Tour de France in Düsseldorf Die SMS vom Teamchef: „Jetzt hast Du ein Ziel“

Der Düsseldorfer Radprofi Ruben Zepuntke ist begeistert vom Tourstart 2017 in Düsseldorf. Er will dabei sein, seine Chancen stehen gut.

Der Düsseldorf Ruben Zepuntke freut sich über den Tour de France-Start in Düsseldorf.

Der Düsseldorf Ruben Zepuntke freut sich über den Tour de France-Start in Düsseldorf.

Foto: Wolfgang Radau

Düsseldorf. Ruben Zepuntke ist mal wieder in Düsseldorf. Der 23 Jahre alte Radprofi aus Düsseldorf macht Weihnachtsurlaub bei den Eltern, bevor es im Januar nach Australien auf die Tour Down Under geht. Die Nachricht vom Tourstart 2017 in Düsseldorf hat den Sohn von Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke begeistert.

Herr Zepuntke, die Tour de France startet 2017 in Düsseldorf. Die ersten Gedanken?

Ruben Zepuntke: Wahnsinn, das ist sehr emotional. Das wird nur einmal im Leben passieren, dass man die Chance hat, beim größten Radsportereignis der Welt in seiner Heimatstadt starten zu dürfen — voraussichtlich. Ich bin die Strecke in Düsseldorf schon mal abgefahren. Und meine ehemalige Schuldirektorin Alexandra Haußmann von der Hulda-Pankok-Gesamtschule hat heute Morgen angerufen und gesagt, die ganze Schule würde 2017 an der Strecke stehen.

Sind Sie 2017 denn dabei?

Zepuntke: Das ist das große Ziel. Ich hatte 2015 mein erstes Profijahr und habe mich gut gezeigt. Es kann auch sein, dass ich schon 2016 die Chance bekomme, bei der Tour zu starten, aber es wird wohl auf 2017 hinauslaufen.

Das Team wird auf einen Düsseldorfer in Düsseldorf doch kaum verzichten.

Zepuntke: Man muss sich schon zeigen. Niemand nimmt dich nur für die Publicity mit.

Welche Rolle spielen Sie derzeit im amerikanischen Cannondale-Garmin Pro Cycling-Team, für das Sie seit diesem Jahr fahren?

Zepuntke: In meinem ersten Jahr war ich schon eine Art Edelhelfer, war bei vielen Rennen der letzte Mann, der dem Kapitän den letzten Schubser gibt. Eine wichtige Rolle, und ich bin erst 22. Teamchef Andreas Klier ist mein Mentor, sie haben dort viel Vertrauen in mich. Ich bin auch schon Paris-Roubaix und die Runde von Flandern gefahren, große Eintagesrennen. Wenn ich meinen Rennkalender für 2016 sehe, dann merke ich, dass sie viel mit mir vorhaben.

Wie lange läuft der Vertrag?

Zepunktke: Der läuft im juli 2016 aus. Umso wichtiger ist es, 2016 ein sehr gutes Jahr zu haben und Verlängerung zu bekommen. Ich würde gerne bleiben und ungern im Winter wechseln. Ich fühle mich dort superwohl, es ist das jüngste Team mit einem Durchschnittsalter von 26. Heute Morgen hat mir unser Manager Jonathan Vaughters eine SMS geschrieben: Jetzt hast du ein Ziel, auf das du hinarbeiten kannst. Daran kann man viel ablesen.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Akzeptanz des Radsports in Deutschland?

Zepuntke: Es wird besser, mit Giant-Alpecin haben wir wieder ein deutsches Team, der Jedermann-Radsport boomt. Das Dopingproblem gibt es natürlich weiterhin. Ich habe es jetzt selbst in meinem Team mitbekommen, dass einer positiv getestet wurde: Tom Danielson, ein 37 Jahre alter US-Amerikaner (Testosteron, Anm. d. Red.). Er hat die B-Probe gar nicht mehr öffnen lassen, das war ein Eingeständnis seiner Schuld. Ich hatte eigentlich kaum etwas mit ihm zu tun, aber sofort steckt man selbst im Sumpf.

Verstehen Sie die Skepsis vieler Zuschauer?

Zepuntke: Wir haben im Radsport mit dem Anti-Doping-System inzwischen das beste der Welt. Stündlich weiß man, wo ich bin, ich bin immer kontrollierbar. Ich hatte richtig viel Vertrauen in unser Team, bis zum „Fall Danielson“ waren wir das einzige Team, in dem nie etwas gewesen ist. Für alle meine jungen Kameraden würde ich auch die Hand ins Feuer legen, die haben viele Enttäuschungen mit ihren Vorbildern erlebt. Aber ich bin jetzt auch noch einmal kritischer geworden, da kann ich die Skepsis der Leute schon verstehen. Ich hoffe, dass wir diese Leute 2017 eines Besseren belehren können.

Und wenn man dann gewinnt, ist sofort die Skepsis da.

Zepuntke: Meine Freunde müssen sich verteidigen, wenn sie mit anderen über mich sprechen. Das ist schon sehr, sehr traurig, wenn man das ertragen muss. Aber ich sehe das kalt, ich mache mein Ding.