Interview mit Tischtennisstar: Timo Boll will zu Olympia 2020 in Tokio

Düsseldorfs Sportler des Jahres : Sechs Fragen an Timo Boll

Der Tischtennisstar der Borussia ist zum achten Mal Düsseldorfs Sportler des Jahres geworden. Nach der Ehrung sprach er über die Auszeichnung, wie er sich noch motiviert und was die Borussia so erfolgreich macht.

2018 hat es Timo Boll noch mal allen gezeigt: Im März war er der älteste Weltranglistenerste der Tischtennis-Geschichte, er wurde Deutscher und Europameister, ehe er im Oktober beim World Cup auch noch ins Finale kam. Zudem gewann der 37-Jährige mit Borussia Düsseldorf das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Deswegen wurde er nun zum achten Mal zu Düsseldorfs Sportler des Jahres gewählt.

Herr Boll, ist die achte Auszeichnung als Sportler des Jahres noch etwas Besonderes für Sie?

Timo Boll: Die Zeit verfliegt irgendwie so schnell. Und man kann es selbst nicht begreifen, dass man jedes Jahr so erfolgreich war, um die Wahl so häufig zu gewinnen. Gerade in dem Alter ist es schön, noch auf dem Level mithalten zu können. Das sehe ich nicht mehr als selbstverständlich an. Ich habe auch gar keine großen Erwartungen mehr an mich, dann ist es umso schöner.

Was motiviert Sie überhaupt noch?

Boll: Die Motivation kommt von alleine, weil der Sport so viel Spaß macht. Ich habe eher Angst davor, irgendwann aufhören zu müssen. Den Moment versuche ich noch wegzuschieben. Bislang ist es mir gut gelungen, ich habe noch Spaß dran. Aber manchmal habe ich im Training Schmerzen und denke mir: Hoffentlich geht das noch gut, hoffentlich lässt es auch wieder nach. Bislang hat mich mein Körper nicht im Stich gelassen.

Ist Olympia 2020 in Tokio also noch ein Thema?

Boll: Auf jeden Fall. Wir haben diesen Sommer die ersten Qualifikationsmöglichkeiten, da möchte ich dran teilnehmen. Das könnten dann meine letzten Spiele sein. (lacht) Aber 2032 in Düsseldorf wäre ja auch ein schöner Moment, um aufzuhören.

Sie sind ja kein gebürtiger Düsseldorfer und in der ganzen Welt unterwegs: Fühlen Sie sich trotzdem heimisch in Düsseldorf?

Boll: Ja, ich bin jetzt zwölf Jahre hier und lebe hier die meiste Zeit des Jahres. Meine Heimat wird immer der Odenwald bleiben, aber Düsseldorf ist meine zweite Heimat, ich habe auch unheimliche viele Freunde hier. Deswegen bin ich stolz, die Wahl hier zu gewinnen, sie ist ja auch eine Onlinewahl, es ist schön, dass die Leute meine Leistungen mitbekommen haben.

Sie betreiben einen Individualsport, gehören aber trotzdem zu einer Mannschaft. Gibt es da ein richtiges Teamgefühl oder ist letztlich doch jeder für sich?

Boll: Es ist ein schöner Mix. Wenn man bei einem Individualwettbewerb gewinnt, ist es schön, aber wenn man verliert, kann man das mit sich selbst ausmachen – und nur mit sich selbst. Aber bei allem Erfolg im Einzel sind die Mannschaftserfolge immer am schönsten und vor allem auch am emotionalsten. Deshalb sind die vom Kopf her auch am wertvollsten.

Was macht die Borussia über die Jahre so erfolgreich? Liegt es nur daran, dass sie die besten Spieler verpflichtet?

Boll: Man muss den richtigen Riecher haben, die Borussia und gerade Manager Andreas Preuß stellt immer eine Mannschaft zusammen, die auch menschlich passt. Es ist nie einer dabei, der Individualist ist, der den Teamgedanken nicht hat. Es macht immer Spaß, für die Borussia zu spielen, über all die Jahre waren das immer tolle Teams mit tollen Persönlichkeiten. Das macht es aus.

(bes)
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