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Tischtennis: „Dazu braucht man ein schnelles Auge“

Tischtennis: „Dazu braucht man ein schnelles Auge“

Die Nachwuchsförderung hat sich TTC Union Düsseldorf auf die Fahnen geschrieben.

Düsseldorf. Der Trainer ist zwar noch nicht da, aber der zehnjährige Richard Köster-Heuschen bereits auf Zack. Die Tischtennistische hat er mit seinen Vereinskameraden vom TTC Union Düsseldorf in der Halle an der Diesterwegstraße auch schon aufgestellt.

Die Jungs sind ganz heiß aufs Training — und das, obwohl draußen die Sonne scheint und die Temperaturen eher zum Faulenzen auf der grünen Wiese, denn zum Aufschlag an der grünen Platte einladen. Doch das ist dem Zehnjährigen egal, er will nur eins: Den kleinen weißen Ball übers Netz dreschen. „Dazu braucht man ein schnelles Auge“, sagt der Zehnjährige. Immerhin nehmen die Kunsstoffkugeln auch mächtig Fahrt auf. Tischtennis ist Richards große Leidenschaft.

„Ich muss ihn manchmal zügeln, so motiviert ist er“, sagt Trainer Oliver Ruby. Gleichzeitig ist der 41-Jährige zweiter Vorsitzender beim TTC, der mit rund 100 Mitgliedern zu den größeren Tischtennis-Vereinen der Stadt zählt. Fünf Herrenmannschaften und zwei Damenteams gehen in verschiedenen Ligen an den Start.

In der kommenden Saison wird es auch zwei Mannschaften im Jugendbereich geben. Richard Köster-Heuschen wird dabei sein und dann für den TTC in der Bezirksklasse spielen. „Eigentlich könnte Richard noch im Schülerbereich spielen. Doch aufgrund seines Talentes melden wir ihn für den Jungen-Bereich“, erklärt der Trainer der Jugendabteilung.

Das kommt nicht von ungefähr: Der Zehnjährige gehört zu den Leistungsträgern im Jugendbereich, hat sich für das Ranglisten-Qualifikationsturnier der B-Schüler/-innen des Westdeutschen Tischtennis Verbandes (WTTV) am 30. Juni in Dingen qualifiziert. Ein erster Schritt zum Westdeutschen Meistertitel. Gewinnt Richard in Dingen, ist er für das zweite Turnier spielberechtigt. Im Falle des Weiterkommens dort, ist er das für das Turnier, in welchem schließlich der Titel winkt.

In der kommenden Saison gehen Richard und drei weitere Sprösslinge Rubys dann in der Bezirksklasse an den Start. Joe Schwedtner ist bereits 16 Jahre alt. Hitoshi Budde und Jonas Rosengardt hingegen erst 12. Das bedeutet für Trainer Budde auch „viel psychologische Arbeit“. Die Jugendlichen werden mit ihren Erfahrungen nicht alleine gelassen. Wenn, wie zum Beispiel am vergangenen Wochenende, ein Turnier ansteht, reist immer ein Betreuer pro Team mit.

„Das war einer der Gründe, warum ich Richard beim TTC angemeldet habe“, sagt Walburga Köster-Heuschen (48). Als die Leidenschaft ihres Sohnes für den Tischtennissport immer größer wurde, nahm sie mehrere Vereine unter die Lupe — und entschied sich schließlich für den TTC. Bereut hat sie es nicht, ist mittlerweile als Jugendwart ehrenamtlich für den Club tätig.

Drei Mal pro Woche wird trainiert. „Die Einheit am Freitag findet als Einzeltraining statt“, sagt Oliver Ruby, der seit 2004 Jugendtrainer beim TTC ist. Immerhin leistet der Verein wichtige Aufbauarbeit. Ziel ist nämlich auch, die Jugendlichen für den Erwachsenenbereich fit zu machen. Einige spielen längst mit ärztlichem Attest bei den Herren mit. „Wir wollen die Jugendlichen aber nicht verheizen. Der Spaß darf nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Ruby.

Schaut man sich die rund 25 Sportler beim Training an, scheint diese Gefahr nicht zu bestehen. Gemeckert wird nicht, wenn der Trainer die Anweisung zum 20-minütigen Aufschlagtraining gibt. Aus den Geräteräumen holen die Kids eimerweise Bälle. Erst ist der Aufschlag mit der Rückhand dran, die Augen haben viele der Kinder geschlossen, sie sollen ein Gefühl für die Schlägerführung bekommen.

Einer wechselt dabei immer wieder den Tisch: der 43-jährige Torsten Budde. Vater von Hitoshi und 1. Assistenztrainer der Jungs beim TTC. „Ich habe Hitoshi und seinen Vater in einem Freizeitpark entdeckt“, sagt Oliver Ruby. Denn wie in vielen anderen Sportarten haben auch die Tischtennisvereine mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. „Die längeren Schulzeiten sind ein Problem“, gibt Ruby zu. Torsten Budde und sein Sohn sind daher immer ein wenig später beim Training.

Und Richard Köster-Heuschen? Der ist beinahe jedes Mal bereits vor Trainingsbeginn in der Halle. Für ihn kann es gar nicht früh genug losgehen.