Maduka überrascht

Drei Athleten des ART waren bei den Europameisterschaften in Berlin am Start.

Die ganze Schönheit und Faszination der Leichtathletik erlebten in der vergangenen Woche Millionen Menschen am Bildschirm und fast 300 000 vor Ort im Berliner Olympiastadion. Auch drei Athleten vom ART Düsseldorf konnten sich für die nun alle zwei Jahre (früher vier) durchgeführten Europameisterschaften qualifizieren. Das hatte es seit Jahren nicht gegeben.

Mit Djamila Böhm hätte es beinahe eine vierte Düsseldorfer Sportlerin zur EM geschafft. Die 400-Meter-Hürdenläuferin hatte die internationale Norm (57,70 Sekunden) mit ihren 56,54 Sekunden auch weit unterboten. Mit ihrer Jahresbestzeit wäre Böhm in Berlin ins Halbfinale gekommen und insgesamt vermutlich immerhin 18. geworden. Doch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte der 24-Jährigen die Teilnahme versagt, weil Böhm an der extrem verschärften deutschen EM-Norm um 0,04 Sekunden vorbeigesaust war. So schaffte es keine einzige Deutsche zu den kontinentalen Titelkämpfen. Das verstehe, wer will.

Es blieb bei drei Düsseldorfern. Den Anfang machte am vergangenen Mittwoch die 22-jährige Jessie Maduka vom ART. Die Dreispringerin hatte viele Experten mit ihrem Satz über 13,94 Meter verblüfft. In einem Ausscheidungs-Wettbewerb auf hohem Niveau belegte sie Platz 15 unter den 29 besten Springerinnen Europas. Dabei hatte Maduka in der Meldeliste auf Rang 24 gestanden.

Am Sonntag waren die ART-Marathonläufer Sebastian Reinwand (33. in 2.19:24 Stunden) und Philipp Baar (38. in 2.19:59 Stunden) für Deutschland und Düsseldorf am Start. Sie hatten sich für die EM nach DLV-Auffassung eigentlich „nur“ als Läufer für den Europa-Team-Cup im Marathon qualifiziert. Der europäische Verband behandelte die ART-Läufer aber ganz normal für die EM qualifizierte Teilnehmer. Er konnte auch gar nicht anders, weil es für den 42,2-Kilometer-Lauf keine festen Qualifikationszeiten gibt — auch wenn die in Deutschland mit geradezu inbrünstigem Fetischismus gepflegt werden. So hatte der DLV gleich zwei interne Normen festgelegt: 2.14 Stunden für eine Teilnahme an der EM, 2.17 Stunden für den Europa-Team-Cup.

Die Entscheidung über die Teilnahme fiel Ende April beim Düsseldorf-Marathon, bei dem auch die Deutschen Meisterschaften durchgeführt wurden. Da hatten sich Sebastian Reinwand als Deutscher Vizemeister und Philipp Baar als DM-Vierter für das EM-Team qualifiziert. Schon damals war das ART-Team (Sebastian Reinwand, Philipp Baar, Andreas Straßner, Paul Schmidt) als Deutscher Meister schneller als beispielsweise das türkische Nationalteam. So war es am Sonntagvormittag auch in Berlin. Das deutsche Team (mit Sebastian Reinwand und Philipp Baar) belegte in 6.54:50 Stunden weit vor den Türken (11. in 7.06:07 Stunden) den siebten Platz. Beim deutlich kühleren Düsseldorf-Marathon war der ART mit 6.51:22 Stunden sogar Nordrhein-Rekord gelaufen.

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