Meinung : Timo Boll ist Vorbild für alle

Man ist ja geneigt, diesen Auswurf der Tischtennis-Weltrangliste vorschnell als das totale Chaos auf der verzweifelten Suche des Analysten nach einer fein geordneten Ranglisten-Welt zu verurteilen. Denn das neue Prinzip des Weltverbands ist oft nur noch obskure Momentaufnahme: Gegen wen man im direkten Duell gewinnt oder verliert, ist gar nicht mehr bedeutend.

Wichtig ist die Einstufung der Veranstaltung: Erfolge bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bringen deshalb die meisten Punkte. Und: Die besten acht Ergebnisse jedes Akteurs gehen in die Weltranglistenwertung ein. Wer also gar nicht acht Turniere von Belang wegen Verletzung oder anderer Gründe spielt, ist bereits abgeschlagen und benachteiligt. Letzter Punkt: Die Resultate bleiben nur noch ein Jahr lang in der Wertung.

Timo Boll hat dieses System, das die Spitzenspieler dazu zwingen soll, den Tischtennis-Markt mit steter Anwesenheit anzutreiben, kritisiert. Jetzt profitiert er davon. Und man ist geneigt zu sagen: es profitiert der Richtige. Boll erlebt seinen dritten Frühling, er ist ein bewundernswert fairer Sportsmann, ein feiner Charakter und ein großartiger Spieler. Und mindestens in diesem Sinne der Beste der Welt.

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