Hallenhockey : DHC greift erneut nach dem Titel

Vorher wurde ihnen wegen zahlreicher Ausfälle nicht viel zugetraut, nun könnten die Hockey-Damen wieder Meister werden.

Wer über herausragendes Talent verfügt, der kommt nie so richtig aus der Übung. So sieht es zumindest Nico Sussenburger. Und deswegen hat der Trainer des Düsseldorfer Hockeyclubs auch nicht gezögert, als sich vor einigen Monaten abzeichnete, dass er für die aktuelle Hallensaison auf seine Torhüterin Nathalie Kubalski verzichten muss. Sussenburger, seit Jahren im Geschäft und entsprechend vernetzt, meldete sich bei Kristina Reynolds. Eine der besten ihres Fachs und nicht umsonst 2016 bei den Olympischen Spielen von Rio im Tor der deutschen Nationalmannschaft, die am Ende mit der Bronzemedaille nach Hause fliegen durfte.

Das Problem ist aber: Reynolds hatte ihre Karriere eigentlich vor zwei Jahren beendet, um sich auf ihren Job als Ärztin zu konzentrieren. Doch Sussenburger war das einerlei: „Kristina ist ein herausragendes Torwarttalent, in den letzten zehn, fünfzehn Jahren hat es das nicht oft gegeben. Und so ein Talent verlernt nichts.“

Die jüngsten Erfolge geben dem Trainer recht. Zwar war Reynolds nicht für jedes Spiel der Gruppenphase verfügbar, aber als es vergangene Woche drauf ankam, da war sie da und machte das, was sie besten kann: gegnerische Stürmerinnen zur Verzweiflung bringen. Am Ende gewann der DHC sein Viertelfinale gegen den Münchner SC mit 3:1 und zog erneut ins „Final Four“ um die Deutsche Meisterschaft ein. Deswegen hat das Team vom Seestern an diesem Wochenende in Stuttgart nun die Möglichkeit, seinen Meistertitel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Am Samstag steht ab 13.45 Uhr das Halbfinale gegen den Harvestehuder THC an, zuvor (11.30 Uhr) trifft der Club an der Alster im ersten Halbfinale auf Uhlenhorst Mülheim, das Finale steigt am Sonntag um 11.30 Uhr. Da wollen die Düsseldorferinnen natürlich wieder hin, es wäre ihre dritte Endspielteilnahme in Folge.

Nationalspielerinnen verzichteten wegen Olympia auf die Halle

Dass sie erneut die Chance dazu haben, damit war vor der Hallensaison nicht zwingend zu rechnen. Denn neben Nationaltorhüterin Kubalski meldeten sich auch Annika Sprink, Selin Oruz und Elisa Gräve ab, sie wollen und sollen sich im Olympiajahr auf die Feldsaison konzentrieren. Am Ende der Vorrunde stand dennoch der Gruppensieg. Und nicht nur deswegen will Sussenburger das Thema langsam abhaken: „Dass wir mit einer jungen und nicht eingespielten Truppe nicht das Niveau des Vorjahres haben, ist selbstredend. Aber wir haben uns vom ersten Spieltag an verbessert. Wir haben jetzt im besten Fall noch zwei K.o.-Spiele, die wir beide gewinnen können. Also wollen wir nicht denen nachtrauern, die nicht dabei sind, sondern setzten auf die gute Mannschaft, die wir haben.“

Ein Team der Namenlosen ist nämlich auch der aktuelle DHC nicht. Ob die Torjägerinnen Tessa Schubert (11 Treffer), Greta Gerke (10) oder Sara Strauß (10), ob Eckenspezialistin Sabine Markert (8 Eckentore), die erfahrene Luisa Steindor, Shootingstar Lisa Nolte, Pia Lhotak oder Alisa Vivot — der DHC hat eine Menge Qualität. Und ist trotz des Gewinns der Meisterschaft im Vorjahr längst nicht satt. Alisa Vivot dürfte gar mit einer Extraportion Motivation aufs Feld gehen. Nicht nur dass sie jüngst mit dem Perspektivteam des Deutschen Hockey-Bundes bei der Hallen-EM im weißrussischen Minsk spielen durfte, als Stuttgarterin hat sie ein Heimspiel.

Noch mehr als auf Vivot und ihre Kolleginnen aus der Offensive dürfte es allerdings auf die Abwehr ankommen. Die ist die große Stärke der Düsseldorferinnen. Weil das auch für den Gegner aus Harvestehude gilt, rechnet Trainer  Nico Sussenburger mit einem engen wie torarmen Halbfinale. Vielleicht wird das ja so, wie vor zwei Jahren, als sich die beiden Teams schon mal in der Vorschlussrunde gegenüberstanden und der DHC 2:1 gewann — ein untypisches Ergebnis für die Halle.

Daraus etwas für das diesjährige Halbfinale ableiten, will Sussenburger allerdings nicht: „Alle vier Teams sind auf einem Niveau, es kann alles passieren. Deswegen wird das Final Four dieses Jahr besonders interessant. Wir haben richtig Bock.“