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Boxen: Vom Ring ins Krankenhaus

Boxen: Vom Ring ins Krankenhaus

Philipp Messinger hat sein Medizin-Studium absolviert und möchte Ringarzt werden.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Philipp Messinger posiert mit Boxhandschuhen, Arztkittel und Stetoskop im Flur der Abteilung für Innere Medizin der Uni-Kliniken. Die meisten Kollegen wundern sich über den Foto-Termin, doch ein Bekannter fällt ihm erst einmal um den Hals und beglückwünscht den 29-Jährigen. Schließlich hat der erst kürzlich sein Medizin-Studium erfolgreich abgeschlossen. Nun bastelt er an seiner Doktorarbeit im Fachbereich Psychiatrie, der ihn besonders fasziniert. Mindestens ebenso faszinierend findet Messinger aber auch den Boxsport, den er seit mittlerweile zehn Jahren betreibt. Doch wie passt das zusammen, Medizin-Studium und Boxen? Es passt hervorragend, auch wenn der Linksausleger unter seinen Mit-Studenten neben Respekt auch Unverständnis und Ablehnung geerntet hat. "Es gibt leider immer noch das Klischee, dass Boxen ein Sport für Dumme sei. Dass man beim Boxen und im Studium bestehen kann, konnten viele nicht in Einklang bringen", so Messinger, der als frischgebackener Arzt solche Pauschalurteile ablehnt: "Es gibt in jedem Sport und Beruf dumme und kluge Menschen - beim Boxen wie bei den Ärzten."

Zu klein für Handball, aber im Boxring ein Großer

Der Kampf Mann gegen Mann war allerdings nicht die erste sportliche Leidenschaft von Philipp Messinger. Als er mit 19 Jahren mit dem Boxen begann, hatte er schon 15 Jahre Handball hinter sich. Bei Vorwärts Hösel spielte er in der Junioren-Oberliga. Doch dann kam eine bittere Erkenntnis: "Ich war zwar immer schon ein Kämpfertyp, aber mit 1,70 Metern einfach zu klein. Darunter habe ich damals sehr gelitten". In der Boxabteilung des TuS Gerresheim fand er eine neue sportliche Heimat. Schon nach vier Monaten Training war er bereit für den ersten Kampf. "Ich habe vom Handballspielen profitiert, denn Technik und Reaktionsschnelligkeit sind beim Schlagen und Werfen ähnlich."

Trainer Stefan Freudenreich und der damalige Vorsitzende Kurt Burchardt wurden seine Wegbegleiter. Gerade zu dem heute 81-jährigen Ehrenvorsitzenden des TuS Gerresheim (Burchardt) hat der Halb-Mittelgewichtler ein besonderes Verhältnis: "Er ist Freund und Respektsperson für mich. Er ist immer für einen da, davor ziehe ich den Hut." Als die aktive Zeit von Burchart und Freudenreich in Gerresheim zu Ende ging, schloss auch Messinger sich dem Sportwerk Düsseldorf an.

Mit dem Medizin-Studium in der Tasche weiß er aber auch, was zu tun ist, wenn es mal zu doll geknallt hat. Deswegen möchte er gerne vereinen, was viele Kollegen im Studium für unvereinbar hielten: Boxen und Medizin. "Ich würde gerne neben dem Beruf als Arzt auch als Ringarzt fungieren."

Alter: 29 Jahre

Grösse: 1,70 m

Gewichtsklasse: Halb-Mittelgewicht

Stationen als Handballer: HSG Turu, DJK TuS Vorwärts Hösel

Stationen als Boxer: 1997-2003 TuS Gerresheim, seit 2003 Sportwerk Düsseldorf

Kampfbilanz: 20 Kämpfe; 15 Siege, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen

Erfolge: Bester Techniker bei den Niederrheinmeisterschaften 2000 Beruf: Doktorand der Medizin (Fachrichtung Psychiatrie)