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DSD-Jugendhockey: Düsseldorfer Erfolgstrainer Holger Muth im Interview

Goldene DSD-Generation : „Das ist schon eine extrem gute Truppe“

Der DSD hat im Jugendhockey eine goldene Generation. Ein Interview mit Trainer Holger Muth, der schon von der Bundesliga träumt.

Mit Karneval wird das dieses Jahr nicht viel für die B-Jugend des DSD. Die U 16 aus Grafenberg hat sich für die Endrunde um die Deutsche Hallenhockey-Meisterschaft am Wochenende in Lübeck qualifiziert. Damit setzt sie ihre Erfolgsserie fort: Bereits in den vergangenen Jahren gewann der „goldene Jahrgang“ von der Altenbergstraße draußen wie in der Halle den Meistertitel. Warum die erneute Teilnahme dennoch eine Überraschung ist, warum ein recht kleiner Verein wie der DSD so eine Mannschaft hat und wo es noch hingehen soll, verrät Trainer Holger Muth im Interview.

Herr Muth, nach zwei Deutschen Meisterschaften steht Ihre Mannschaft schon wieder in der Endrunde. Ist das überhaupt noch eine Überraschung?

Holger Muth: Ja, die Mannschaft ist aus der Reihe dabei. Als sie Deutscher Meister wurde, gehörte sie zum älteren Jahrgang, jetzt in der nächsten Altersklasse ist sie der jüngere Jahrgang. Das ist schon außergewöhnlich, normalerweise schafft man das nicht. Vor allem, weil in der Halle nur Fünf-gegen-Fünf gespielt wird und bei allen Gegnern die besten fünf Spieler des älteren Jahrgangs auf dem Parkett stehen. Das ist in dem Alter körperlich kaum zu schaffen.

Wie erklären Sie sich den Erfolg? Ist Ihre Mannschaft voller Übertalente?

Muth: Das ist schon eine extrem ballsichere und gute Truppe, die gerade in der Offensive auch gegen die Älteren spielerische Vorteile hat. Von der Struktur und vom Spielaufbau ist das offensiv herausstechend, aber körperlich sind wir in gewissen Spielen deutlich unterlegen, deswegen fahren wir jetzt nur mit purer Freude nach Lübeck, dass wir überhaupt dabei sind. Das ist ein Lernprozess für nächstes Jahr.

Wie schafft das der DSD, der nicht mal in seiner eigenen Stadt die Nummer eins im Hockey ist?

Muth: Da gehört ein struktureller Plan zu. Ich habe vor zehn Jahren mit den Jungs angefangen. Da hatte ich es zum Glück schon zwei Mal hinter mir, einen Jahrgang komplett von unten nach oben als Trainer zu begleiten. Aus den Erfahrungen habe ich gelernt.

Was konkret?

Muth: Zum Beispiel, die Eltern mit ins Boot zu nehmen, von früh auf mit Koordination und Athletik zu beginnen, viel Wert auf den spielerischen Bereich zu legen und darauf zu achten, dass die Gesamtausbildung etwas breiter ist.

Wie ist das alles für einen kleinen Verein zu finanzieren?

Muth: Im kleineren Bereich habe ich das alles noch selber gemacht. Seit zwei, drei Jahren habe ich einen einen Co- und einen Athletiktrainer dabei. Das ist im Jugendbereich noch alles finanziell darstellbar. Man muss aber auch die richtigen Leute dabei haben und die Bereitschaft zeigen, ein bisschen mehr zu machen als andere. Auch bei Unwetter draußen ein Athletiktraining machen oder bei minus drei Grad laufen. Und das mit Jungs im Alter zwischen acht und zehn. Von nichts kommt nichts. Viel Fleiß, viel Arbeit. Hinzu kommt, dass das eine talentiertere Truppe ist als normal. Ich sage immer: Sie können aus einer untalentierten Mannschaft eine ordentliche Mannschaft machen, und als guter Trainer aus einer ordentlichen Mannschaft eine gute. Aber um eine Topmannschaft zu haben, braucht man auch die nötigen Talente.

Und die fanden sich zufällig alle in einem DSD-Jahrgang?

Muth: Ganz zufällig ist das nicht. Mein Sohn spielt ja in der Mannschaft, und ich habe früh gemerkt, dass er extrem balltalentiert ist. Dann habe ich gesagt: Okay, ich übernehme noch mal eine Mannschaft, aber wenn, dann richtig, dann mit dem Ziel, vielleicht auch mal um eine Meisterschaft mitzuspielen. Dann habe ich im Freundeskreis Leute angesprochen oder, während ich im Zoopark mit meinem Sohn Ball gespielt habe, auf andere Kinder geachtet, die talentiert in Bewegungsabläufen waren und habe die Eltern angesprochen. Da habe ich drei Jungs gefunden, die spielen jetzt zusammen, seit sie vier oder fünf Jahre alt sind. In den letzten zwei, drei Jahren ist pro Jahr noch einer von außen hinzugekommen. Die haben wir aber nicht abgeworben. Erfolg macht ja auch sexy, und dann kommen, wenn das Gesamtpaket stimmt, selbst zu unserem kleinen Verein gute Jungs.

Haben Sie vielleicht Angst, dass das in höheren Jahrgängen andersrum läuft? Dass große Klubs sich Ihre Spieler schnappen?

Muth: Überhaupt nicht. Die Truppe versteht sich sehr gut und hat weiter hohe Ziele. Das wird mit Schule und Auswahlmannschaften sicher schwieriger, richtig spannend wird es erst in zwei, drei Jahren, wenn die Jungs in den Erwachsenenbereich wechseln. Aber wenn wir mit unseren ersten Herren die zweite Bundesliga halten, habe ich auch eine Chance, die Jungs im Verein zu halten. Und dann bin ich mal gespannt, was die „Sportstadt Düsseldorf“ macht.

Es geht um Geld?

Muth: Die Frage ist, ob die Sportstadt dabei helfen will, dass die Talente in Düsseldorf bleiben oder wir das alles privat stemmen müssen. Dann muss man realistisch bleiben. Da sind drei, vier Jungs bei, die haben Nationalmannschaftspotenzial. Schon wenn die in der Jugendnationalmannschaft spielen, sind die für jeden Bundesligisten interessant, dann kommen schon Lockangebote.

Es könnte ja der Ruf kommen, dass zwei Düsseldorfer Bundesliga-Mannschaften zu viel sind und sie und der DHC etwas zusammen machen sollen.

Muth: Das könnte passieren. Die Sportstadt unterstützt aber vor allem die Damen vom DHC, auch der Verein legt seinen Fokus auf die Damen. Deswegen sehe ich die Chance, dass wir bei den Herren in die Bresche springen können.

Wie weit kann es gehen?

Muth: Wir haben mit unseren Herren die Absicht, uns jetzt erst mal in der zweiten Bundesliga zu konsolidieren und uns nach zwei, drei Jahren nach oben zu orientieren. Wenn die Jungs bei uns bleiben und wir noch ein paar Talente von außen bekommen — was durchaus passieren kann, weil unser Trainer Tobias Bergmann und ich in der Hockeyszene gut vernetzt sind —, kann ich mir gut vorstellen, dass es auch mal mit uns in die erste Bundesliga geht. Das ist weniger abwegig, als dass man mit dem DSD Deutscher Meister in der Jugend wird.