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Fußball: Gerresheims Zweite flieht nach Tannenhof — TuS plant Neuanfang

Fußball: Gerresheims Zweite flieht nach Tannenhof — TuS plant Neuanfang

Trainer Schraets geht nach 15 Jahren. Seine Spieler folgen ihm.

Düsseldorf. Es ist ein einmaliger Vorgang im Düsseldorfer Fußball. Beim TuS Gerresheim muss Markus Schraets nach 15 Jahren als Trainer der zweiten Mannschaft seinen Hut nehmen. Für seine Spieler Grund genug, den Verein zu verlassen. Geschlossen wechselt der Kader des B-Kreisligisten zum FC Tannenhof, um gemeinsam unter Schraets weiter trainieren und spielen zu dürfen.

Der 43-Jährige war von dem Zuspruch seiner Spieler überwältigt: „Damit habe ich nicht gerechnet. Das hat mich sehr berührt“, sagte Schraets, nachdem sich seine 29 Spieler geschlossen zur Abmeldung beim TuS entschieden hatten. Gemeinsam will das Team beim FC Tannenhof einen Neuanfang in der Kreisliga C wagen.

Schraets wurde in einem persönlichen Gespräch mit dem Abteilungsvorstand darüber informiert, dass der TuS nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten möchte. „Man hat dort einen Grund gesucht, um mich los zu werden“, erklärte der Trainer. Für die sportliche Führung beim TuS war die Trennung der einzig logische Schritt.

„Alles andere hätte keinen Sinn mehr gemacht. Wir haben ein neues Konzept, das mit dieser Mannschaft und dem Trainer nicht mehr vereinbar war“, erklärte Abteilungsleiter Ralf Brakonier. Dieses neue Konzept beim TuS sieht vor, dass die zweite Mannschaft enger mit der Erstvertretung verzahnt wird. In Schraets Team spielten aber viele in die Jahre gekommene Urgesteine, von denen sich der Trainer unter keinen Umständen trennen wollte. „Unglücklich bin ich nicht, dass es so gekommen ist. Eine Kooperation war nicht mehr möglich“, sagte Brakonier deshalb.

Der neue sportliche Leiter des TuS sieht das ähnlich. „Wir wollen junge Leute in unserer Zweiten. Dieses Team war kein Unterbau“, sagte Oliver Zwiebler. Schraets soll nach Zwieblers Aussage, nicht bereit gewesen sein, die geplante Verjüngung mitzutragen. „Ich bin vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, wehrt sich Schraets.

Obwohl gleich 29 Spieler weg sind, gibt sich der TuS zuversichtlich. Brakonier und Zwiebler bestätigten unserer Zeitung, dass bereits 20 neue Spieler für den Neuaufbau der zweiten Mannschaft bereitstehen sollen. Darunter einige A-Jugendliche, die den Verein verlassen hätten. In Oskar Petrovic kommt ausgerechnet vom FC Tannenhof ein neuer Trainer. Er bringt einige Spieler zum TuS mit. Beide Mannschaften wechseln also die Seiten.

„Was passiert ist, tut mir für den Verein leid. Nicht aber für den Vorstand“, sagte Schraets. „Ich möchte aber nicht nachtreten. Es ist alles gesagt.“ Gegenpart Zwiebler gibt sich entspannt: „Wir sind gelassen. Schließlich steht der Kader für die neue Saison fast. Uns ist wichtig zu kommunizieren, dass dieser Schritt nicht grundlos war.“ Einmalig ist diese Geschichte aber zweifellos.