Vikings sind Letzter, und nicht alles funktioniert

Profi-Handball in Düsseldorf : Die Zukunft der Rhein Vikings ist ungewiss

Der Düsseldorfer Handball-Zweitligist erlebt eine turbulente Saison: Stühlerücken im Verein, sportlicher Absturz, Ärger mit dem Hauptgeldgeber. Wird er bald im Bergischen HC aufgehen?

Am Donnerstagabend steht Düsseldorf im Zentrum des deutschen Handballs. Zum zweiten Mal trägt der Bergische HC ein Bundesliga-Spiel im Dome aus, ab 19 Uhr gegen den Rekordmeister THW Kiel. Das sorgt für gute Laune unter den Handballfreunden in der Region, nur beim Zweitligisten HC Rhein Vikings ist die Vorfreude überschaubar. Weil die Agentur „Sportstadt Düsseldorf“ jüngst die hiesigen Handballvereine per E-Mail anschrieb und um „zahlreiches Erscheinen“ bat. Man will ja ein gutes Bild abgeben. Dafür gibt es einen finanziellen Anreiz: Für jedes Mitglied, das in den Dome kommt, fließt Geld in die Jugendkasse.

Stefan Hölzel, Marketingleiter der Vikings, fand das ungeheuerlich: Nichts für die heimischen Klubs, dafür Hilfe für einen aus einer anderen Stadt? „Es ist für uns schön zu sehen, dass es scheinbar doch die Möglichkeit gibt, mit städtischen Mitteln für Handball Werbung zu machen. Wir sind sehr interessiert daran, denn diese Werbemöglichkeiten seitens der Stadt wurden den Rhein Vikings seit Bestehen ausgeschlagen oder nicht angeboten“, sagte Hölzel gegenüber dem Internet-Portal „report-d“.

Geschäftsführer Daniel Pankhofer glaubt an die Vikings. Foto: Ja/Sportstadt

Das kam im Rathaus eher nicht so gut an. Hölzels Aussage sei „sicherlich einmalig und nicht gerade professionell“, sagt Peter Kluth von der „Sportstadt“. Denn ohne das Sponsoring von Stadttöchtern oder die kostenlose Nutzung des Castellos in Reisholz währen die Vikings nicht überlebensfähig. Insider sagen, rund 70 Prozent des Etats sollen direkt oder indirekt aus dem Rathaus kommen. Doch nun steht das Projekt vor dem Aus.

Es begann Anfang 2017, als sich der Neusser HV und der ART zusammentaten, um den Angriff auf die Bundesliga zu starten. Das war trotz der großen Worte mehr Zweckehe als Liebesheirat. Düsseldorf hatte eine teure wie meist ungenutzte Halle, Neuss eine Mannschaft, die vor dem Aufstieg in die zweite Liga stand. Sportlich ließ es sich gut an. Die Vikings schafften im ersten Jahr locker den Klassenerhalt. Doch schon damals fehlten Zuschauer und Geld. Insider berichten von unbezahlten Rechnungen, von Steuerschulden und Pfändungen, auch Gehaltszahlungen ließen mal auf sich warten.

Im Sommer krachte es. Der eine Geschäftsführer, René Witte, musste, der andere, Thomas Koblenzer , wollte gehen (blieb aber mit mehreren Firmen als Sponsor erhalten), auch Niklas Frielingsdorf, für die gesamte Kommunikation zuständig, verließ den Klub. Nach dem Fehlstart wurde Trainer Ceven Klatt freigestellt. Vier prägende Figuren aus alten NHV-Tagen — alle weg. Prompt fühlten sich die linksrheinischen Kritiker bestätigt. Die hatten stets gewarnt, die Neusser würden verdrängt. Nun sitzen in der Tat an fast allen Schaltstellen Düsseldorfer.

Verantwortlich dafür sei vor allem Peter Kluth. Kluth, bis Juni OB-Berater, ist der wohl wichtigste Mann im Düsseldorfer Sport, besorgt Sponsoren, verteilt Gelder. Er zieht die Fäden, heißt es. Und weil er einst Handball spielte, fühle er sich befähigt, auch sportlich mitzureden. Er habe die Trainerentlassung forciert und darauf gedrängt, gewisse Spieler zu holen. Kluth nennt die Vorwürfe „komplett absurd“, die Stadt habe „keinen rechtlichen Zugriff, wenn es so wäre, würde es besser laufen“.

