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Understatement ist Teil des Erfolgsmodells

Understatement ist Teil des Erfolgsmodells

Nahezu unbemerkt hat sich der SV Sandhausen ans Spitzen-Trio herangepirscht.

Als Mauerblümchen gilt bekanntlich im übertragenen Sinne jemand, der beim Tanz so gut wie nie aufgefordert wird. Eine Rolle, die in der zweiten Fußball-Bundesliga für den SV Sandhausen wie maßgeschneidert scheint. Sechs Jahre gehört der Club inzwischen zum Unterhaus, überwinterte diese Saison als Tabellen-Fünfter so gut wie noch nie in der 112-jährigen Geschichte und hat sich inzwischen sogar bis auf vier Zähler an den Aufstiegs-Relegationsplatz herangeschlichen. Wahrgenommen jedoch wird dies höchstens am Rande.

Das Interesse der Rhein-Neckar-Region gehört 1899 Hoffenheim, dem Eishockey-Riesen Adler Mannheim sowie dem deutschen Handball-Meister Rhein-Neckar-Löwen. Selbst Viertligist SV Waldhof produziert mehr Schlagzeilen als die Schwarz-Weißen aus der Nähe von Heidelberg, allerdings kokettiert der SVS auch nur zu gern mit dem Dasein als Aschenputtel. Understatement ist Teil des Erfolgs-Modells, weil der jährliche Ritt auf der Rasierklinge den Verantwortlichen bewusst ist. Präsident Jürgen Machmeier führt als warnendes Beispiel den tiefen Fall des FSV Frankfurt an.

Trotz sportlich guter Aussichten wurde daher in der Winterpause der mit sieben Treffern beste Torschütze Lucas Höler für 1,5 Millionen Euro an den SC Freiburg verkauft. Der fünf Millionen Euro teure und für die Lizenzauflagen unumgängliche Stadionausbau muss refinanziert werden, auch deshalb kam für Höler kein Ersatz und Aufstiegsambitionen hegt Trainer Kenan Kocak eh keine. „Wir sind Sandhausen und müssen die Kirche im Dorf lassen. Wenn wir am Ende Neunter werden und damit einen Platz besser als 2017, dann bin ich zufrieden“, sagte Kocak.

Vielleicht ein wenig zu viel Bescheidenheit. Denn die Wahrheit ist auch, dass der 37-Jährige seinem Team eine eklig zu bespielende Qualität verliehen hat. Der KKK-Abwehrriegel mit Kister, Karl und Knipping konnte in den 20 Spielen erst 18 Mal geknackt werden. „Wir können schon jeden schlagen, aber dafür müssen wir immer bis an die Grenze gehen“,sagt Vize-Kapitän Denis Linsmayer. Fortuna aber sollte in jedem Fall gewarnt sein — denn die Spieller können nicht nur in Understatement.