„Man muss sich immer erst beweisen“

„Man muss sich immer erst beweisen“

Der psychische Druck, der auf Kleinwüchsigen lastet, ist oft enorm.

Düsseldorf. Kleinwuchs ist eine Wachstumsstörung, deren Ursachen nur teilweise bekannt sind. „Darum sind auch Behandlungen weitgehend aussichtslos“, erklärt Christel Meuter vom Bundesselbsthilfe Verband Kleinwüchsiger Menschen. Es gebe Menschen, die sich die Knochen brechen und dann strecken lassen. Doch diese Methode sei langwierig und deshalb sehr umstritten.

Manche der Kleinwuchsformen seien erblich, aber die Erkenntnisse darüber noch eher ungenau. Sicher sei, dass der Minderwuchs häufig verdeckt weitervererbt werde, sprich: Eltern und Geschwister haben in der Regel eine „normale“ Größe. Der Fall ist das zum Beispiel bei Menschen, die wie B. Köhler an Achondroplasie leiden.

Kleinwuchs kann aber auch hormonell bedingt sein. Dabei handelt es sich laut Meuter um einen Minderwuchs, der darauf beruht, dass verschiedene Hormone beim Wachstumsprozess fehlen. Kinder, die an einer hormonbedingten Wachstumsstörung leiden, können in einzelnen Fällen behandelt werden. „Das muss allerdings erst der Facharzt klären.“

Eine weitere Form ist der „Konstitutionelle Kleinwuchs“, bei dem Betroffene immer noch zwischen 1, 50 und 1,60 Metern groß werden können. Bei der sogenannten Dysmelie handelt es sich dagegen um eine Behinderung, bei der sich die Extremitäten bereits im Mutterleib nicht richtig entwickeln.

Der Psychische Druck der auf Kleinwüchsigen ist laut Meuter oft enorm: „Man muss sich im normalen Umfeld immer erst beweisen.“ Eine, die das geschafft hat, ist übrigens Christine Urspruch, wie sie erst vor wenigen Monaten im Interview mit der WZ bekannte. Dort freute sich die Schauspielerin, dass ihre Körpergröße in einer neuen Theaterrolle keine Rolle spielt. „Es ist schön für mich, dass wir soweit in der Normalität angekommen sind, dass das Äußerliche gar nicht so im Vordergrund steht“, sagte sie.

Anderen Kleinwüchsigen kann der Bundesselbsthilfeverband auf dem Weg in die Normalität helfen: „Wir geben Tipps, damit sich Betroffene für die größere Welt wappnen können“, sagt Meuter.