European Championships: Düsseldorfer Sportler schauen nur zu

European Championships: Düsseldorfer Sportler schauen nur zu

Nur drei Leichtathleten des ART waren in Berlin dabei. Wie passt das zum Anspruch der "Sportstadt" Düsseldorf?

Düsseldorf. Es gibt ein Wortpaar, das darf in keiner Pressemitteilung aus dem Rathaus fehlen, wenn es um den Sport geht: „Sportstadt Düsseldorf“. Als würden sie hier besonderen Wert auf Leibesübungen legen. Und als seien sie dabei außerordentlich erfolgreich. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) setzt deutlich mehr als sein Vorgänger Dirk Elbers (CDU) auf den Sport als Mittel der positiven Außendarstellung. Da werden Großereignisse (Tour de France, Tischtennis-WM) in die Stadt geholt, da werden Stadien (Arena) und Hallen (Dome, Castello) günstig an Vereine vermietet, da werden Sponsoren (Gauselmann) besorgt. Glaubt man den Stadtoberen, passiert das mit Erfolg. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hat jüngst stolz verkündet, dass Düsseldorf bei den Mannschaften „deutschlandweit auf Rang vier steht“.

Das mag stimmen, in den beiden zuschauerstärksten Teamsportarten, Fußball (Fortuna) und Eishockey (DEG), ist die Stadt erstklassig, im Handball (Vikings) zumindest in der 2. Liga vertreten. Zudem gibt es erfolgreiche Teams in Olympischen Disziplinen wie Tischtennis, Tennis, Hockey und Segeln, auch in Randsportarten wie Roll- oder Skaterhockey, Cricket oder Football ist Düsseldorf vorn dabei.

Doch als sich in den vergangenen Wochen rund 3800 Spitzensportler zu den European Championships in sieben Disziplinen trafen, sah Düsseldorfs Sportelite nur zu. Bis auf drei Leichtathleten (siehe nebenstehender Artikel) schaffte es niemand von einem Düsseldorfer Klub zum Treffen der besten Sportler Europas.

Peter Schwabe ist dennoch zufrieden mit dem Düsseldorfer Abschneiden bei der erstmals ausgetragenen Riesen-EM: „Ich finde es okay, in den vergangenen Jahren waren es bei den einzelnen Meisterschaften auch nicht mehr. Mehr ist immer wünschenswert, aber man muss die Situationen in den einzelnen Disziplinen berücksichtigen“, sagt der Präsident des Stadtsportbundes. Und liegt nicht falsch.

Beispiel Rudern: Abgesehen vom prestigeträchtigen Achter nahm der Verband wegen der WM im September kein Toppersonal mit. Sonst wäre der RC Germania aus Hamm vielleicht vertreten gewesen. Im Golf stellten die deutschen Männer gar kein Team. Mit Blick auf die Düsseldorfer Profis und den Mannschaftsmeister GC Hubbelrath (2017) hätte dort Düsseldorfer teilnehmen können. Düster sieht es beim Radsport, Schwimmen, Geräteturnenturnen und Triathlon aus. Da genügt niemand internationalen Ansprüchen.

Dass große Sportfeste ohne Düsseldorfer stattfinden, ist nichts Neues, zu den Olympischen Winterspielen im Februar fuhr lediglich die DEG-Eistänzerin Shari Koch — als Ersatz. Am Rhein sei „die Anzahl der angebotenen Wintersportarten naturgemäß gering“, sagt Meinolf Grundmann, beim Stadtsportbund für den Leistungssport zuständig. Aber auch 2016 in Rio war die Stadt nur im Hockey (DHC) und Tischtennis (Borussia) vertreten. Der Teamsport funktioniert eben.

Individualsportler haben es schwieriger — weil die sich selten selbst finanzieren können und Düsseldorf bis auf Taekwondo keinen Bundesleistungsstützpunkt hat. Entsprechend selten gibt es aus öffentlichen Mitteln finanzierte Trainer, entsprechend selten trainieren die Besten hier. Geht es nach Stadtsportbund-Präsident Schwabe ändert sich die Struktur aber bald. Das Geld sei da, es müsse nur mehr bei Trainern und Athleten ankommen. „Der deutsche Sport ist einer wichtigen Aufstellungsphase, aber noch sind die Reformen nicht umgesetzt.“ Hoffnung mache ihm Andrea Milz (CDU), Staatssekretärin für den Sport. Da gäbe es „positive Signale“.

Allein mit öffentlicher Förderung ist es aber nicht getan. Das weiß auch Schwabe. Also begrüßt er es, dass mithilfe der städtischen Agentur „Sportstadt Düsseldorf“ Athleten eingekauft werden. Im Beachvolleyball passiert viel, Düsseldorf will zu einem Zentrum der Trendsportart werden und hat Olympiakandidaten aus anderen Städten angelockt.

Auch die beiden Marathonläufer, die am Sonntag bei der EM in Berlin als Düsseldorfer liefen, sind eingekauft. Sie starten lediglich für den ART. Philipp Baar lebt in Berlin, Sebastian Reinwand kommt aus Fürth. Und auch die dritte EM-Teilnehmerin war zuletzt selten in Düsseldorf zu sehen. Zwar kommt die Dreispringerin Jessie Maduka aus Mörsenbroich und wird beim ART vom erfahrenen Ralf Jaros trainiert, ohne die vergangenen drei Jahre Intensivtraining an der renommierten UCLA in Los Angeles hätte sie es aber kaum zur EM geschafft.

Es ist eben schwer für hiesige Einzelsportler, in die Elite vorzustoßen. Erst recht in der selbst ernannten Sportstadt.