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Düsseldorf: „Mamas“ springen im Notfall ein

Düsseldorf : „Mamas“ springen im Notfall ein

Eine Mutter gründet einen Service, der kurzfristig Eltern ersetzt und für die Kinder sorgt.

Düsseldorf. Die kleine Maja hat den hartnäckigen Atemwegsinfekt gerade hinter sich. Eine Woche lang konnte ihre Mutter nicht ins Büro gehen, der Chef ist bereits verärgert, viel zu viele Aufgaben sind liegen geblieben. Doch in die Kita darf Maja trotzdem noch nicht gehen. Die Ansteckungsgefahr ist zu hoch. Die Oma, die auf das Kind aufpassen sollte, ist selbst erkrankt, der Vater ist auf Geschäftsreise.

„Solche Fälle kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut“, sagt Angela Schmidt. Deshalb gründete sie vor knapp vier Jahren die „Notfallmamas“, einen Betreuungsservice, der im Notfall einspringt. Das Konzept: Pädagogische und medizinische Fachkräfte sind spätestens nach drei Stunden am Einsatzort — dem Zuhause der Familie. Die Eltern können guten Gewissens arbeiten gehen.

Angela Schmidt kam die Idee aus der eigenen Not heraus. „Wir waren gerade nach Hamburg gezogen, ich arbeitete als Geschäftsführungssekretärin. Meine kleine Tochter ging in den Kindergarten, doch im ersten Winter war sie mehr zu Hause als dort. Ständig war sie krank“, erinnert sich Angela Schmidt.

Ein krankes Kind mit Fieber fremd betreuen zu lassen, kam für die heute 50-Jährige nicht infrage. „Aber auch, wenn das Kind eigentlich schon wieder fit ist und spielen will, darf es noch nicht in den Kindergarten, weil es andere Kinder anstecken könnte“, sagt sie. Als sie wieder ins Büro gehen wollte, hatte sie keinen Babysitter für ihre Tochter. „Damals hätte ich mir gewünscht, mein Kind kurzfristig in guten Händen zu wissen“, sagt Schmidt.

Aber auch an Unternehmen dachte Angela Schmidt bei der Gründung ihrer GmbH: „Je nachdem, wie klein ein Unternehmen ist, wird es schwierig, den häufigen Ausfall von Müttern oder Vätern abzufedern“, sagt sie. Deshalb können auch Firmen auf den Betreuungsservice zugreifen, sogar Monats- und Jahresabos abschließen.

Mittlerweile beschäftigt Angela Schmidt an drei Standorten insgesamt 25 Notfallmamas — in Düsseldorf sind es bisher erst drei. „Es laufen gerade weitere Bewerbungsgespräche mit potenziellen Notfallmamas, damit wir auch in Düsseldorf gut aufgestellt sind“, sagt Schmidt.

Die Notfallmamas müssen einige Voraussetzungen erfüllen. Sie sind Kinderkrankenschwestern, Lehrerinnen oder Erzieherinnen, die neben ihrem Beruf noch Zeit haben oder bereits im Ruhestand sind. „Alle haben Erfahrungen im Umgang mit Kindern, haben einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind absolviert, ein Gesundheitszeugnis und erweitertes Führungszeugnis vorgelegt“, sagt Schmidt.

Das hat aber auch seinen Preis: Eine Stunde Betreuung kostet 29,75 Euro. Die Mindesteinsatzzeit beträgt vier Stunden. „Das klingt erst einmal nach viel Geld, aber die Kosten sind bis zu zwei Dritteln steuerlich absetzbar“, sagt Schmidt. In vielen Fällen springe aber auch der Arbeitgeber ein: „Besonders in Anwaltskanzleien, in denen Mitarbeiter Termine unbedingt einhalten müssen, wird auf unseren Service zurückgegriffen“, sagt Schmidt. Auch einige große Düsseldorfer Unternehmen hätten bereits ihr Interesse an einem Abonnement bekundet.