Tischtennis: Borussia zelebriert Sternstunde

Tischtennis: Borussia zelebriert Sternstunde

3:0 — die europäische Krone ist dem deutschen Rekordmeister kaum zu nehmen.

Düsseldorf. Borussia-Manager Andreas Preuß musste tief in seinem Gedächtnis kramen. Hatte er so etwas wie dieses 3:0 am Samstag gegen Orenburg in seinem Tischtennis-Leben schon einmal erlebt?

„Nein, das war sicher eine der Sternstunden, eine wunderbare Vorstellung einer einzigartigen Mannschaft.“ Dabei stand auf der anderen Seite das in der Champions League vor den Düsseldorfern topgesetzte Team mit den Ex-Borussen Wladimir Samsonow und Dimitrij Ovtcharov.

Die europäische Krone zum dritten Mal in Folge zu erobern, schien so schwer wie nie. Doch diese Herausforderung meisterte Borussia im Stile eines Champions: Am meisten Schwierigkeiten hatte noch Timo Boll im Auftakteinzel gegen Alexei Smirnow, der einst als Angstgegner des 30-Jährigen galt.

„Wir hatten schon Sorge, dass wir baden gehen, wenn er verliert“, sagte Preuß. Doch der Boll-Sieg war die Initialzündung. Vize-Europameister Patrick Baum entzauberte seinen Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov, obwohl der Borusse in der Woche wegen einer Zerrung kaum trainiert und erst kurzfristig grünes Licht für seinen Einsatz bekommen hatte.

Orenburg hatte sich taktisch auf einen schwächelnden Baum eingestellt und wollte mit der gewählten Aufstellung (Samsonow an Nummer drei) profitieren.

Nach verlorenem ersten Durchgang spielte Baum auf fantastischem Niveau, stellte in mitreißenden Sätzen auch seine starken Nerven unter Beweis. Christian Süß verhinderte im dritten Einzel dann mit einer Gala-Vorstellung, dass Samsonow seine Farben zurück ins Spiel brachte.

„Das war einfach nur Zack-Zack - so wie ein Samsonow damals vor zehn Jahren einen zwölfjährigen Süß weggefegt hätte“, sagte Preuß. Samsonow konnte nur fair gratulieren: „Süß hat heute sehr gut gespielt, er hat kaum Fehler gemacht.

Der Düsseldorfer Sieg ist alles in allem verdient.“ Nach zweieinhalb Stunden war der Hinspiel-Triumph geschafft, der Rest war ausgelassener Jubel.

„Es ist unglaublich, wie wir gespielt haben. Jetzt wollen wir im Rückspiel den Pokal mit nach Hause nehmen“, sagte Süß. Selbst die Generationen vor Preuß mussten beim Kramen im Gedächtnis passen. Präsident Fritz Wienke hatte vor dem Spiel die erste Meistermannschaft der Borussia um Hans Wilhelm Gäb geehrt, die vor 50 Jahren den ersten Titel gewonnen hatte.

„Und dann haben Timo, Christian und Patti ein ganz großes Spiel gemacht.“ Gäb erinnerte sich „an viele gute Spiele der Borussia, aber nur an wenige auf diesem hohen Niveau“. So ist sich der 75-Jährige sicher, dass die Borussia den Titel holt. „Wir werden die Champions League gewinnen, wenn alle drei Spieler gesund in Orenburg am Tisch stehen.“