Boxer Timo Rost: Heiraten war die größte Herausforderung​

Interview Boxen : „Heiraten war die größte Herausforderung“

Gerresheim Der Düsseldorfer Profiboxer Timo Rost spricht im Interview über ein außergewöhnliches Jahr 2019 — mit Titelkampf, Heimspiel und Hochzeit.

Vier Kämpfe, drei Siege, ein Unentschieden. Der Düsseldorfer Boxer Timo Rost hat das Jahr 2019 sportlich ungeschlagen beendet und sich im Mai den Internationalen Titel des Weltverbandes World Boxing Federation (WBF) gesichert. Ziemlich zufrieden kann der 28 Jahre alte Supermittelgewichtler deshalb auf das Jahr schauen. Im Gespräch erzählt er uns außerdem, was er sich für 2020 vorgenommen hat.

Herr Rost, wie blicken Sie auf das Jahr zurück?

Timo Rost: Es war sehr viel, was in diesem Jahr passiert ist. Ich habe viele Kämpfe gemacht, musste mein erstes Unentschieden in Belgien einstecken. Es waren einige knappe Kämpfe dabei und vor allem Kämpfe bei denen ich sehr viel lernen konnte. Wir haben gute Schritte gemacht, auch in der Rangliste. Mit nur zehn Profikämpfen stehe ich ich relativ weit oben. Deshalb finde ich, dass wir einen guten Job gemacht haben. Auch die Unterstützung aus Düsseldorf war großartig. Beim Titelkampf im Mai in Wuppertal waren 500 Düsseldorfer am Start, der Kampf im Classic Remise war ausverkauft. Das war super.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer sportlichen Entwicklung?

Rost: Es ist ja so in einer Trainer-Boxer-Beziehung, dass Außenstehende eventuell nicht immer die Fortschritte sehen, die wir im Team sehen. Vor allem in knappen Kämpfen. Ich arbeite mit dem Trainer immer an bestimmten Zielen und Aufgaben. Was wir derzeit machen, ist ja noch absoluter Aufbau, der Trainer will mich bereit machen für größere Kämpfe. Das ist ein Prozess — und der dauert. Aber ich bin mit der Entwicklung zufrieden.

Was war der beste, schönste Kampf für Sie?

Rost: Da sind mein Trainer und ich höchstwahrscheinlich unterschiedlicher Meinung: Für mich war der schönste Kampf der Titelkampf im Mai, den ich vorzeitig beenden konnte. Das war zwar ein knappes Ding, aber auch so war es ein entspannter Sieg. Anders etwa als der Kampf im Classic Remise, der sehr knapp war, auch für die Zuschauer, und erst nach Punkten entschieden wurde. Mein Trainer würde wahrscheinlich sagen, der letzte Kampf dieses Jahr war der beste und der Titelkampf war der schlechteste, weil ich da am wenigsten für meine sportliche Entwicklung getan habe. Aber so ist das eben (lacht).

Das Heimspiel im Classic Remise, welche Erinnerungen haben Sie daran?

Rost: Das war großartig, was will man mehr? Als Düsseldorfer in Düsseldorf zu kämpfen — was gibt es Besseres? Deshalb freue ich mich, dass für das nächste Jahr eine Wiederholung geplant ist. Mal schauen, was sonst noch kommt. Ein Traum wäre es zum Beispiel, auch einmal im Castello zu boxen.

Auch privat war es ein aufregendes Jahr: Sie haben geheiratet…

Rost: Das war vielleicht die größte Herausforderung für mich. Das hätte ich eigentlich nie gedacht. Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, ob ich jemals heirate, hätte ich das verneint. Aber jetzt bin ich sehr glücklich. Obwohl ich jetzt in Remscheid lebe, das tut mir natürlich schon ein bisschen weh.

Warum?

Rost: Ich bin Düsseldorfer durch und durch. In unserem Garten steht ein acht Meter hoher Fahnenmast, und da weht eine Fortuna-Flagge. Ich komme fast täglich nach Düsseldorf und habe mich drei Jahre gewehrt, mein Auto-Kennzeichen zu ändern und bin mit Düsseldorfer Nummernschild gefahren. Dafür musste ich sogar Strafe zahlen. Auf meinem Motorrad ist das auch immer noch. Ich bin vom Herzen Düsseldorfer und das wissen hier auch alle. Aber es ist ganz schön hier, und die Remscheider sind auch alle nett. (lacht) Spätestens, wenn sie erfahren, dass ich Boxer bin…

Wie sieht im Moment das Training aus?

Rost: Es gibt das ganze Jahr über keine komplette Trainingspause. Allerdings wird das Training im Winter etwas zurückgefahren. Einmal im Jahr braucht der Körper Zeit, um runterzufahren. Ich hatte außerdem ein paar kleinere Schulterprobleme und arbeite gerade daran und mache Krafttraining. Nächste oder übernächste Woche geht es dann wieder in die Aufbauphase.

Das heißt, Weihnachten Sind sie schon voll im Training und verzichten auf den Braten?

Rost: Weihnachten werde ich es sicher nicht übertreiben. Alkohol gibt gar nicht, vielleicht mal ein Alt oder einen Glühwein. Und was den Weihnachtsbraten angeht: Ich esse in der Vorbereitung kein Fleisch, ich mag das auch nicht mehr so sehr wie früher. Ich werde nicht stoisch fasten, aber darauf achten, dass ich gesund esse.

Was haben Sie für 2020 geplant?

Rost: Der nächste Kampf wird im Februar oder im März stattfinden, insgesamt sind vier Kämpfe geplant, Details stehen noch nicht fest. Wir werden mit einem Promoter sprechen, vielleicht kämpfe ich da bei einer größeren Veranstaltung. Da kommt es auf die Gespräche in den nächsten Wochen an.

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