„Mädchen schlagen häufiger zu“

„Mädchen schlagen häufiger zu“

Zahlen gewaltbereiter Mädchen leicht gestiegen.

Düsseldorf. Sie bilden Gangs, stehlen und sind lange nicht mehr nur passive Mitläuferinnen, sondern schlagen auch selbst zu. Bestes Beispiel für die Gewaltbereitschaft bei jungen Frauen boten die Anklagebanken gestern. Zwei Prozesse, bei denen sich gerade Mädchen wegen gewaltsamer Delikte verantworten mussten.

Im Fall eins haben die beiden 18-jährigen Angeklagten Sandra und Meike (Namen geändert) einen Jungen aus der Freundes-Clique zusammengeschlagen und ihm das Handy entwendet. „Wir wollten nur mal kurz damit telefonieren“, verteidigten sie ihre Tat. Warum sie so auf den Jungen eingeprügelt und getreten haben, wissen sie gar nicht mehr. „Ich hatte auch viel getrunken“, sagt Sandra, die bereits vorbestraft ist. Das Opfer litt: „Ein wenig Angst hatte ich schon“, gibt der 18-jährige Schüler zu. Verurteilt wurden beide Mädchen zu je 20 und 30 Arbeitsstunden. Sandra muss außerdem 300 Euro Schmerzensgeld zahlen und an einer sozialen Gruppenarbeit teilnehmen.

Im zweiten Fall ging es härter zu. Fünf Jungs prügelten sich vor einem Irish-Pub. Sonja (Name geändert) beobachtete das Geschehen. Plötzlich sei die mehrfach vorbestrafte 18-Jährige aber mitten im Geschehen gewesen, wie ein Zeuge aussagte. Laut Anklageschrift hat sie wie von Sinnen mit einen Holzstock mit Eisenaufsatz auf zwei Männer eingeschlagen — obwohl sie mit dem eigentlichen Gerangel nichts zu tun gehabt hatte.

Verurteilt wurde sie zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung. Die fünf Jungs müssen Arbeitsstunden absolvieren. „Quantitativ lässt sich nicht von einer Zunahme von Gewalttätigkeit bei jungen Frauen sprechen. Aber die Qualität ist eine andere geworden“, sagt Edwin Pütz (46), Jugendrichter und Leiter der Jugendarrestanstalt Gerresheim. „Wenn junge Mädchen aggressiv werden, dann schlagen sie häufiger als früher zu.“ Die Zahlen sind, laut Experten, in den vergangenen Jahren in Düsseldorf nur leicht nach oben gegangen. Zum Vergleich: In Berlin sind sie in den vergangenen zehn Jahren ums Dreifache gestiegen. cwo