Cheerleading: Wie die Mädchen vom SC Unterbach plötzlich Europameister wurden

Cheerleading: Wie die Mädchen vom SC Unterbach plötzlich Europameister wurden

Die Mädchen vom SC Unterbach fuhren nur nach Kroatien, um neue Erfahrungen zu sammeln — und holten den Titel.

Düsseldorf. Auch zwei Tage danach hat Kristin Hautow, die alle nur Kiki nennen, noch nicht ganz verstanden, was da am Wochenende in Kroatien passiert ist. „Wir waren schon vorher mal bei einer EM dabei. Aber bei der starken internationalen Konkurrenz hatten wir unsere Mädels im Vorfeld drauf vorbereitet, dass wir wohl nicht gewinnen werden, aber dann niemand enttäuscht sein soll“, sagt die Trainerin der Cheerleader-Gruppe des SC Unterbach. Von enttäuschten Gesichtern war hinterher allerdings nichts zu sehen. Im Gegenteil: Die Tanzgruppe zeigte einen perfekten Auftritt und wurden völlig überraschend Europameister.

Für die Trainerin eine kleine Sensation: „Wir hatten ja nur zwei Wochen Zeit für das Training.“ Denn dass die Unterbacherinnen überhaupt an den kontinentalen Meisterschaften teilnehmen durften, hatte sich erst bei den Deutschen Meisterschaften Anfang Juni in Stuttgart herausgestellt, als sie in den drei Altersklassen gleich fünf Medaillen holten. Die Black Cats (fünf bis elf Jahre) gewannen in Schwaben zwei Mal Gold, die Junior Cats (zwölf bis 16 Jahre) holten Gold und Silber, die Prancing Cats (ab 16 Jahre) gewannen Bronze.

Das wiederum ist keine Seltenheit. „Insgesamt stehen hier mittlerweile 345 Pokale“, hatte Renate Hautow unmittelbar nach den Siegen in Stuttgart gesagt. Nun, nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, war die Mutter der Trainerin und Geschäftsführerin der Abteilung überwältigt: „Wir sind nach Kroatien gefahren und haben gehofft, unter die ersten Sieben zu kommen. Aber als ich den Tanz gesehen habe, sind mir sofort die Tränen in die Augen geschossen. Der Auftritt war perfekt. Ich habe meine Tochter angeguckt, und wir haben beide genickt. Da wusste ich, dass es für den EM-Titel reicht.“

Und der war längst nicht alles. Denn neben den Zwölf- bis 16-Jährigen landeten auch die Kleinsten (fünf bis elf Jahre) auf dem Treppchen und holten die Bronzemedaille. Der verdiente Lohn für alle die Mühen.

Neben dem Training und den Wettkämpfen treten die Unterbacher Cheerleader mehrmals im Jahr als gebuchte Tanzgruppe auf, um sich die Fahrten zu den Turnieren zu finanzieren. Kristin Hautow: „So konnten wir zumindest den Bus nach Kroatien bezahlen. Den Rest haben die Mädels aus eigener Tasche bezahlt.“ Aber dafür dürfen sie sich nun auch Europameister nennen.

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