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Ein ehemaliger Holzfäller coacht Rhein Fire: James Tomsula stammt aus einer Arbeiterfamilie nahe Pittsburgh. Über San Francisco ist er in Düsseldorf gelandet.

American Football : Rhein Fire: Der Trainer ist der Star

 James Tomsula stammt aus einer Arbeiterfamilie nahe Pittsburgh. Über San Francisco ist er in Düsseldorf gelandet.

Manchmal heißt es ja, die Mannschaft ist der Star. Bei Rhein Fire 2022, der Reinkarnation des vor 15 Jahren beendeten professionellen American Football-Experimentes der National Football League (NFL) auf Düsseldorfer Boden, hat aber auch der Trainer das Zeug zum Star. James Andrew „Jim“ Tomsula hat mehr als eine Dekade NFL-Erfahrung als Trainer auf dem Buckel, darunter einige Jahre als Defensive Line Coach und auch ein Jahr als Cheftrainer. 2015 stand er als oberster Übungsleiter an der Seitenlinie der San Francisco 49ers.

Und er hat auch Europa-, Deutschland- und sogar Düsseldorf-Erfahrung in seiner Vita vorzuweisen. In der Vorgängerliga der European Football-League, in der Rhein Fire jetzt antritt, war Tomsula in den Trainerstäben der Teams aus London, Glasgow, Frankfurt und als Headcoach bei Rhein Fire. Das war 2006. Obwohl die Tomsulas nur ein Jahr beim „alten” Rhein Fire aktiv waren, pflegt die Familie bis heute enge Freundschaften in Düsseldorf, beispielsweise mit Isa Fiedler, der Besitzerin des Knotens – der Football-Kneipe in der Altstadt.

Dabei ist Jim stolz auf seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie aus der Nähe von Pittsburgh, er selbst arbeitete zu Beginn seiner Karriere teilweise bei bis zu drei Jobs nebeneinander, unter anderem als Hausmeister oder Holzfäller, um für seine Familie zu sorgen. Ein Motto von Headcoach Tomsula ist deswegen: “Football has been good to the Tomsula Family, it is time to give back”.

Dass Tomsula es versteht, ein Football-Team zu trainieren und zu coachen, bewies der 53-Jährige direkt zum Saisonauftakt der EFL. Da gelang den Düsseldorfern ein nicht ganz erwarteter Erfolg beim amtierenden Champion, Frankfurt Galaxy. Möglich, dass zum Überraschungssieg auch der hohe Wohlfühlfaktor, den die Spieler in Düsseldorf empfinden, beigetragen hat. „Wir haben so einige Spieler im Team, die zuletzt oder früher einmal für die Düsseldorf Panther gespielt haben. Sie kennen sich hier aus“, erläutert Rhein Fire CEO Martin Wagner. „Und auch die Europäer und Amerikaner haben sich gut akklimatisiert.“ Sie wohnen alle in einem Apartmenthaus, jeder hat ein gut 50 Quadratmeter großes Apartment und ein eigenes Auto. „Es gibt aber ein Problem“, meint Wagner schmunzelnd. „Es gibt kaum Parkplätze. Die US-Amerikaner haben schon mal etwas ungläubig geguckt, als ihre Wagen abgeschleppt waren.“ Damals waren die Kraftfahrzeuge aber noch nicht zu identifizieren. Inzwischen sind sie mit dem Rhein Fire-Logo gebrandet. „Daraufhin bekamen wir einmal von einem Abschleppunternehmen einen Anruf: Sie würden zehn Minuten warten, damit wir die Autos umsetzen können. Das war eine coole Aktion“, so Wagner.

Jetzt steht für die Mannschaft die zweite EFL-Partie (Sonntag 15 Uhr) an. Diesmal geht es zu den Leipzig Kings. Sie haben ihr Premierenspiel mit 27:34 gegen die Panthers Wroclaw (Polen) verloren. „Wir schätzen die Kings aber dennoch als stärker ein als Frankfurt. Sie haben drei bärenstarke Passempfänger mit NFL-Erfahrung und einen sehr guten Quarterback“, erklärt Wagner. „Sie werden ein Feuerwerk an Pässen präsentieren.“ Der Respekt vor der Offensive der „Könige“ ist deutlich größer als der vor der Leipziger Defensive. Also lautet die Fire-Devise, so lange wie möglich mit der eigenen Offensive auf dem Feld zu stehen, um die Leipziger Offensive nicht zum Spiel kommen zu lassen. „Wir werden versuchen, durch eine ausgewogene Mischung von Läufen und Pässen uns Yard um Yard zu holen“, verrät Wagner. „Wir arbeiten nach der Eichhörnchen-Methode.“