DEG-Verteidiger entwickeln sich zur bedrohten Art

DEG-Verteidiger entwickeln sich zur bedrohten Art

Vier der sieben Stammspieler fallen verletzt aus. Heute gegen Straubing kommt es um so mehr auf Zugang Kevin Marshall an.

Die Länderspielpause in der Deutschen Eishockey Liga scheint der Düsseldorfer EG gut getan zu haben. Weil die Spieler sich mal ein paar Tage nicht gesehen haben, hätten sie sich danach in der Kabine wieder etwas zu erzählen gehabt, hat Trainer Mike Pellegrims vergangene Woche gesagt. Das klang ein wenig nach den Szenen einer langen Ehe. Aber wer, wie die DEG-Profis selbst im Sommer kaum frei hatte und ständig von denselben Leuten umgeben ist, der kann in Zeiten des Misserfolgs ja wirklich mal einen Lagerkoller bekommen.

Auch im gerne hektischen Umfeld des alten Club von der Brehmstraße ist die Laune nach der kleinen Pause wieder deutlich besser. Zwei Siege an einem Wochenende machen es möglich. Und die Aussicht, heute zu Hause gegen Schlusslicht Straubing (19.30 Uhr/WZ-Liveticker) den nächsten einzufahren, tut ihr Übriges.

Von Sorgenfreiheit ist aber auch nach der Rückkehr auf Platz zehn keine Spur. Denn die DEG-Verteidiger entwickeln sich immer mehr zur bedrohten Art. Am Wochenende gab es erneut zwei Verluste: Bernhard Ebner humpelte schon vor dem ersten Bully am Freitag gegen Iserlohn (6:1) vom Eis, Marco Nowak krachte am Sonntag in Ingolstadt (3:1) in die Bande. Mit den Langzeitverletzten Tim Conboy und Alexandre Picard fehlen nun vier der sieben Stamm-Verteidiger. Nur Ebner darf hoffen, dass er heute spielt.

Umso glücklicher kann sich die DEG schätzen, dass sie vergangene Woche Kevin Marshall verpflichtet hat. Der war als Absicherung gedacht, weil Johannes Huß und Nicklas Mannes über den Jahreswechsel wochenlang bei der U 20-Nationalmannschaft gefragt sind. Nun kommt dem NHL-erfahrenen Kanadier, der zuletzt in Schweden spielte, gleich zu Beginn seiner DEG-Zeit eine gewichtige Rolle zu.

Ein Problem scheint der 28-Jährige damit nicht zu haben. Denn eine lange Eingewöhnungsphase brauche er nicht: „Ich freue mich über den Spielstil hier in Deutschland, der passt zu meinem“, sagt Marshall. Das Treffen von Entscheidungen sei dem in Nordamerika ähnlich, den vielen kanadischen Trainern und Spielern in der DEL sei Dank. Während in Schweden mehr gepasst und viel Wert auf Puckbesitz gelegt werde, gehe es in der DEL mehr um Raumgewinn. Tief statt quer, gradlinig statt verschnörkelt.

Natürlich gebe es auch Unterschiede zum Spiel in Nordamerika. „Der Center steht auf dem großen Eis in Europa eher frei, man kann mehr durch die Mitte spielen“, sagt Marshall, der den ersten Pass aus der eigenen Zone auf die Stürmer als eine seiner Stärken beschreibt. Ein Offensivverteidiger ist er dennoch nicht. Das zeigen seine Werte. In seinen neun Profi-Jahren machte er erst ein Malmehr als zwei Saisontore, erst zwei Mal scorte er zweistellig. Marshall schalte sich eben nur nach vorne ein, wenn es sich lohnt, sagt er und nennt sich einen „verantwortungsvollen Verteidiger“. Was auf der breiteren Eisfläche in Europa noch wichtiger sei, da man leichter aus der Position fallen könnte.

Das ist ihm in seinen ersten Spielen mit der DEG noch nicht passiert. Und auch heute gegen Straubing soll es nicht so weit kommen. Jetzt wo die Stimmung im und ums Team gerade so viel besser geworden ist.

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