Ex-Fortune Jerome Kiesewetter in der MLS „Willkommen in Miami“ — „kick it“ für Beckham

Miami/Düsseldorf · Der ehemalige Fortuna-Profi ist beim neuen MLS-Klub in Florida Teil eines großen Projekts mit einem äußerst berühmten Miteigentümer.

 Jerome Kiesewetter (l.) spielte zwei Jahre für die Fortuna. Nun ist er für den Beckham-Klub Inter Miami in der MLS in Nordamerika aktiv.

Jerome Kiesewetter (l.) spielte zwei Jahre für die Fortuna. Nun ist er für den Beckham-Klub Inter Miami in der MLS in Nordamerika aktiv.

Foto: Christof Wolff (CW)

Eine Fußballliga im Turnierformat mit Micky Maus und Donald Duck im Publikum? Was fraglos merkwürdig klingt, könnte in den USA in Kürze tatsächlich Realität werden. Wie überall auf der Welt hat die Corona-Pandemie dem Profisport auch in Nordamerika Einhalt geboten. Die Major League Soccer beispielsweise pausiert seit Anfang März. Nun gibt es Pläne, die Saison in Disney World (Orlando, Florida) fortzusetzen. Alle Teams an einem Ort, isoliert von allem anderen. Einer der Aktiven, der die aktuellen Entwicklungen besonders gespannt verfolgt und Teil des Ganzen ist, trug noch vor zwei Jahren das Trikot von Fortuna Düsseldorf: Jerome Kiesewetter. Der 27-Jährige hat sich vor einigen Monaten dem neu gegründeten Klub Inter Miami angeschlossen.

Über Hertha BSC und den VfB Stuttgart führte der Weg des gebürtigen Berliners 2016 zur Fortuna. Vergangenes Jahr lief er für El Paso Locomotive FC in der zweitklassigen USL Championship auf. Dann bekundete die neue Franchise aus der Florida-Metropole ihr Interesse. „Da habe ich nicht lange überlegt oder gepokert, sondern mich schnell entschieden. Das, was hier entsteht, hat mich absolut überzeugt“, berichtet Kiesewetter im Telefongespräch mit der WZ.

Gegründet wurde Inter Miami im Januar 2018. Der Verein befindet sich im Eigentum einer Investorengruppe, zu der ein ehemaliger Weltklassespieler gehört: David Beckham, 115-maliger Nationalspieler Englands, der einst für Manchester United und Real Madrid die Schuhe schnürte. Mit seinen zahlreichen Kontakten sowie seiner Strahlkraft — die auch zu aktiven Zeiten schon weit über den Fußballplatz hinaus ging — soll in Miami Großes entstehen. Als Neuling in der über viele Jahre als „Abstellgleis für europäische Altstars“ belächelten MLS möchte Inter Miami nicht nur mitschwimmen, sondern gleich ganz oben mitspielen. Die frische Franchise steht daher enorm im Fokus. „Wir sind gekommen, um Alarm zu machen, keine Frage“, bestätigt Kiesewetter.

Mittelfristig soll der Titel her — dafür wird viel Geld investiert

Aufgrund der finanzkräftigen Gruppe um Beckham und dessen Mitstreitern dürfte der Klub im ersten Spieljahr im oberen Drittel der Etat-Tabelle liegen. Hinter Los Angeles FC (49,2 Millionen Euro) und Atlanta United (48,9) hat der Kader von Inter Miami mit umgerechnet 35,2 Millionen Euro jedenfalls den dritthöchsten Marktwert unter den 26 MLS-Teams aufzuweisen. Zum Vergleich: Der Marktwert des aktuellen Fortuna-Kaders liegt bei rund 69 Millionen Euro.

Der Vergleich zur Bundesliga hinkt also nach wie vor gewaltig. Finanziell und sportlich. Doch die MLS hat in den vergangenen Jahren tatsächlich einen Schritt nach vorn gemacht. Unabhängig von bekannten Namen wie Zlatan Ibrahimovic, Bastian Schweinsteiger oder Andrea Pirlo, die allesamt im Spätherbst ihrer Karriere in Nordamerika kickten. „Das Niveau der Liga hat sich auf jeden Fall verbessert. Es ist eine stetige Entwicklung. Die Bedingungen sind jedenfalls so professionell wie in der Bundesliga“, sagt Kiesewetter.

Speziell bei seinem neuen Arbeitgeber sollen diese zügig noch einmal auf ein anderes Level geführt werden. So entsteht in der Nähe des Miami International Airport bis 2022 der Miami Freedom Park, ein Komplex mit Einzelhandelsgeschäften, Hotels und Restaurants sowie dem 25 000 Zuschauer umfassenden neuen Stadion des Beckham-Klubs. Bis dahin wird noch im rund 50 Kilometer nördlich von Miami gelegenen Fort Lauderdale gespielt, wo auch Kiesewetter wohnt.

Das mittelfristige Ziel von Inter Miami ist klar. Der Titel soll her. „Es ist natürlich förderlich, einen Menschen wie David Beckham im Klub zu haben. Er ist einfach eine Marke“, sagt Kiesewetter. Und der berühmte Chef präsentiert sich offen. Von Allüren keine Spur. „Er kommt des Öfteren bei den Team-Aktivitäten vorbei. Man ist auch schon mal zusammen essen gewesen.“ Nach Kiesewetters Unterschrift meldete sich Beckham per Handy-Nachricht beim ehemaligen Fortunen: „Willkommen in Miami. Ich freue mich, dass du dich unserem Projekt angeschlossen hast. Viel Glück für die Saison.“

Den Auftakt in diese hatten sich die Beteiligten im Südosten der USA allerdings anders vorgestellt. 0:1 gegen Los Angeles FC und 1:2 gegen D.C. United, den Hauptstadtklub aus Washington. Zwei Niederlagen, null Punkte. Dann kam die Zwangspause, die noch immer andauert. „Das erste Spiel verlief etwas unglücklich. Da haben wir eigentlich ganz gut mitgehalten. Gegen Washington führen wir dann mit 1:0 und bekommen das vermeintliche 2:0 aberkannt. Danach haben wir das Spiel aus der Hand gegeben. Trotzdem glauben wir an uns und unsere Ziele“, erklärt der Deutsch-Amerikaner mit Düsseldorf-Vergangenheit, der sich in Florida wohlfühlt.

Auch wenn die räumliche Distanz groß und der Zeitunterschied von sechs Stunden durchaus beträchtlich ist: Den Kontakt zur Fortuna hat der Angreifer nicht verloren. „Vor allem mit Kaan Ayhan und Alfredo Morales tausche ich mich hin und wieder noch aus. Eine Verbindung nach Düsseldorf ist also noch da. Ich hatte eine schöne Zeit dort und wünsche dem Verein das Allerbeste“, sagt Kiesewetter. Nach dem Re-Start in Deutschland hoffen er und seine Mitspieler, dass es auch in den USA bald weiter gehen kann. Auch wenn dem Vernehmen nach nicht alle vom Plan mit dem Gastspiel bei Micky und Co. überzeugt sind. Kiesewetter und Inter Miami aber wollen zurück auf den Platz. Schließlich verfolgen sie gleich im ersten Jahr ein großes Ziel.

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