Kampf der HSG geht ohne Stephan weiter

Die schwierige Finanzsituation zwingt Ex-Welthandballer zum Handeln. HSG-Boss Frank Flatten übt heftige Kritik an der Stadt.

Düsseldorf. Die HSG Düsseldorf befindet sich in schwerer See und muss erneut den Kurs korrigieren. Dass bald Sportdirektor Daniel Stephan nicht mehr neben Manager und Präsident Frank Flatten am Steuerruder stehen wird, wurde am Mittwoch auch offiziell bestätigt. Obwohl der Zweitligist den Aufstieg in die Handball-Bundesliga noch immer schaffen kann, trennen sich die Wege des Vereins und des Ex-Welthandballers am Saisonende. „Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, und die sportliche Perspektive ist für mich so, dass ich die ursprünglich gesetzten Ziele mit der HSG nicht erreichen kann“, sagt Stephan, der eigentlich noch bis 2013 unter Vertrag steht, aber keine Abfindung kassiert. Vor allem die Personalpolitik und die ungeklärten finanziellen Rahmenbedingungen haben Stephan zu diesem Schritt bewogen: „Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen.“

Frank Flatten bedauerte die Entscheidung: „Daniel Stephan hat seine ihm gestellten Aufgaben hervorragend wahrgenommen.“ Eine weitere Saison in der 2. Liga mit noch geringeren finanziellen Möglichkeiten wollte Stephan nicht, zumal die Etatplanung für die nächste Spielzeit erst im Frühsommer stehen wird.

Die finanziellen Probleme nannte Frank Flatten am Mittwoch erstmals deutlich beim Namen, um weiteren vereinsschädigenden Gerüchten zuvorzukommen. „Ja, wir hatten Probleme mit dem Etat. Und ja, wir haben die Probleme ohne die Gelder der Stadt gelöst“, sagt der HSG-Präsident, der stinksauer auf Monika Lehmhaus und deren nicht eingehaltene Zusagen für finanzielle Unterstützung durch die Stadt ist. Die Vorsitzende des Sportausschusses der Stadt Düsseldorf hatte der HSG zudem Konzeptlosigkeit, Überschuldung und Perspektivlosigkeit vorgeworfen.

„Die um 60 000 Euro gestiegenen Hallenkosten und die Insolvenz eines größeren Sponsors (Ausfall von 130 000 Euro/Anm. der Redaktion) haben ein sechsstelliges Loch gerissen“, sagt Flatten, der erklärt, dass daraufhin in eigener Regie 300 000 Euro von insgesamt 29 Firmen zusammengetragen wurden. Mit fast allen Partnern und Sponsoren muss jedoch erneut gesprochen werden, um die Zukunft zu sichern.

Flatten sagt, dass alle Gehälter bezahlt worden seien. Auch allen anderen Verpflichtungen sei man pünktlich nachgekommen, sagt der HSG-Boss, der sich über seiner Meinung nach „ungerechtfertigte Spekulationen“ geärgert hat. „Das schadet dem Image der HSG, und das hat der Verein so auch nicht verdient.“

Für die erhofften und eingeplanten, aber nicht erzielten Zuschauereinnahmen habe er als Manager und Präsident persönlich Garantien übernommen. Die vorbildliche Jugendförderung wegen der angespannten Situation zurückzufahren, ist für die HSG kein Thema. „Wir werden dafür kämpfen, unseren Weg fortzusetzen“, sagt Flatten. Auch ohne den prominenten Mitstreiter Daniel Stephan an Bord.

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