Willi Orban: „Jugend forsch“-Anführer beim FCK

Willi Orban: „Jugend forsch“-Anführer beim FCK

Mit 22 Jahren ist der Rechtsverteidiger bereits Kapitän beim 1. FC Kaiserslautern.

Düsseldorf/Kaiserslautern. Nach nur vier Minuten hatte Willi Orban den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag auf Kurs gebracht. Der Innenverteidiger sorgte mit seinem Kopfballtreffer für das 1:0 beim in der Folge ungefährdeten 4:0 über Aufsteiger 1. FC Heidenheim. Ein Sieg, der die Hoffnung auf die Bundesliga-Rückkehr des FCK weiter nährt. Doch noch gilt das B-Wort am Betzenberg als Tabu. „In den restlichen sieben Spielen ist noch viel Holz zu holen. Wir können uns jetzt sicher kurz über das 4:0 gegen Heidenheim freuen, müssen uns dann jedoch sofort auf den nächsten Gegner Fortuna Düsseldorf fokussieren“, sagte Orban.

Der 22-Jährige ist in Kaiserslautern geboren und gilt damit als Kopf einer auffällig jungen Garde, mit der die „Roten Teufel“ nach dreijähriger Abstinenz wieder in die Bundesliga zurückkehren möchten. Im Team von Trainer Kosta Runjaic hat lediglich Karim Matmour die Altersgrenze von 30 Jahren bereits erreicht. Insgesamt beträgt das Durchschnittsalter des Kaders gerade einmal 23,7 Jahre. Was in Verbindung mit dem sportlichen Erfolg nahezu zwangsläufig dazu führt, dass gleich fünf Akteure (siehe Kasten) berechtigte Hoffnungen hegen, bei der U 21-EM im Sommer den Adler auf der Brust tragen zu dürfen.

Das weckt Erinnerungen an 1954, als der FCK mit Horst Eckel, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer sowie Fritz und Ottmar Walter das Gerüst der A-Nationalmannschaft bildete. Schon macht in der Pfalz der Begriff der „Betze-Buben“ wieder die Runde, auch wenn nur einer aus der aktuellen Mannschaft wirklich alle Kriterien dafür erfüllt. Willi Orban ist gebürtiger Lauterer und hat bislang auch noch nie ein anderes Vereinstrikot getragen, seit er als Vierjähriger von seiner Mutter beim FCK angemeldet wurde. „Sie hat damals überlegt, was sie mit mir anfängt, weil ich zu Hause mit dem Ball durch meine Energie so einiges kaputt geschossen hatte“, erzählt Orban.

18 Jahre später kann sich Orban den Traum von der Bundesliga erfüllen. Gerüchten zufolge gibt es einige Interessenten für den Fall, dass der 1. FC Kaiserslautern den Aufstieg verpassen sollte. Durch die guten Beziehungen zwischen den Managern Stefan Kuntz und Max Eberl dürfte Borussia Mönchengladbach einer der heißesten Kandidaten sein. Am liebsten aber würde Orban natürlich mit seinem FCK in der Bundesliga spielen. Dort ist er inzwischen Mannschaftskapitän und damit jüngster Spielführer der Zweiten Liga. Zudem genießt er bei den Fans Kult-Status. „Williiii. . .“, schallt es von der berüchtigten Westkurve, wenn Orban am Ball ist.

Der legitime Nachfolger von Willi Landgraf scheint also gefunden, allerdings hat der frühere Verteidiger von Alemannia Aachen nie ein Bundesliga-Spiel bestritten. Orban ist auf dem Weg dahin, auch weil der 1. FC Kaiserslautern zu seinem Projekt „Jugend forsch“ gezwungen wurde. Das Geld ist knapp, zudem belastet die Stadionmiete den Etat enorm. „Daher war es an der Zeit, auf junge Spieler zu bauen“, sagt Stefan Kuntz. Orban ist einer von ihnen, Trainer Runjaic bezeichnet ihn sogar als seinen „Krieger auf dem Feld“. „Ich bin Verteidiger. Da ist es legitim, hart am Limit eines Fouls zu agieren. Im Endeffekt geht es um Ergebnisse und nicht darum, wer den schönsten Fußball spielt“, sagt Orban. So oder so — die Fans haben keinen Zweifel am Aufstieg. Denn. . . Willi wird das Kind schon schaukeln.

Mehr von Westdeutsche Zeitung