover 96. Sie trat auch schon im Apollo auf und spielte in der Show-Band an der Bass-Gitarre.

Graterol ist eine langjährige Freundin von Bernhard Paul, dem Gründer des Apollo Varietés und des Zirkus Roncalli. Sie gab auch Pauls Sohn Adrian, dem heutigen Theaterleiter des Apollo, Gitarrenunterricht, und so lernten sich irgendwann auch Marc Scholz und Adrian Paul in Hannover kennen. Ab Herbst 2016 spielten Anca Graterol und Marc Scholz zusammen in „Route 66“. 2018 spielte er dann noch in „Legends of Entertainment“.

Und heute entscheidet Scholz, wer die Musik im Apollo macht. Die richtige Besetzung für eine Band zu finden ist nicht so einfach: „Einfach fünf Musiker aussuchen und zusammen spielen lassen, funktioniert leider nicht“, sagt Marc Scholz. Natürlich achtet er darauf, dass die Musiker handwerklich perfekt sind, doch es gibt auch noch viele andere Kriterien, die sehr wichtig sind. „Ich suche auch nach Charakteren, die zwar eigen, aber nicht zu schwierig sind. Die Bühne ist Teamarbeit.“ Musikalisch erwartet die Besucher bei „British Invasion“ eine Zeitreise durch die 60er Jahre, in denen die Beatles oder die Rolling Stones den Ton angaben. „Die Songs sind für die heutige Zeit aufgepeppt. Und so denke ich, dass jedes Publikum angesprochen wird.“

In seine alte Heimat Hannover kommt er heutzutage nur noch selten. „Man muss in diesem Beruf halt viel reisen. Da sieht man meistens nur die Halle, das Hotel und sonst nichts. Daher ist bei Musikern die Heimatverbundenheit auch nicht so stark ausgeprägt. Aber das weiß man vorher. Und deshalb arrangiert man sich mit der Situation“, sagt Scholz.

Freundschaften zu pflegen, sei daher auch immer etwas schwierig. „Man hat vielleicht weniger Freunde, aber die sind es dann häufig fürs Leben. Und mit Beziehungen ist das auch nicht immer so einfach.“

Für „British Invasion“ ist er nun bereits zum dritten Mal für längere Zeit in Düsseldorf. Und inzwischen fühlt sich Scholz sogar ziemlich wohl. „In meiner Freizeit laufe ich oft am Rhein entlang. Die Altstadt meide ich allerdings, sie hat mir zu viel Reeperbahn-Charakter. Und es ist nur ein Vorurteil, dass Musiker ständig auf Partys rumhängen oder Drogen nehmen. Ich spiele sieben bis acht Shows in der Woche, das würde überhaupt nicht funktionieren. Dazu kommen noch jede Menge Stunden bei den Proben.“

Und das Musiker-Dasein ist eben nicht immer glamourös: „Im Geld schwimmt man bei dem Job nicht“, sagt Scholz. Wie lange er als Berufsmusiker auf der Bühne stehen möchte, kann er noch nicht sagen. „Ich denke noch nicht so weit im Voraus. Aber bis 60 werde ich das bestimmt nicht schaffen. Dafür ist der Stresslevel meistens zu hoch.“