Früher war mehr Derby

Früher war mehr Derby

Nicht nur auf dem Eis war der 3:2-Sieg der DEG in Krefeld wenig aufregend, auch die Fans wenden sich ab.

Im Kabinengang des Krefelder Eisstadions herrschte Erleichterung unter den Düsseldorfern. Endlich hatten sie mal ein Derby gewonnen. Die bisherigen drei Duelle mit ihren rheinischen Nachbarn aus der Deutschen Eishockey Liga waren ja allesamt verloren gegangen. Nun hatte es durch Alexander Bartas Tor zum 3:2 in der Verlängerung wenigstens für zwei Punkte gereicht. Es war der fünfte Sieg im sechsten Spiel seit der Länderspielpause für die DEG.

Die Laune hätte also ausgelassen sein können. Aber sie war es nicht. Von Euphorie waren die Düsseldorfer weit entfernt. Das lag an der sich breitmachenden Müdigkeit wegen des eng getakteten Spielplans, der den Eishockey-Profis derzeit alle drei Tage ein Spiel beschert. Das lag aber auch an den knapp zweieinhalb Stunden zuvor. Die waren wenig aufregend gewesen — auf dem Eis, und erst recht daneben. Nur 5000 Zuschauer wollten das Straßenbahnderby in der Halle sehen. Stimmung kam kaum auf.

Das war auch den Spielern nicht verborgen geblieben. „Heute war es irgendwie komisch in der halbvollen Halle“ sagte DEG-Verteidiger Bernhard Ebner. „Normal machen die Krefelder Fans hinter dem Tor schon Dampf. Heute war es lätschern.“ Was auf Bayrisch etwa langweilig, schlapp oder weich bedeutet.

Ebner gehört zu den Spielern, die sich für mehr als nur das Geschehen auf dem Eis interessieren, also fand er einen Grund für die träge Stimmung: Die Ansetzung sei „suboptimal“ gewesen, sagte er. „Erst hatten wir Iserlohn daheim, ein paar Tage später Köln, dazwischen noch ein Heimspiel, dann direkt Krefeld. Wer bezahlt für die ganzen Spiele, wenn ich gleichzeitig das Telekom-Angebot hab?“

Hat die DEL den Spielplan also zu voll gepackt? Erst recht mit Derbys? Anstatt die Höhepunkte für Vereine, Fans und Medien über die Saison zu verteilen, gibt es am Rhein ja derzeit alle paar Tage eins. Binnen drei Wochen spielt die DEG zwei Mal gegen Krefeld, gegen Köln und Iserlohn. Die Krefelder wiederum erleben ihre beiden wichtigsten Heimspiele gegen DEG und Haie in nur vier Tagen. Und das in einer Jahreszeit, in der viele noch nicht an Eishockey denken. Hinzu kommt in Krefeld die aktuelle Unruhe wegen möglicher Stadionverbote. 71 Fans könnten davon betroffen sein. Die fühlen sich ungerecht behandelt und wehren sich dagegen. Eine Entscheidung steht noch aus.

Siegtorschütze Barta war ebenfalls nicht gerade angetan von der Atmosphäre, sieht aber eine generelle Entwicklung: „Ich glaube, dass Düsseldorf-Köln ein wahres Derby ist. Egal, von wo man in Deutschland herkommt, es ist für jeden ein großes Spiel. Aber das andere ist, wenn man ehrlich ist, ein bisschen abgeflacht. Man merkt es an den Zuschauerzahlen und von der Stimmung her. Krefeld gegen uns ist zwar das Straßenbahn-Duell, aber es war auch schon mal anders.“

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