Das BHC-Spiel am Donnerstag im Dome ist eine Art Testlauf

Laufen tut es gar nicht. Nach 13 Spielen sind die Vikings Letzter. Jüngst verloren sie beim Vorletzten mit zehn Toren. Obwohl sie zahlreiche ehemalige Erstligaspieler im Kader haben. Doch der sei keine Einheit wie in der Vorsaison, als alles neu und aufregend war. Zudem sei das Geld knapp, sagt Vikings-Geschäftsführer Daniel Pankofer. Hallensprecher und Hallen-DJ sind ausgetauscht, einen neuen Pressesprecher gibt es nicht. Es kann schon mal Tage dauern, ehe der Verein den Fans online ein Spielergebnis mitteilt. Im Stadtbild ist der Verein nicht präsent. Mit 711 Zuschauern ist er auch in der Kategorie Zweitliga-Schlusslicht.

Der neue starke Mann im Klub ist Stefan Hölzel. Hölzel war früher bei einer Bank, die Geld in den Sport steckt. Nun arbeitet er für den ehemaligen Geschäftsführer und heutigen Sponsor Thomas Koblenzer sowie für die Vikings. „Mitarbeiter sollen bei dem nichts kosten und am liebsten noch Geld mitbringen“, sagt jemand. Hölzel macht kein Geheimnis draus: „Unsere Vereinsstruktur basiert auf der vorwiegend ehrenamtlichen Mitarbeit von jungen, engagierten Sportbegeisterten“, sagt er laut einer Mitteilung. Er soll im Verein deutlichen Gegenwind haben.

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche will Profi-Handball. Foto: Zanin, Melanie (MZ)

Bei der Stadt sind sie spätestens seit den Ausagen zum BHC-Spiel nicht gut auf Hölzel zu sprechen. Also ruderte Geschäftsführer Pankofer nun zurück: „Unglücklich“ sei das gewesen, „die Stadt ist und bleibt für uns der wichtigste Partner, es war nie das Ziel, die Stadt zu verärgern“. Doch selbst wenn es atmosphärisch wieder besser läuft: Steigt der Verein ab, dürfte es das gewesen sein. Und selbst wenn nicht, gibt es keine große Zukunft über die laufende Saison hinaus.

Die Spiele des BHC im Dome sind mehr als ein Bonbon für die Düsseldorfer Fans, sie sind ein Testlauf — für Stadt und Verein. Noch redet niemand offen darüber, aber eine weitere Kooperation ist nicht unrealistisch. Ein Klub für die ganze Region vom Niederrhein bis ins Bergische. „Es ist deutlich geworden, dass im Handball ein Verein oder eine Kommune allein keinen Bundesligaverein stemmen kann. Es bedarf der Kooperation von mehreren Partnern“, sagt Stadtdirektor Burkhard Hintzsche. Peter Kluth sagt: „Nach meiner jahrelangen Erfahrung mit dem Profihandball der Region kann die Zukunft für einen stabilen Erstligisten nur in regionaler Zusammenarbeit liegen.“

Falls die Vikings wirklich im BHC aufgehen, dürfe der neue Klub allerdings nicht erneut den Fehler machen, seine natürliche Umgebung zu verlassen, sagen Experten. Lediglich für Topspiele solle es nach Düsseldorf gehen, um dort das Geld für den nächsten Entwicklungsschritt zu verdienen. Denn der ist in den kleinen und alten Hallen in Wuppertal und Solingen nicht möglich. Bereits in dieser Saison beziffert BHC-Gerschäftsführer Jörg Föste den Anteil der beiden Spiele im Dome an den jährlichen Ticketeinnahmen auf 40 Prozent. Trotzdem sagt er: „Für die Zukunft, die ich überblicken kann, ist es ausgeschlossen, komplett aus dem Bergischen zu verschwinden.“ Das Wörtchen „komplett“ sollte hierbei nicht überlesen werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung