Manuskript von Hermann Harry Schmitz entdeckt

Manuskript von Hermann Harry Schmitz entdeckt

Die Originalhandschrift des Düsseldorfer Satirikers fand ein Ehepaar zufällig beim Neuordnen seiner Buchbestände.

Der Düsseldorfer Satiriker Hermann Harry Schmitz (1880-1913) hat viele Kolumnen und Geschichten geschrieben. Vorveröffentlichungen erschienen häufig in dieser Zeitung, damals noch „Düsseldorfer Nachrichten“. Leider ist fast der gesamte Nachlass des Schriftstellers, der sich schon in jungen Jahren das Leben nahm, im Krieg verloren gegangen. Auch das Wohnhaus an der Schumannstraße 13 existiert nicht mehr.

Doch es gibt kleine Glücksmomente. Denn jetzt ist ein altes Manuskript aufgetaucht. Es gehört Thomas und Brigitte Bachem aus Solingen. Der Vater von Thomas Bachem, Ferdinand Bachem (1895-1958), war Journalist unter anderem bei der „Bergischen Morgenpost“ Solingen und dem „Freien Wort“ (Gerresheimer Tageblatt). Seine Kollegen bei der Morgenpost hätten ihm 1946 anlässlich seines Ausscheidens aus der Redaktion das „Buch der Katastrophen“ von Hermann Harry Schmitz (2. Auflage, erschienen 1917) gewidmet, berichtet Klaus Lehmann, Vorsitzender der Hermann-Harry-Schmitz-Societät Düsseldorf. „Vermutlich kannten sie seine Begeisterung für die Geschichten von Hermann Harry“, sagt Lehmann. Ferdinand Bachem habe Schmitz ja als junger Mann noch erlebt, seine wöchentlich in den „Düsseldorfer Nachrichten“ veröffentlichten Geschichten gelesen und seine „reichsweite“ Popularität sicherlich verfolgt.

Das „Buch der Katastrophen“ erschien erstmals 1916, also posthum. In diesem Buch ist auch die Fabel von „Der Fuchs und die Trauben“ erstmals gedruckt veröffentlicht worden. Herausgeber war Victor M. Mai, Chef des Feuilletons der Düsseldorfer Nachrichten. „Mai war Freund, Förderer, Mentor, Lektor und bekannt dafür, dass er manches aus dem literarischen Nachlass überarbeitet hat“, erklärt Lehmann.

So habe er auch in vielen der bis Ende 20er Jahre erschienen weiteren Auflagen des „Buch der Katastrophen“ immer wieder kleinere Textänderungen vorgenommen. Die dem Hermann-Harry-Schmitz-Institut jetzt überlassene Handschrift weise fünf Eingriffe des Herausgebers Mai nach.

Die Bachems fanden die Schmitz-Handschrift mehr oder weniger zufällig. „Bei der Neuordnung der häuslichen Buchbestände fiel Thomas Bachem, der seit seiner Jugend Schmitz-Fan ist, das Buch wieder in die Hände und er entdeckte darin das einliegende handschriftliche Originalmanuskript“, erzählt Lehmann. Am Rand des Blattes habe Schmitz den Entstehungsort, die Schumannstraße 13 (letzter Wohnsitz der Familie Schmitz), vermerkt.

Das Hermann-Harry-Schmitz-Institut ist das kleinste unter den 19 Kulturinstituten in der Stadt Düsseldorf und das einzige, das jegliche finanzielle Förderung aus öffentlichen Kassen bewusst ablehnt. „Darum war es eben auch nicht möglich, für einen Ankauf entsprechende Finanzmittel aus den Haushalten des Bundes, des Landes oder Stadt Düsseldorf einzuwerben — unabhängig von den nicht vorhandenen eigenen Mitteln“, erläutert Lehmann. Und ein gebührender öffentlicher Platz in der Vitrine in der Literatur-Laterne des Uhrenturms an der Grafenberger Allee sei nun gesichert. „Wir freuen uns sehr, dass die Bachems die Handschrift geschenkt haben“, sagt Lehmann. Doch mit ganz leeren Händen steht Lehmann nicht da. Er überreichte den Bachems zwei „Schiffspassagen“ mit dem von der Hermann-Harry-Schmitz-Societät organisierten Opern-Schiff der Düsseldorf Lyrik Opera für den 16. Juni.

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