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Trainer Rüdiger May: Timo Rost ist im Kampf eine echte Nervensäge​

Boxen : „Timo ist im Kampf eine echte Nervensäge“

Am Samstag will der Gerresheimer Boxer einen weiteren, wichtigen Schritt in seiner Profikarriere machen. In der Classic Remise trifft der sympathische Timo Rost auf einen international erfahrenen Gegner.

Timo Rost hält sich ein wenig zurück, wenn es um seine Träume geht. Der Boxer im Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilo) will nicht arrogant oder überheblich wirken, deshalb gibt er dann ein wenig zögerlich doch noch zu, dass er gerne irgendwann einmal Weltmeister-Gürtel boxen möchte. Sein Trainer, Rüdiger May, bestimmt kein Unbekannter in der Box-Szene und für seinen Realitätssinn bekannt, erklärt dann auch, dass sein Schützling „grundsätzlich in der Lage ist“, dieses große Ziel zu erreichen.

So ist sein Kampf am Samstag gegen den erfahrenen polnischen Boxer Bartolomiej Grafka nicht nur sein neunter Kampf in seiner (seit 2017 unbesiegten) Profikarriere, sondern auch die Möglichkeit, einen weiteren Schritt zu noch größeren Kämpfen gegen interessantere Gegner zu machen. „Ich denke nicht zu sehr an die Zukunft, sondern versuche wirklich step by step die Dinge anzugehen“, sagt Rost, der sich sehr freut, dass zum Kampfabend am Samstag in der Classic Remise in Düsseldorf viele seiner Fans kommen werden. „Sollte ich den Kampf gewinnen, dann wissen mein Trainer und mein Management, dass ich bereit für größere Aufgaben bin.“

Es ist das zweite „Heimspiel“ als Profi für Rost in Düsseldorf. „Ich bin sehr heimatverbunden, war im Alter von vier Jahren schon bei der Fortuna im Stadion, habe der DEG zugeschaut und gehe gerne ins Stadion, wenn ich es zeitlich schaffe.“ Der 28-Jährige stammt aus Gerresheim, wo er in der Box-Abteilung des TuS groß geworden ist. Nebenbei hat er sich sein Studium in der T-Bar verdient.

Die Broilers haben Rost beim letzten Kampf unterstützt

So spricht er auch von einer Stadt südlich von Leverkusen, wenn er seinen Trainingsstützpunkt in Köln meint. Dort ist er in einer normalen Woche zu insgesamt elf Einheiten. Morgens jeweils um 10 Uhr, nachmittags ab 17.30 Uhr. Am Samstag absolviert er nur eine Einheit, am Sonntag hat er frei. „Ich habe gelernt mich zu zügeln, um nicht in jeder Einheit alles zu geben“, sagt Rost, der weiß, wie wichtig die Regenerationsphasen sind. „Übertrainiert ist ebenso schädlich, wie nicht fit zu sein.“

Rüdiger May war also gezwungen, seinen Schützling ein wenig zu bremsen. Aber die Stärken will der Trainer dem Boxer nicht nehmen. „Die größte Tugend von Timo ist, eine Nervensäge zu sein“, sagt May und meint damit, dass Rost seine Gegner über die gesamte Kampfzeit beschäftigt. „Es ist ja auch sein Markenzeichen, ständig am Gegner dran zu sein, und er schlägt quasi ununterbrochen.“ May sieht Rost mit einem harten Punch ausgestatt. „Sein bester Schlag ist der rechte Seitwärts-Haken“, meint der Trainer. „Und dieser Schlag scheppert ganz schön.“

In zehn Jahren bestritt Rost über 80 Kämpfe, hat in seiner Profikarriere seit 2017 alle Kämpfe bis auf einen gewonnen. „In dem Kampf war ich in Belgien auch besser, aber die Punktrichter haben etwas eigenartig gewertet“, sagt Rost, der in Wuppertal im Mai seinen ersten internationalen Gürtel beim kleineren Boxverband WBF erobern konnte. Was ihn besonders gefreut hat, war die Unterstützung durch die Düsseldorfer Kultband „Broilers“ vor Ort und von weiteren 500 Schlachtenbummlern aus der „Heimat“. So wird es am Samstag nicht daran scheitern, dass Timo Rost zu wenig Unterstützung hat. Er will ganz nach oben, nun gilt es die nächste Stufe zu erklimmen.