Tennis: Irmler geht auf Titeljagd

Tennis: Irmler geht auf Titeljagd

Interview: Am 4. Juli startet die Bundesliga-Saison. Der Rochusclub-Teamchef will „Zaubermaus“ Fabrice Santoro einige Male einsetzen.

Düsseldorf. Es ist Jahr für Jahr die gleiche Prozedur, der Rochusclub Düsseldorf wird knapp drei Wochen vor dem Saisonstart am 4. Juli mit dem Auswärtsspiel in Essen als Mitfavorit um den Titel in der Tennis-Bundesliga gehandelt. Als größte Erfolge stehen bislang die Vizemeisterschaft 2004 und die Endrundenteilnahmen 1997 und 1998 zu Buche.

Die Meisterschaft fehlt noch, obwohl Teamchef Detlev Irmler einige Male nah dran war. Wie in der vergangenen Spielzeit, als der Rochusclub beim Regenspieltag in Krefeld in die Halle umziehen musste und mit seinen spanischen Sandplatz-Spezialisten auf dem ungeliebten Teppichboden als Untergrund gegen Blau-Weiß Krefeld überraschend mit 2:4 unterlag. Dadurch wurde letztlich die Meisterschaftschance verspielt.

Die Westdeutsche Zeitung sprach mit Detlev Irmler, der mit dem Rochusclub nun den nächsten Anlauf unternimmt.

Herr Irmler, die zweite Saison nach der Neustrukturierung beginnt. Welche Erfahrungswerte gibt es?

Detlev Irmler: Sie war in zweierlei Hinsicht wichtig. Die Straffung der Spieltage kommt den Zuschauern zugute, weil es dadurch spannender zugeht. Vier statt sechs Einzel, zwei statt drei Doppel. Die Spieltage dauern jetzt nur vier bis fünf Stunden. Auf der anderen Seite entlastet es auch die Etats der einzelnen Klubs, weil weniger Spieler zum Einsatz kommen.

Mit einem Etat von 250 000 Euro liegt der Rochusclub eher im Mittelfeld als an der Spitze. Ist der Titel trotzdem möglich?

Irmler: Das wissen wir spätestens am 16. August. Ich gehe davon aus, dass es sehr spannend zugeht. Für mich haben sieben der zehn Klubs eine Titelchance, dazu gehören auch wir. Die anderen sind Essen, Erfurt, Mannheim, Halle, Aachen und Neuss.

Wie steht es um die Personalplanungen für die kommende Saison?

Irmler: Die sind nicht einfach, weil die Top-50-Spieler nach den Statuten der ATP nicht immer verfügbar sind. Und davon haben wir so viele wie nie in der Bundesliga. Aber die Probleme, die wir haben, haben auch die anderen Mannschaften. Ich kann nur sagen, dass wir immer mit der bestmöglichen Mannschaft spielen werden.

Das heißt?

Irmler: Unsere argentinischen Spitzenspieler und ehemaligen World-Team-Cup-Champions Jose Acasuso und Agustin Calleri werden gleich zum Saisonauftakt spielen. Fabrice Santoro werden wir in vier bis fünf Spielen einsetzen, Evgeni Korolev und Mischa Zverev ebenfalls. In Luis Horna haben wir einen aktuellen French Open-Sieger im Doppel im Team. Auf dem Papier sind die Leute für die einzelnen Spieltage jedenfalls fix. Aber wer weiß, was passiert?

Sie haben unter anderem Fernando Verdasco oder Feliciano Lopez entdeckt. Wird es einen neuen Senkrechtstarter beim Rochusclub geben?

Irmler: Pablo Andujar ist ein Riesentalent. Er ist Spanier und gerade 22 Jahre alt. Er wird den Zuschauern Freude bereiten. Bislang hat er schon kleinere Erfolge auf Challenger-Level gehabt. Oder auch Oscar Sabate-Bretos. Der ist ebenfalls erst 22.

Juan Monaco fehlt als Publikumsliebling in dieser Saison in der Kaderliste. Warum?

Irmler: Er hat sich verpokert. Ich hatte einen Handschlag-Vertrag mit ihm. Dann hat sein Manager bei mir angerufen und mehr Geld gefordert. Darum ist eine Zusammenarbeit nicht zustande gekommen. Vor kurzem habe ich Juan getroffen. Er hat gesagt, dass es ihm leid tut. Er wollte zurückrudern, aber die Meldefrist war schon vorbei und der Kader komplett. Juan will im kommenden Jahr aber wieder für den Rochusclub spielen.

Wird der Teamchef dann auch Detlev Irmler heißen?

Irmler: Ich möchte das anders beantworten. Es ist sicherlich nicht einfach jedes Jahr eine starke Mannschaft zusammenzustellen. Es kommt auf die Sponsoren an. Wenn die nicht mitziehen, dann ist Bundesliga-Tennis in Düsseldorf schwer, aufrecht zu erhalten. Es ist auch schwer, die Sponsoren bei der Stange zu halten. In diesem Jahr muss ich mit dem niedrigsten Etat seit Jahren auskommen. Trotzdem wird von allen erwartet, dass wir um den Meistertitel mitspielen. Man kann aber davon ausgehen, dass ich auch im nächsten Jahr Teamchef des Rochusclub sein werde.