Das Abenteuer Bundesliga ist vorbei

Nach der 29:37-Niederlage gegen den VfL Gummersbach ist die HSG Düsseldorf abgestiegen. Der Verein will kommende Saison den Wiederaufstieg schaffen. Die Personalplanung fängt jetzt erneut an.

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p class="text">Düsseldorf. Gegensätzlicher hätte dieser Nachmittag in der KölnArena nicht sein können. Vom Hallendach regnete es Tausende von Luftballons in Blau-Weiß, den Vereinsfarben des VfL Gummersbach. Fast 16 000 Zuschauer feierten den zwölffachen deutschen Meister für eine tolle Saison und die Qualifikation zur Champions League, während die Handballer der HSG Düsseldorf die wohl bitterste Stunde ihrer sportlichen Laufbahn erlebten. Nur wenige Minuten nach der 29:37 (12:22)-Niederlage gegen den VfL Gummersbach war der Abstieg am Samstag um 16.38 Uhr besiegelt. Den Weg in die Katakomben zum Duschen beschritt jeder für sich allein: stumm, fast schon lethargisch. Nur Philipp Pöter umarmte einen weinenden Fan, Robert Runge schritt gedankenverloren durch ein Meer von Luftballons. Andere hatten Tränen in den Augen, saßen zusammengekauert am Spielfeldrand. Die Konkurrenz im Abstiegskampf hatte gewonnen, Nettelstedt gegen Hildesheim und Wetzlar gegen Magdeburg. Das Fernduell um den Klassenerhalt hatte die HSG verloren. Statt in der kommenden Saison in der Kieler Ostseehalle oder in der KölnArena zu spielen, muss Düsseldorf ab September über die Dörfer tingeln. TV Korschenbroich, Bergischer HC, Concordia Delitzsch, TV Hüttenberg oder EHV Aue sind dann die Gegner in der Südgruppe.

Auch die Zukunft von Nils Lehmann steht in den Sternen

"Wenn mir das jemand vor sechs Wochen gesagt hätte - undenkbar", sagte Nils Lehmann eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff. "In den nächsten Tagen werden wir über die Zukunft entscheiden, auch über meine", sagte der 38-Jährige. Denn Lehmanns neuer Vertrag gilt nur für die erste Liga. "Wenn ich abgestiegen bin, will ich auch wieder mit der Mannschaft aufsteigen", sagte der Ex-Nationalspieler, der nach seiner Reaktivierung zum letzten Mal für die HSG auflief. Neben Alexandros Vasilakis und Nikos Kokolodimitrakis, die in Gummersbach jeglichen Einsatz vermissen ließen, werden den Verein noch andere Spieler verlassen (müssen). Die Verträge der enttäuschenden Top-Verdiener Björn Navarin und Max Ramota sind ebenfalls auf die erste Liga fixiert. "Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen die Weichen für die kommende Saison stellen. Das Ziel heißt ganz klar Wiederaufstieg. Wir werden uns nur ein Jahr aus der höchsten deutschen Spielklasse verabschieden", kündigte Manager Frank Flatten an. Eigentlich wollte die Mannschaft nach dem letzten Saisonspiel den Klassenerhalt zünftig in einem Brauhaus an der Oststraße feiern. Die Stimmung war verständlicherweise arg gedrückt. Einmal wird das Team noch komplett sein, bevor sich die Wege der Spieler trennen. Die Abschlussfahrt am Dienstag führt nach Mallorca.

KOMMENTAR: HSG steht am Scheideweg

Rainer Wallasch,WZ-Redaktion

Die HSG Düsseldorf steht am Scheideweg. Der Abstieg bietet auch die Chance zum Neuanfang, falls sich Wirtschaftsunternehmen zu dem Klub bekennen und neue Sponsoren den Weg in eine erfolgreichere Zukunft ebnen. Wenn es so weitergeht wie bisher wird der Verein nie über das Mittelmaß mit dem Hang zur Zweitklassigkeit herauskommen. Es ist überwiegend dem Mäzenatentum von Erwin Schierle zu verdanken, dass die HSG Düsseldorf nicht schon längst in der Versenkung verschwunden ist. Solange der Klubchef aber zu 60 Prozent für den Saisonetat sorgen muss, kann Düsseldorf keine Handball-Hochburg werden. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wohin der Weg führt. Mittelmaß kommt bei den Handballfans in Düsseldorf jedenfalls nicht an.

rainer.wallasch@wz-plus.de