Ruderin Leonie Pieper spricht im Interview über ihre Olympia-Chancen

Interview : Leonie Pieper: „Olympia ist noch ein großer Traum“

Die 27-Jährige vom RC Germania ist als NRW-Sportlerin des Jahres nominiert. Ihr Ziel ist Tokio 2020.

Für Leonie Pieper ist es „eine große Ehre“, zu den Nominierten für den Felix-Award zu gehören. Das ist die Auszeichnung für die Sportler des Jahres in Nordrhein-Westfalen. Nur Oliver Fink, Kapitän von Fortuna Düsseldorf ist von den überregional bekannten Aktiven der NRW-Landeshauptstadt ebenfalls für diese Auszeichnung nominiert. Die 27-Jährige wurde 2019 Vize-Europameisterin im Leichtgewichts-Einer und holte bei der WM Bronze im Leichtgewichts-Vierer. Gewählt werden kann übrigens unter nrw-sportlerdesjahres.de. Wir sprachen mit der Ruderin vom RC Germania.

Frau Pieper, wie sehr freuen Sie sich auf die Olympischen Spiele?

Leonie Pieper: Noch ist die Teilnahme nicht ganz sicher. Aber grundsätzlich zählt Rudern zu den Kernsportarten bei Olympia. Das ist die letzte große Veranstaltung, die mir noch fehlt.

Wie groß sind denn Ihre Chancen, in Tokio dabei zu sein?

Pieper: Die Chance ist noch gegeben. Den Quotenplatz hat Deutschland in meiner Bootsklasse zwar nicht geschafft. Es gab sieben Direkt-Qualifikationsplätze, die keines der deutschen Boote erreicht hat. Es gibt noch die Möglichkeit der Nach-Qualifikation, um zu den Spielen zu kommen. Ich spüre eine ganz andere Anspannung in mir. Es geht jetzt mit der Vorbereitung schon viel früher zur Sache. Wir geben alles für diesen großen Traum, und es wäre enttäuschend, wenn es nicht klappen würde.

Sie trainieren jetzt also anders?

Pieper: Ja, das stimmt. Der Saisonverlauf ist auch ein anderer. Normalerweise ist der Saison-Höhepunkt erst im August. Jetzt müssen wir im Mai topfit sein.

Sie sind mit 27 Jahren noch jung. Wagen Sie einen weiteren Anlauf, bei Olympia zu starten, wenn es jetzt nicht klappt?

Pieper: Prinzipiell könnte ich noch weitermachen, das müsste ich mir dann noch überlegen.

Fühlen Sie sich in Düsseldorf ausreichend gefördert?

Pieper: Die Unterstützung ist super. Ich stamme ja aus Düsseldorf und es bedeutet mir viel, dass ich in meiner Heimatstadt gefördert werde. Ich bin froh, dass ich hier das Komplettprogramm habe aus Wohnen, Uni und Sport.

Uni und Leistungssport bekommen Sie unter einen Hut?

Pieper: Gerade mache ich noch ein Praktikum mit 32 Wochenstunden, das ist neben dem 20-stündigen Training nicht ganz ohne. Morgens um sechs Uhr geht es im Optimalfall aufs Wasser. Im Winter ist das etwas schwieriger und manchmal auch stupide, weil es sehr viel Ausdauertraining ist.

Wie unterstützt Sie Ihr Verein?

Pieper: Ich trainiere in Düsseldorf, bin in die Zentralisierung des Deutschen Ruderverbandes nicht so eingebunden, wie meine Vereinskollegin Leonie Menzel in Dortmund und Berlin. Wir Leichtgewichte müssen an keinen Stützpunkt. Das hat Vor- und Nachteile, weil man zuhause sein kann, aber nicht mit anderen Teamkollegen zusammen ist.

In Düsseldorf sind Sie auch im Stockheim-Team. Wie wichtig ist das und der Teamgedanke für Sie?

Pieper: Das ist superangenehm, weil man gut gefördert wird und sich hier im Team sehr gut austauschen kann. Es ist spannend, weil jede Sportart ihre Besonderheiten hat. Zudem fahre ich auch lieber in einem Boot im Team, weil ich mich da noch besser pushen kann.

Was bedeutet Ihnen die Nominierung zur NRW-Sportlerin des Jahres?

Pieper: Die Nominierung ist eine Wertschätzung, für die ich sehr dankbar bin. Mir bedeutet es auch deshalb besonders viel, weil es in NRW so viele erfolgreiche Sportlerinnen gibt, die diese Nominierung ebenfalls verdient hätten.

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