Düsseldorf Schulmannschaft Typhoons: Mit Volldampf ins große Spiel

Football : Typhoons: Mit Volldampf ins große Spiel

Die U19-Footballer vom Fliedner-Gymnasium aus Kaiserswerth bestreiten am Samstag ihr erstes Play-off-Spiel in der höchsten deutschen Nachwuchsliga. Es ist der vorläufige Höhepunkt der jahrelangen Aufbauarbeit.

„Skywalker, Skywalker, hut, hut“ schallt es über den Sportplatz des Theodor-Fliedner-Gymnasiums in Kaiserswerth. Dann prallen die Offense und Defense Line in voller Schubkraft aufeinander. Jenes im ersten Moment für Außenstehende sonderbar klingenede Kommando leitet einen der zahlreichen Spielzüge ein, die die U 19-Footballer der Typhoons am Mittwochabend bei Temperaturen um 38 Grad dem Praxistest unterziehen. Für die einzige Schulmannschaft Deutschlands die American Football in der Vollkontakt-Variante in der höchsten Spielklasse (GFL Juniors) betreibt, ist es das Abschlusstraining vor dem Play-off-Viertelfinale bei den Wiesbaden Phantoms am Samstag (14 Uhr).

„Die Play-off-Teilnahme lässt sich mit Fug und Recht als unser bisher größter Erfolg seit der Gründung im Jahr 2005 einordnen“, sagt Andreas Paprotny. Der Teammanager ist der „Mann für alle Fälle“ bei den Typhoons. Seit 2006 ist er dabei, kümmert sich um Presseanfragen, die Homepage, hilft als Organisator und Ansprechpartner an Spiel- und Trainingstagen. „Als wir Anfang Mai das erste Derby der Saison gegen die U 19 der Panther mit 26:3 gewonnen haben, da habe ich gespürt, dass es eine besondere Saison werden kann“, blickt Paprotny zurück.

Er sollte Recht behalten. Doch nicht nur im Gespräch mit dem Teammanger, auch beim Trainerstab sowie den jungen Männern mit Helm und Schulterpads schwingt in diesen Tagen Stolz über das in diesem Jahr Geleistete mit. Weil der direkte Vergleich beider Düsseldorfer Teams trotz einer 16:37-Niederlage im Rückspiel an die Kaiserswerther ging und die Typhoons mit fünf Siegen und drei Niederlagen Rang zwei der West-Staffel verteidigten, gehören die Fliedner-Schüler erstmals in ihrer Geschichte zu den acht besten unter den insgesamt 21 Mannschaften der GFLJ — und mal nicht die Panther.

Seit 2013 haben die Typhoons auch eine U 16-Mannschaft

Rückblick: Vor 14 Jahren ruft der Englisch- und Sportleher Jens Ruffert am Theodor-Fliedner-Gymnasium eine American-Football-AG ins Leben. Im Gegensatz zu anderen Schulen wird am TFG nicht allein Flag-Football — die weitgehend körperlose Variante für die jüngeren Jahrgänge — angeboten. Die Schule erkennt den pädagogischen Nutzen der AG und führt diese bis heute fort. Über die ersten Gehversuche, die NRW-Aufbauliga sowie die Verbands- und Oberliga führt der Weg 2011 erstmals in die GFLJ. Nach dem schnellen Wiederabstieg dominieren die Typhoons drei Jahre in Folge die U 19-Regionalliga, verzichten aber zwei Mal auf den Aufstieg in die erste Liga. „Mit der 2013 an den Start gebrachten U 16 haben wir einen entsprechenden Unterbau für unsere U 19 geschaffen“, erklärt Paprotny. „Wir haben in den Regionalliga-Jahren einiges verändert, bis wir bereit für die GFLJ waren.“ Das war 2017 endgültig der Fall. Nach zwei vierten Plätzen gelang den Typhoons vor wenigen Wochen mit einem 12:6-Sieg über die Bonn Gamecocks ihr bislang größter Coup — die Play-off-Teilnahme. „Natürlich sind wir stolz auf diese Saison. Die Jungs haben jedes Recht dazu“, sagt Philipp Fritsche. Der 30-Jährige ist seit November 2017 Cheftrainer der Typhoons und schätzt die gegenüber einem Verein flacheren Strukturen: „Bei uns lassen sich bestimmte Dinge schneller erledigen als in manchen Vereinen.“ Dazu gehört unter anderem auch, Eltern mögliche Vorurteile gegenüber dem Football-Sport zu nehmen. Schließlich sind insbesondere Kopfverletzungen immer wieder ein Thema. „Wir sind diesbezüglich genauso sensibilisiert wie Vereine. Bei uns Coaches ist das immer ein Thema. Die Jungs sind auf das Spiel fokussiert.“

Leistungsträger Alexander Ehrensberger geht bald in die USA

Obwohl es immer wieder Fliedner-Schüler gibt, die Interesse am Football zeigen und sich der AG anschließen, stehen im Team aber auch Heranwachsende vom benachbarten St. Suitbertus-Gymnasium oder von Schulen aus anderen Stadtteilen. Als einzige Schulmannschaft auf diesem Niveau profitieren die Typhoons von einer Sonderregel, nach der maximal ein Viertel der Mannschaft durch „Externe“ besetzt werden darf. Schließlich haben die Kaiserswerther keinen mit „richtigen“ Football-Vereinen vergleichbaren Unterbau.

Einer dieser „Externen“ ist Alexander Ehrensberger. Der 19 Jahre alte Abwehrspieler, der als Defensive End auf der Außenposition der vordersten Verteidigungsreihe agiert, hat auf dem St. Ursula-Gymnasium sein Abitur abgelegt und trägt bereits seit U 16-Zeiten das Trikot der Typhoons. Im kommenden Januar verlässt Ehrensberger seine Heimat. In den USA hat er ein Vollstipendium für die renommierte Universität von Notre Dame in Indiana erhalten. Aber jetzt geht es erst mal um die Play-offs: „Wiesbaden ist kein Gegner, den du mal eben so bezwingen kannst. Aber wir sind mit Sicherheit nicht ohne Chancen. Ich erwarte ein offenes Spiel“, sagt der zwei Meter große Ehrensberger.

Dieser Einschätzung schließt sich Cheftrainer Fritsche an: „Die Phantoms sind schwierig einzuschätzen. Aber wirfahren zuversichtlich nach Wiesbaden.“ Zum größten Spiel der Schulgeschichte.