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Borussia-Manager Andreas Preuß: „Wir alle sind jetzt gefordert“

Borussia-Manager Andreas Preuß: „Wir alle sind jetzt gefordert“

Für Borussias Manager Andreas Preuß war der Pokalsieg in dieser Saison zu wenig.

Düsseldorf. Borussia Düsseldorf holte in der vergangenen Saison zwar einen Titel — doch der Deutsche Tischtennis-Pokal war nur ein Trostpflaster angesichts der verpassten Chancen in Meisterschaft und Champions League. Vor der kommenden Spielzeit schlägt Manager Andreas Preuß klare Töne gegenüber den Tischtennisprofis um Spitzenspieler Timo Boll an. Im ersten Teil unseres WZ-Sommer-Interviews nimmt er die Stars in die Pflicht, fordert ein klares Umdenken.

Herr Preuß, wie schwer war die vergangene, nicht so erfolgreiche Saison zu verdauen?

Andreas Preuß: Natürlich haben wir höchste Ansprüche in Düsseldorf, hier geht es um das Gewinnen der höchsten Titel. Wenn man alles betrachtet und an die schwere Verletzung von Christian Süß denkt, die uns jetzt im dritten Jahr in Folge belastet, darf man nur bedingt enttäuscht sein. Aber entscheidend ist, dass wir jetzt die richtigen Lehren aus dieser Enttäuschung ziehen und wieder angreifen.

Welche Lehren sind das?

Preuß: Wir hatten unsere Chancen in den entscheidenden Momenten. Genau diese müssen wir dann trotz allem nutzen und besser spielen. Es geht auch um eine Haltung der Spieler, vielleicht haben sie sich alle hier zu sehr eingerichtet und sind nicht mehr hungrig genug. Da sind jetzt Trainer, Manager und Spieler gleichermaßen gefordert.

Nach der Süß-Verletzung wurde im Frühjahr noch Kamal Achanta verpflichtet. Das wirkte fast wie Aktionismus. War es das auch?

Preuß: Als wir damit konfrontiert wurden, dass Christian länger ausfällt, mussten wir mit einer bezahlbaren Lösung reagieren. Das war außerdem eine strategische Entscheidung. Unserer Mannschaft fehlte in der Außendarstellung Pep und Power. Kamal ist ein Kämpfer mit Charisma und Erfahrung. Außerdem kennen wir ihn gut, weil er seit anderthalb Jahren bei uns im Tischtenniszentrum trainiert.

Also haben Sie ihn abends nach dem Training mal angesprochen, ob er Lust und Zeit hat?

Preuß: Wir hatten uns schon frühzeitig mit ihm darüber unterhalten, weil uns seine Art und Ausstrahlung gefällt. Er würde fast sein Leben dafür geben, eine gute Leistung zu bringen. Das Borussia-Trikot zu tragen, sieht er als ganz große Ehre zum Ende seiner Karriere an.

Wenn Christian Süß wieder gesund ist, stehen fünf Profis unter Vertrag, aber nur drei dürfen spielen. Wie wollen Sie das lösen?

Preuß: In einer Konstellation mit Timo Boll im Sommer in China, der ohnehin nicht alle Spiele macht, können wir alle fünf gebrauchen. Denn dazu müssen wir mit Krankheiten und Verletzungen rechnen. Also wollten wir verhindern, dass unser Trainer Danny Heister zehn Spiele machen muss. Das passt nicht zu unserem Klub.

Warum hat sich hinter einem starken Borussia-Trio nie wirklich einer empfehlen und in so einem Fall die Bresche springen können?

Preuß: Vielleicht wurde der Vierer einfach erdrückt von den Erwartungen. Meistens kamen die Spieler mit der Maßgabe, möglichst länger als ein Jahr zu bleiben. Aber das hat bei niemandem wirklich geklappt. Was natürlich mit dem klaren Leistungsunterschied zu tun hatte. Es ist einfach schwer bis unmöglich, an denen vorbeizukommen. Unser Ziel war und ist es trotzdem immer, jemanden heranzuführen.