Wochenende mit Hindernissen

Schlechtes Wetter und ein verlorener Koffer machen den EM-Kandidaten Striche durch die Rechnungen.

Wenn in zwei Monaten die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin steigt, wird das auch aus Düsseldorfer Sicht interessant. Die Frage ist nur, wie viele Sportler aus den heimischen Vereinen es zum Treffen der besten Leichtathleten des Kontinents schaffen. Marathonläufer Sebastian Reinwald vom ART aus Rath ist sicher dabei, und auch sein Teamkollege Philipp Bahr hat als Nachrücker beste Chancen.

Foto: UCLA

Am vergangenen Wochenende wollten drei weitere Düsseldorfer die EM-Normen packen. Doch es wurde eins mit Hindernissen. Mal spielte das Wetter nicht mit, mal waren Koffer und Bekleidung unauffindbar. So wurde es nichts mit weiteren Qualifikationen, doch verloren ist noch lange nichts. Bis Mitte Juli gibt es weitere Möglichkeiten, das EM-Ticket zu lösen.

Vielleicht hätte es Djamila Böhm ja bereits am Wochenende in Genf geschafft, wo sie den B-Lauf über 400 Meter Hürden in 56,73 Sekunden gewann. Dafür hätte sie aber nicht erst am Wettkampftag um 3 Uhr morgens ins Bett kommen dürfen. Ihre Anreise hatte sich wegen der vielen Unwetter im Schweizer Luftraum um Stunden verzögert. Und als wäre das nicht schon leistungsfeindlich genug gewesen, war auch noch ihr Koffer verschwunden. „Wir sind gerade dabei, Spikes und Klamotten für sie aufzutreiben“, sagte ART-Trainer Sven Timmermann vor dem Rennen. Hinterher war er dennoch zufrieden: „Der Lauf war für die Umstände in Ordnung, aber spritzig war das nicht. Wie auch? Mit viel zu wenig Schlaf.“ Und mit geliehener Kleidung. Am nächsten Samstag läuft Djamila Böhm in Rhede, der nächste Versuch zum Erreichen der EM-Norm von 56,50 Sekunden.

Auch in den USA wollte das Wetter nicht mitspielen. Dort versuchte Dreispringerin Jessie Maduka, am Schlusstag der NCAA-Meisterschaften in Eugene/Oregon sich für die EM zu qualifizieren. Doch auch das wurde nichts, der Regen machte ihr einen Strich durch die Rechnung. „Der Himmel weinte, weil für Jessie eine dreijährige erfolgreiche Studienzeit in Los Angeles unwiderruflich zu Ende ging“, vermeldete die Uni der 21-Jährigen.

Zu gern hätte Maduka ihrer Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) zum Abschluss eine Medaille beschert, doch die verpasste sie um einen Zentimeter. Obwohl Maduka trotz Regens gleich zwei Mal Bestleistung im Freien mit 13,65 Meter (Halle: 13,82 Meter) sprang.

Die 21-Jährige kehrt nun zu ART-Trainer Ralf Jaros nach Düsseldorf zurück, und will in 14 Tagen ihren Titel bei den Deutschen U 23-Meisterschaften in Heilbronn verteidigen. Ob das gelingt? Auffallend war, dass ihr rechter Oberschenkel auch bei diesem Wettkampf mit einer schwarzen Bandage umwickelt war.

Der dritte EM-Kandidat ist Maximilian Thorwirth. Eigentlich ist der 23-Jährige vom SFD 75 ja 1500- und 5000-Meter-Laufer. Über 5000 Meter ist auch er U 23-Meister. So war es höchst verwunderlich, dass er bei der Läufergala in Pfungstadt über 800 Meter rannte. Zwar stand am Ende in 1:51,25 Minuten eine neue persönliche Bestzeit, SFD-Trainer Bernd Zahlten wunderte sich aber, dass Thorwirth seine Jagd auf die EM-Norm über 1500 Meter (3:38,00 Minuten, Bestzeit im Vorjahr 3:41,25 Minuten) nicht fortsetzte. „Max wird in die Situation kommen, liefern zu müssen“, befürchtet Zahlten. Und hofft, dass Thorwirth den Schwung seiner 800-Meter-Bestzeit mit auf die 1500-Meter-Strecke nehmen kann.

Gute Ergebnisse gab es auch beim Nachwuchs: Der 18-jährige Aimo Warnt (ART) verbesserte sich bei den Nordrhein-Jugend-Meisterschaften in Uerdingen im Dreisprung um mehr als einen halben Meter auf 14,99 Meter. Zur U 20-WM-Norm fehlt ihm nur noch ein Zentimeter.

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