Düsseldorfs Radsportvereine: RC Düsseldorpia war der Vorreiter

Düsseldorfs Radsportvereine: RC Düsseldorpia war der Vorreiter

„Jupp“ Heithorn war der wohl erfolgreichste Fahrer des ältesten Düsseldorfer Radsportvereins. Der 68-Jährige blickt zurück.

Düsseldorf. Diesen Superlativ nimmt dem Verein niemand mehr. Bei der Gründung 1890 war der RC Düsseldorpia der erste Fahrradverein in der Stadt. Und weil er bis heute überlebt hat, ist er logischerweise auch der älteste. Eine lange Geschichte. Wer könnte besser daraus erzählen als Hans-Josef „Jupp“ Heithorn? Der heute 68 Jahre alte Ex-Rennfahrer war einst Düsseldorfs große Radsport-Hoffnung, ehe er 1971 mit erst 23 Jahren seine Karriere beendete. Sein Vater Josef war damals Vorsitzender des Vereins — und Sohn Pascal leitet heute übrigens das Sportamt. „Jupp“ Heithorn greift sich einen der zahlreichen Ordner aus dem Schrank.

Aber eigentlich benötigt er die gesammelten Berichte, Bilder und Zeitungsausschnitte gar nicht. Vieles hat er im Kopf. Nicht nur seine eigenen Glanzzeiten bis Ende der 60er Jahre. „Die besten Zeiten für Düsseldorpia waren wohl die 50er“, blickt er zurück. Zum Beispiel 1956. Damals gab’s eine Gesamt-Jahreswertung für die besten deutschen Amateurfahrer. Alle Querfeldein-, Rundstrecken-, Straßen- und Etappenrennen zählten mit. Wilfried Schlömer als 31. und Dieter Czock als 38. fuhren für Düsseldorpia bemerkenswerte Ergebnisse ein. Nur zum Vergleich: Auf Rang 78 folgte deutlich hinter den beiden ein gewisser Rudi Altig. Aber: Eine große Profi-Karriere gelang bis heute keinem Fahrer von Düsseldorpia.

Dem Traum vieler Radsport-Enthusiasten am nächsten kam Jupp Heithorn selbst. Schon in der Jugend feierte er jede Menge Siege - und das oft gegen ältere Gegner. Sein Talent war so vielversprechend, dass er sich 1967 und 1968 ganz aufs Rennfahren konzentrierte. Die Eltern unterstützten seinen Plan, im Profigeschäft Fuß zu fassen. Doch als er mal für eine Woche lang in Belgien den Betrieb aus allernächster Nähe studierte, war dies der Anfang vom Ende der Karriere. „Die Felder dort bestanden aus gut 150 Fahrern. Alles Klasse-Leute. Aber wirklich leben konnten von den Rennen höchstens 50“, erzählt er, „zwei Drittel wurden von ihren Eltern oder der Verwandtschaft über Wasser gehalten. Da wusste ich, dass ich raus muss aus diesem Zirkus.“ Das Angebot, sich einem geplanten nordrhein-westfälischen Profiteam mit Sitz in Köln anzuschließen, schlug Heithorn aus. „Da hätte ich weniger verdient als in meinem Beruf als Kaufmann für Groß- und Außenhandel“, erinnert er sich.

Heutzutage ist es für Vereine wie den RC Düsseldorpia noch schwieriger geworden, Talente für den Leistungssport zu finden. „Die Zahl der jungen Mitglieder ist wahnsinnig geschrumpft“, sagt Heithorn. Gründe? Der Aufwand für diesen Sport ist nun mal sehr hoch. Das Material kostet Geld, das Training viel Zeit. Zudem sind viele Eltern nach den zahlreichen Doping-Enthüllungen skeptisch geworden. Breiten- statt Spitzensport könnte das Motto für den Weg in die Zukunft lauten. Erst ersetzte der RC Düsseldorpia sein Rennen „Rund um den Ostpark“ durch eine Radtouristikfahrt mit Start und Ziel in Holthausen. Zuletzt wurde der Plan, ein Team für die Frauen-Bundesliga zu installieren, mangels Sponsoren aufgegeben.

Auch die Touristik ist inzwischen „eingeschlafen“. Aber der RC Düsseldorpia lebt immer noch. Dank der Aufnahme vieler Freizeitfahrer der Oberkasseler Gruppe „Hopper Cycling“ verfügt Düsseldorpia immer noch über eine stattliche Zahl von Mitgliedern. Und sonst? „Wir müssen verstärkt in die Schulen gehen und dort den Nachwuchs ansprechen“, lautet einer der Pläne des Vorstands, der freilich erst noch umgesetzt werden muss. Wird der Grand Depart der Tour de France im nächsten Jahr dabei eine Hilfe sein? Jupp Heithorn: „Nicht nur für uns. Der Tour-Start in Düsseldorf wird dem gesamten deutschen Radsport helfen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung