Das Wunder vom Staufenplatz

Borussia siegt im Rückspiel mit 3:0 gegen Saarbrücken und zieht dank des besseren Satzverhältnisses doch noch ins Finale ein.

Düsseldorf. Borussia Düsseldorf hat das kleine Tischtennis-Wunder vollbracht und steht im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Angesichts der 0:3-Hinspielniederlage in Saarbrücken vor einer Woche hatten nur noch wenige auf einen Finaleinzug des Rekordmeisters in der Bundesliga gesetzt. Doch dem Team von Trainer Danny Heister gelang gestern das scheinbar Unmögliche. Mit 3:0 wurden die Saarländer im Halbfinal-Rückspiel aus der Halle gespielt — und dank des besseren Satzverhältnisses zogen Timo Boll und Co. ins Finale ein. Dort treffen die Düsseldorfer am 24. Mai in Frankfurt auf den TTC Fulda-Maberzell.

„Das ist der absolute Wahnsinn. Wir haben die ganze Woche darauf hingearbeitet, wir wollten unsere Chance nutzen. Die ganze Mannschaft hat daran geglaubt, dass wir es schaffen können. Und nur so, mit diesem Spirit, mit diesem Zusammenhalt und mit diesem unglaublichen Willen war es möglich. Wir sind alle fix und fertig nach diesem Match, aber überglücklich, dass wir im Finale stehen“, sagte ein emotionaler Danny Heister.

Den Grundstein legte Kamal Achanta mit seinem deutlichen Erfolg im ersten Einzel. Nur maximal vier Sätze durfte die Borussia bei drei Einzelsiegen abgeben, um den „schwarzen Samstag“ von Saarbrücken wettmachen zu können. Und der Inder, der im Hinspiel nicht zum Einsatz gekommen war, ließ mit seiner Leistung gegen Adrien Mattenet die Hoffnung endgültig an den Staufenplatz zurückkehren. Der Franzose, der im Hinspiel noch gegen Panagiotis Gionis die Oberhand behalten hatte, bekam gegen den entfesselt aufspielenden Achanta vor rund 1100 begeisterten Zuschauern nicht den Hauch einer Chance.

Zum Schlüsselspiel wurde anschließend das Aufeinandertreffen von Patrick Franziska und Tiago Apolonia. Bereits im Hinspiel hatten sich beide über fünf Sätze lang duelliert, damals mit dem besseren Ende für den Saarbrücker. Doch gestern bewies Franziska Nervenstärke. Nach drei Sätzen führte der Portugiese mit 2:1 — ein Satz fehlte den Gästen zum Finaleinzug. Doch Borussias Nummer Zwei biss sich weiter rein und durfte nach einem 11:9 im fünften Satz jubeln.

Nun lag alles an Timo Boll. Der 34-Jährige traf auf Bojan Tokic, dem er im Hinspiel überraschend unterlegen war. Nach gutem Start von Boll drehte der Slowene auf und kam zum Satzausgleich. Der Weltranglistensiebte ließ sich nicht beirren, spielte in der Folge sein bestes Tischtennis und verwandelte den Centre Court nach seinem Matchball im vierten Satz in ein Tollhaus.

„Ein 0:3 zu drehen ist schier unmöglich. Aber diese Mannschaft hat dieses gewisse Etwas. Sie geht gemeinsam durch dick und dünn, jeder ist für den anderen da“, sagte Manager Andreas Preuß. Wie emotional dieser Nachmittag für alle Beteiligten war, unterstrich Kamal Achanta: „Ich bin total überwältigt. Ich war so emotional nach meinem Sieg und musste meine Freude rauslassen. Und als dann Patrick und Timo auch gewonnen hatten, hatte ich Tränen vor Glück in den Augen. Wir haben so eine super Mannschaft, die nach dieser fantastischen Hauptrunde auch verdient im Endspiel steht.“

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