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El Clásico des deutschen Frauenhockeys

Feldhockey : DHC-Frauen freuen sich auf Hockey-Klassiker

Im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft trifft der Düsseldorfer HC auf seinen großen Konkurrenten Club an der Alster.

Nach der gewonnenen Meisterschaft im vergangenen Jahr tanzten die DHC-Frauen auf „Let‘s get loud“ von Jennifer Lopez. Noch aber kreisen die Gedanken der Düsseldorfer Hockeyspielerinnen nicht ums Feiern, sondern um Mittel und Wege, wie die Mission Titelverteidigung gelingen kann. Im hochkarätigen Halbfinale steht am kommenden Samstag ein altbekannter Konkurrent im Weg.

Der Club an der Alster scheiterte 2021 im Penaltyschießen nur denkbar knapp am DHC. Seitdem hat sich einiges am Seestern getan. „Damals hatte ich das Gefühl, dass Alsters Kader doch etwas besser aufgestellt ist als unserer, auch weil wir einige Ausfälle zu verkraften hatten“, sagt Tessa Schubert. Unter den Ausfällen war auch Nationalspielerin Elisa Gräve, die sich kurz vor den Finals das Schlüsselbein gebrochen hatte. Das DHC-Team, so Mittelfeldspielerin Schubert, sei trotz des geringen Durchschnittsalters gereift, die Qualität gestiegen.  „Wir haben es jetzt mehr als früher in der eigenen Hand, wir haben das Potenzial dazu.“ Dennoch handele es sich auch weiterhin um eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der weniger der Feingeist entscheide, als vielmehr die Bereitschaft, 60 Minuten zu ackern. „Wir dürfen Alster nicht zu viel Platz geben, die haben einige schnelle Spielerinnen im Team. Neben dem Teamgeist wird die Tagesform entscheiden.“

Reisen und die Belastung
in Studium und Beruf

Für Torhüterin Nathalie Kubalski, die in den vergangenen Monaten für ihre Leistungen im Verein und in der Nationalmannschaft mit Lob überschüttet wurde, birgt das „El Clásico des deutschen Frauenhockeys“ bei einigen Konstanten auch Unwägbarkeiten. „Unsere Mannschaft ist sehr jung, vor allem in der vorderen Sturmreihe. Das darf man nicht außer Acht lassen.“ Viele Spiele in der Meisterschaft und in den verschiedenen Nationalteams kosteten Kraft, körperlich wie mental. Dazu kommt das Reisen und die Belastung in Studium und Beruf. Die Müdigkeit beginnt meist im Kopf. Spielerische Leerlaufphasen seien vor diesem Hintergrund normal, so Kubalski. Nur sollten sie nicht gerade gegen Alster auftreten, in einer Begegnung, in der Details den Ausschlag geben können. Wenn die Tagesform entscheidet, kann man ihr dann nicht mit taktischen Feinheiten auf die Sprünge helfen? „Wir haben zu oft in den vergangenen fünf, sechs Jahren gegeneinander gespielt, als dass wir den Gegner noch überraschen könnten. Die Teams haben sich nicht wesentlich verändert, die Spielphilosophie ist dieselbe, die Trainer sind dieselben. Da sind taktische Spielchen, die Alster verwirren könnten, nahezu ausgeschlossen“, meint Nathalie Kubalski. Die Torhüterin warnt davor, sich im eins gegen eins zu verzetteln, wie es im Viertelfinale gegen Berlin phasenweise der Fall war. „Wir sind gut, wenn wir den Ball laufen lassen. Wenn wir mit dem Ball laufen, machen wir es dem Gegner leicht.“ Wenige Tage vor der Endrunde in Bonn empfindet die mit 28 Jahren Älteste im Team „totalen Bock auf das Spiel“. Tessa Schubert, mit 25 Jahren auch eine der Erfahrenen, nickt. Auch die großen Augen der französischen Nationalspielerin signalisieren Zustimmung. „Das ist ein Spiel mit offenem Visier“, ergänzt Kubalski, „beide Teams werden offensiv spielen.“ Was nicht heißen soll, dass das Treffen zu einem Torfestival wird. Dafür sind beide Abwehrreihen zu stark. Was können Kubalski und Schubert zum Erfolg beitragen? Kubalski über Schubert: „Schubi ist eine wuselige Mittelfeldspielerin, sie ist technisch extrem gut und kann Gegnerinnen auf dem Bierdeckel austanzen. Außerdem hat sie ein gutes Entscheidungsverhalten, wann das Spiel zu beschleunigen und wann es zu beruhigen ist, sowie ein unheimlich gutes defensives Zweikampfverhalten.“ Schubert über Kubalski: „Nathi hat in den vergangenen Jahren einen großen Schritt nach vorne getan. Sie ist schnell auf den Beinen, fischt auch Unhaltbare weg und unterstützt uns lautstark. Man kann sich zu 100 Prozent auf sie verlassen.“ Und dann kommt das, was im Halbfinale und womöglich dann auch im Finale gegen Harvestehude oder Mannheim am Sonntag spielentscheidend sein könnte: „Ich habe noch nie eine so gute Penalty-Torhüterin wie Nathi erlebt. Der Meistertitel vom vergangenen Jahr geht zu großen Teilen auf ihre Kappe.“