Düsseldorfs Profisport in der Krise

Düsseldorfs Profisport in der Krise

Großevents sind Geschichte, Basketballer und Handballer insolvent, Fortuna und DEG im Abwärtstrend.

Düsseldorf. „Der Sport prägt das Image von Düsseldorf“, titelte diese Zeitung noch 2011. Anlass war der respektable vierte Platz, den die „Sportstadt Düsseldorf“ beim International Sports-Events-Management Award hinter London, Melbourne und Dubai belegte.

Die Jury lobte besonders den Ski-Weltcup am Rheinufer, den Tennis-World-Team-Cup und das „Race of Champions“. Geblieben ist von all den sportlichen Großveranstaltungen so gut wie nichts. Stattdessen steckt der Profibereich der Sportstadt tief in der Krise.

Die Fortuna als Aushängeschild schwächelt immer besorgniserregender. Selbst nach dem Abstieg sind die Spiele zwar noch gut besucht, den mehr als 24 000 Dauerkarten sei dank. Spielerisch kommt die Mannschaft aber dermaßen schwach daher, dass ein erneuter Abstiegskampf inzwischen weitaus realistischer als jede zarte Aufstiegshoffnung ist.

Freilich sind die Nöte der Profi-Fußballer eine Lappalie im Vergleich zu denen der Eishockey-Kollegen: Die DEG, einst ruhmreicher Dauer-Meister und in der Stadt populärer als Fortuna, blickt Jahr für Jahr in den finanziellen Abgrund, in letzter Sekunde gelang mit Kraftakten gerade noch die Rettung.

Sportlich ist das Team aber immer weniger wettbewerbsfähig. Wie bereits im vergangenen Jahr steht die DEG ganz unten in der Tabelle. Etwas Hoffnung auf eine DEL-Zukunft macht die neue Gesellschafterstruktur mit den maßgeblichen Herren Hoberg und Ponomarev.

Wie schnell man komplett verschwinden kann, zeigen die Geschichten zweier anderer Vereine, die vor wenigen Jahren noch Erstligisten waren. Die Basketballer der Magics, Giants und Baskets sowie die Handballer der HSG. Vor allem das Kapitel Profi-Basketball gehört zu den schwärzesten der Düsseldorfer Sportgeschichte.

Bereits 2008 musste der damalige Zweitligist Magics Insolvenz anmelden, weil die städtischen und stadtnahen Sponsoren lieber zu den aus Leverkusen nach Düsseldorf verkauften Giants wechselten. Dann gingen auch diese pleite, bevor dieses Jahr auch die Baskets keine Lizenz mehr bekamen. Ähnlich lief es bei den Handballern. Auch die HSG meldete zunächst Insolvenz an, und gab dann nach der geplatzten Fusion mit Dormagen komplett auf.

Im Rathaus ist man alarmiert: „Die Situation im Profibereich macht uns große Sorgen“, sagt Monika Lehmhaus, Vorsitzende des Sportausschusses. Im Profisport gehe es in erster Linie um Geld, da sei weniger die Stadt als private Unternehmen gefragt: „Viele Firmen fragen nur: Können wir durch Sponsoring unsere Produkte besser vermarkten. Dabei geht es auch darum, den Standort des Unternehmens zu stärken, da spielt Spitzensport eine große Rolle.“

Für die Stadt betont Sportdezernent Burkhard Hintzsche, dass man vor allem exzellente Sportstätten bereitstelle, Kinder und Jugendliche fördere und so auch an den Spitzensport heranführe: „Wir haben 21 Leistungsstützpunkte in Düsseldorf. Aber über die Sportagentur fördern wir auch Spitzenvereine und Veranstaltungen seit Jahren direkt, der Etat wird 2014 auf 2,8 Millionen Euro angehoben“, sagt er.

So hat die Stadt immer wieder Sonderzuschüsse gewährt und/oder Mieten gestundet. Immer noch nicht sicher ist, ob im Mai 2014 wieder ein ATP-Turnier im Rochusclub steigt, nach dem Abschied von Power Horse hat sich kein Hauptsponsor gefunden. Laut Hintzsche hat die Stadt einen Zuschuss von rund 160 000 Euro für das Tennisturnier reserviert. Ob die für einen erneuten Event-Award reichen, ist fraglich.

Mehr von Westdeutsche Zeitung